19.2.2018
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AK-Studie zeigt: Kinderbetreuung, Arbeitsstress und Mangel an Vollzeitjob sind Hauptgründe für (un-)freiwillige Teilzeit

Teilzeitbeschäftigung nimmt stark zu. Am häufigsten entscheiden sich Arbeitnehmer/-innen dafür, weil Kinder zu betreuen sind. Zweithäufigstes Motiv ist – wenn auch mit deutlichem Abstand –, Zeit für persönliche Interessen zu haben, gepaart mit dem Anliegen, dem Stress in der Arbeit zu entfliehen und gesund zu bleiben. Und 29 Prozent sind nur deshalb in Teilzeit, weil keine Vollzeitstelle zu finden war. So die Ergebnisse einer AK-Studie. „Schaut so aus, als wäre der Trend zur Teilzeit in Wahrheit vielfach eine Flucht in die Teilzeit – aufgrund fehlender oder unpassender Kinderbetreuungsangebote sowie aufgrund überbordender Arbeitsverdichtung in den Betrieben. Da muss man ansetzen“, sagt AK-Präsident Dr. Johann Kalliauer.

Teilzeitarbeit hat sich mehr als verdoppelt

Der Anteil der Teilzeitbeschäftigten an den unselbständig Erwerbstätigen hat sich in Österreich von 1996 bis 2016 mehr als verdoppelt. Er stieg von 13,5 Prozent auf 28,9 Prozent, bei Männern hat er sich sogar fast vervierfacht. Allerdings sind nach wie vor 80 Prozent aller Teilzeitbeschäftigten weiblich. In absoluten Zahlen waren 2016 von rund 3,7 Millionen Erwerbstätigen etwa 1,1 Millionen Teilzeit beschäftigt – 200.000 Männer und 860.000 Frauen. Um mehr über die Motive zu erfahren, hat die Arbeiterkammer Oberösterreich das Institut für Sozial- und Wirtschaftswissenschaften (ISW) mit einer Studie beauftragt.

Kinder sind Hauptgrund für Teilzeit

Erwartungsgemäß ist Kinderbetreuung der häufigste Beweggrund. Für mehr als die Hälfte der Befragten – zum Großteil Frauen – ist das ein (sehr) wichtiges Motiv. Auffallend ist, dass in Oberösterreich 65 Prozent dieses Motiv als sehr und eher wichtig nennen, in Wien aber nur 41 Prozent.

Mehr Zeit für sich selbst

Zweithäufigstes – für Frauen und Männer gleichermaßen wichtiges – Motiv, sich für Teilzeit zu entscheiden, ist, mehr Zeit für persönliche Interessen zu haben. Immerhin ein Drittel der Befragten erachten dieses als (sehr) wichtig. Anders als bei der Kinderbetreuung werden in dieser Gruppe aber sehr häufig zusätzliche Gründe genannt: meist Stress in der Arbeit sowie Gesundheit, aber auch berufsbezogene Weiterbildung.

Zu wenig Vollzeitstellen verfügbar

Etwas weniger als ein Drittel der Teilzeitbeschäftigten würde lieber Vollzeit arbeiten, findet aber keine entsprechende Stelle. Das sind häufig Alleinstehende, die für ihr Einkommen gänzlich auf sich selbst gestellt sind. Generell hängt eine positive Wahrnehmung von Teilzeit weitgehend mit (Vollzeit) berufstätigen Partner/-innen zusammen.

30 Stunden wären Wunscharbeitszeit

Österreichs Teilzeitbeschäftigte würden vielfach gerne mehr Stunden arbeiten: 30 Wochenstunden stellen für viele das ideale Arbeitszeitausmaß dar. Nur sehr junge Befragte (Schüler/-innen, Studierende) und Beschäftigte kurz vor der Pension bevorzugen 20 Wochenstunden und weniger. Nach unten geht die Zufriedenheit auch, wenn die Arbeitszeit regelmäßig stärker schwankt. Bei 20 Prozent der Teilzeitbeschäftigten ist das der Fall (saisonbedingte Schwankungen explizit ausgenommen).

Teilzeit - aber bitte befristet

Befragte, die sich wegen der Kinderbetreuung für Teilzeit entschieden haben, betrachten ihren Teilzeitstatus tendenziell als zeitlich befristet. Umgekehrt verhält es sich bei jenen, für die Zeit für persönliche Interessen, Arbeitsstress und Gesundheit die ausschlaggebenden Motive waren: Sie sehen Teilzeit mehrheitlich als Lösung für das gesamte verbleibende Berufsleben. Und jene, die Teilzeit aus Alternativlosigkeit zustimmen mussten, sehen in der Teilzeit meist eine Notlösung.

In manchen Lebensphasen passend

„Die Studie zeigt, dass Teilzeit als berufliches Kürzertreten in bestimmten Lebensphasen und als Schutz für die Gesundheit gesehen wird. Viele wollen wieder voll zurück in den Job. Das muss ihnen besser als bisher ermöglicht werden: mit einem qualitätsvollen Ausbau institutioneller Kinderbetreuung, mit Arbeitsbedingungen, die nicht krank machen, und mit einem Recht auf Wechsel zwischen Teil- und Vollzeit“, fordert AK-Präsident Dr. Johann Kalliauer.

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