20.4.2018
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Niedriglöhne in Österreich: Anteil im letzten Jahrzehnt halbiert AK fordert rasche Anhebung aller Mindestlöhne auf 1.700 Euro

Höchstens 1.700 Euro brutto, das aktuelle gewerkschaftliche Mindestlohn-Ziel, hat im Jahr 2016 rund ein Zehntel der Beschäftigten bei ganzjähriger Vollzeit verdient. 2006 war es noch ein Viertel (ohne Lehrlinge). Der Anteil der Niedrigentlohnten hat sich also im letzten Jahrzehnt mehr als halbiert. „Der Rückgang der Niedriglöhne ist ein lohnpolitischer Erfolg der Gewerkschaften. Nun geht es darum, dass die kollektivvertraglichen Mindestlöhne rasch und flächendeckend auf 1.700 Euro brutto angehoben werden“, fordert AK-Präsident Dr. Johann Kalliauer. 

Mindestlohn bringt allen etwas

1.700 Euro brutto 14-mal im Jahr entsprechen etwa 10 Euro in der Stunde. Ein höherer kollektivvertraglicher Vollzeit-Mindestlohn kommt auch jenen Beschäftigten zugute, die einen geringentlohnten Teilzeitjob haben, da ihre Stundenlöhne ansteigen. Etwas mehr als die Hälfte der Beschäftigten in Österreich hat einen ganzjährigen Vollzeitjob. Hochgerechnet auf alle Beschäftigten, also auf auch die andere Beschäftigtenhälfte, die während des Jahres Berufsunterbrechungen oder einen Teilzeitjob hat, waren 2016 deutlich mehr als 400.000 Beschäftigte niedrigentlohnt.

Kollektivverträge sind Wettbewerbsvorteil

Österreichs international anerkannter Vorteil besteht darin, dass fast alle Beschäftigten durch Kollektivverträge geschützt werden. Das nützt den Arbeitnehmern/-innen und den Unternehmen: Die gemeinsam von Gewerkschaften und Wirtschaftsverbänden ausverhandelten Mindeststandards beim Lohn, bei der Arbeitszeit und bei anderen Arbeitsbedingungen schützen vor unfairer Billigkonkurrenz. Die sozialpartnerschaftliche Einigung auf 1.500 Euro Mindestlohn in allen Branchen bis spätestens Ende 2019 ist ein Beitrag zur Verhinderung einer volkswirtschaftlich schädlichen Abwärtsspirale. 

Die AK fordert einmal mehr von der Wirtschaftskammer, den Kammern der freien Berufe und den freiwilligen Berufsverbänden eine rasche Umsetzung dieser Vereinbarung. Dies ist allerdings nur ein längst überfälliger Zwischenschritt auf dem Weg zum aktuellen gewerkschaftlichen Mindestlohnziel in Höhe von 1.700 Euro brutto monatlich 14-mal im Jahr. „Das schützt die Menschen vor Armutslöhnen und sorgt bei den Unternehmen für gerechten Wettbewerb“, betont AK-Präsident Kalliauer.

Niedriglöhne sind Frauensache

Während nur mehr rund 7 Prozent der ganzjährig vollzeitbeschäftigten Männer weniger als 1.700 Euro Monatsbrutto erhalten, sind mit rund 17 Prozent anteilsmäßig doppelt so viele Frauen betroffen. 1.500 Euro trotz ganzjährigem Vollzeitjob ist für 4 Prozent der Männer, aber 9 Prozent der Frauen der Maximallohn. Der Blick zurück zeigt, dass sich bei beiden Geschlechtern die Betroffenenanteile halbiert haben: 10 Jahre zuvor verdiente noch mehr als jede dritte vollzeitbeschäftigte Frau (39 Prozent) und verdienten 15 Prozent der Männer weniger als 1.700 Euro. Mit maximal 1.500 Euro Monatsbrutto wurden damals noch mehr als ein Viertel der Frauen (28 Prozent) und 8 Prozent der Männer entlohnt.

Gastronomie, Dienstleistungen und auch Handel

Die Branche mit dem höchsten Anteil an Niedrigentlohnten – gemessen an allen in der Branche ganzjährig Vollzeitbeschäftigten – ist das Hotel- und Gastgewerbe:

  • Österreichweit verdiente 2016 knapp jede/-r zweite Beschäftigte (48 Prozent) in diesem Bereich weniger als 1.700 Euro monatlich für Vollzeitarbeit. Für mehr als ein Viertel (29 Prozent) war 1.500 Euro der Maximallohn. 

  • In der sehr heterogenen Branche „sonstige wirtschaftliche Dienstleistungen“, zu denen die Gebäudereinigung oder die Arbeitskräfteüberlassung gehören, erhalten mehr als ein Fünftel der Vollzeitbeschäftigten weniger als 1.700 Euro. 

  • Im Handel sind es rund 15 Prozent. Insgesamt arbeiten in den 3 Branchen mehr als 100.000 Niedrigentlohnte.

Lohndumping endlich streng bestrafen

Österreich gehört zu den reichsten Ländern der Welt. Den Wohlstand schaffen die arbeitenden Menschen. Und dabei werden sie immer produktiver. Doch die Früchte der Arbeit sind ungerecht verteilt. Ein großer Teil fließt in Unternehmensgewinne oder als Dividende direkt in die Taschen der Unternehmenseigner/-innen. Zugleich sind Hunderttausende von niedrigen Löhnen betroffen. Und auch „Working poor“, also Arme oder Armutsgefährdete trotz Erwerbstätigkeit, sind in Österreich traurige Realität. „Die Beschäftigten haben faire Löhne verdient, die sich an der hohen Produktivität orientieren“, sagt der AK-Präsident. „Außerdem müssen schwarze Schafe, die systematisch zu wenig zahlen, streng bestraft werden. Das Lohn- und Sozialdumping-Bekämpfungsgesetz muss rigoros angewandt werden und darf keinesfalls – wie von der Regierung geplant – aufgeweicht werden!“, so Kalliauer.     

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