30.6.2017
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Sanfte Rückkehr ins Arbeitsleben nach langer Krankheit: Ab sofort ist Wiedereingliederungsteilzeit möglich

Die Rückkehr schwer erkrankter Arbeitnehmer/-innen in den Job wird mit  1. Juli erleichtert: „Wer sich nach einer schweren physischen oder psychischen Erkrankung noch nicht fit für einen vollen Berufseinstieg fühlt, kann künftig mit dem Arbeitgeber für bis zu 9 Monate Teilzeitarbeit vereinbaren und erhält während dieser Zeit anteilig Krankengeld“, macht AK-Präsident Dr. Johann Kalliauer auf die neue Wiedereingliederungsteilzeit aufmerksam. Voraussetzungen sind ein Wiedereingliederungsplan und eine chefärztliche Genehmigung. 

Erfolg für Arbeitnehmer/-innen

Mit diesem Gesetz ist nach Ansicht der AK ein gesundheits- und sozialpolitischer Erfolg gelungen, der zur besseren Wiedereingliederung nach langer Krankheit - zum Beispiel Krebs - beitragen wird. „Denn viele Beschäftigte wünschen sich nach längerem Krankenstand eine baldige Rückkehr in das Arbeitsleben“, so AK-Präsident Kalliauer. „Genauso wesentlich wie das neue Gesetz ist aber auch, dass krankmachende Arbeitsbedingungen beseitigt und Arbeitsplätze an die gewandelte Leistungsfähigkeit angepasst werden. In den Betrieben sollte grundsätzlich der Blick auf die Prävention geschärft und ein innerbetriebliches Eingliederungsmanagement installiert werden.“

Wiedereingliederungsteilzeit: Was bringt sie?

Auch wenn nach einem längeren Krankenstand aus medizinischer Sicht keine Krankschreibung mehr nötig ist, ist die körperliche und psychische Leistungsfähigkeit oft noch nicht komplett wiederhergestellt. Der Wiedereinstieg in den Job kann mit reduzierter Arbeitszeit erleichtert werden. Im Rahmen einer Wiedereingliederungsteilzeit erhalten Betroffene Wiedereingliederungsgeld, um den Einkommensverlust teilweise abzufedern.

Wiedereingliederungsteilzeit: Wer kann sie nutzen?

Die Wiedereingliederungsteilzeit kann von ASVG-versicherten Arbeitnehmern/-innen in einem aufrechten Beschäftigungsverhältnis nach einem mindestens sechswöchigem durchgängigem Krankenstand in Anspruch genommen werden. Für eine Wiedereingliederungsteilzeit muss eine ärztliche Gesundmeldung vorliegen. Voraussetzungen sind weiters ein Wiedereingliederungsplan und eine chefärztliche Bewilligung.

Wiedereingliederung brauch eine Vereinbarung

Zwischen Arbeitnehmer/-in und Arbeitgeber kann eine freiwillige Vereinbarung über die Wiedereingliederungsteilzeit abgeschlossen werden. Unter Beiziehung von fit2work oder der Arbeitsmedizin ist ein Plan zu erstellen, der Dauer und Ausgestaltung der befristeten Teilzeit genau regelt. Auch weitere Bedingungen, etwa Arbeitsplatzadaptierungen, können Teil des Wiedereingliederungsplans sein.

In Betrieben mit Betriebsrat muss dieser bei der Erstellung des Planes miteinbezogen werden. Veränderungen des Arbeitsinhaltes und der Arbeitsaufgaben sind nur im Rahmen des bestehenden Arbeitsvertrages möglich. Der Plan muss schließlich vom chef- und kontrollärztlichen Dienst der zuständigen Krankenversicherung bewilligt werden. Während der Wiedereingliederungsteilzeit, aber auch bei Ablehnung einer solchen, besteht ein Motivkündigungsschutz.

Wie kann die Wiedereingliederungsteilzeit gestaltet sein?

Die Wiedereingliederungsteilzeit muss unmittelbar an den Krankenstand anschließen. Die Teilzeitvereinbarung kann zunächst für ein bis maximal sechs Monate abgeschlossen werden. Eine einmalige Verlängerung um drei Monate ist möglich. Zum Teilzeitausmaß macht das Gesetz sehr genaue Vorgaben. 

Wiedereingliederungsgeld mindert Verdienstentgang

Während der Wiedereingliederungsteilzeit erhält der Beschäftigte ein Entgelt entsprechend der geleisteten Arbeitsstunden. Zusätzlich wird von der Krankenversicherung Wiedereingliederungsgeld in Höhe des aliquoten, erhöhten Krankengeldes ausbezahlt. Der Verdienstentgang für Arbeitnehmer/-innen wird somit deutlich abgemildert.

Schritt in die richtige Richtung

„Wer nach langer Krankheit behutsam einsteigen will, soll keine zu großen finanziellen Einbußen haben. Daher geht das Gesetz in die richtige Richtung“, so AK-Präsident Dr. Johann Kalliauer. „Zu einer gesundheitsförderlichen Arbeitswelt, die auch Menschen mit eingeschränkter Arbeitsfähigkeit eine dauerhafte Erwerbsbeteiligung ermöglicht, ist es trotzdem noch ein weiter Weg. Es braucht auch ein permanentes betriebliches Wiedereingliederungsmangement und einen Kündigungsschutz im Krankenstand. Mit der Wiedereingliederungsteilzeit wird ein erster Schritt gesetzt.“

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