11.5.2018
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Hürden und Diskriminierungen, soweit das Auge reicht: AK fordert mehr Anerkennung für die Leistungen der Frauen

Der kommende Muttertag gibt Anlass darüber nachzudenken, wie schwierig es für viele Frauen ist Beruf und Familie in Einklang zu bringen. Was Familien und vor allem Mütter hier leisten, wird viel zu wenig gewürdigt. AK-Präsident Dr. Johann Kalliauer dazu: „Ein Faktencheck zur Lage der Frauen in Oberösterreich bestätigt unsere Forderungen: Rücknahme der Kindergartengebühren, Ausbau von Betreuungsplätzen, 1.700 Euro Mindestlohn“.

1700 Euro Mindestlohn würde Frauen helfen

Vollzeitbeschäftigte Frauen verdienen in Oberösterreich pro Jahr um rund 12.000 Euro weniger als ihre männlichen Kollegen. Knapp 40 Prozent dieses Einkommensunterschieds lassen sich durch beobachtbare Ungleichheiten wie etwa Alter, Beruf, Region, Betriebszugehörigkeit oder Unternehmensgröße erklären. Für die restlichen 60 Prozent gibt es hingegen keinerlei Erklärung. „Hier dürfte Lohn- und Gehaltsdiskriminierung in den Betrieben ursächlich verantwortlich sein“, vermutet AK-Präsident Dr. Johann Kalliauer. Er bekräftigt daher die Forderung der Arbeiterkammer, den Mindestlohn so rasch als möglich auf 1.700 Euro zu erhöhen.

Frauen ökonomisch von Partnern abhängig

Noch prekärer ist die Situation für die zunehmende Zahl von oberösterreichischen Frauen, die keine Möglichkeit haben, Vollzeit zu arbeiten: 2017 war bereits mehr als die Hälfte teilzeitbeschäftigt, das Beschäftigungswachstum beschert den Oberösterreicherinnen seit Jahren vorwiegend Jobs im Bereich der atypischen Beschäftigung. „Für sie ist es quasi unmöglich, ein eigenständiges und unabhängiges Leben führen zu können“, sagt der AK-Präsident. Dazu kommt die Konzentration auf wenige Dienstleistungsbranchen: Mehr als ein Drittel der Oberösterreicherinnen arbeitet im Handel und im öffentlichen Bereich. 

Altersarmut droht

Das hat nicht nur Auswirkungen auf die aktuelle Einkommenssituation, sondern auch auf die spätere Pension: Seit der Pensionsreform 2003 gibt es einen viel stärkeren unmittelbaren Zusammenhang zwischen dem Ausmaß der Arbeitszeit und der Höhe der zu erwartenden Pension. Die durchschnittliche Alterspension von Frauen war daher im Dezember 2017 um rund 1.000 Euro niedriger als jene von Männern. Laut Arbeitsklima Index glaubt ein Viertel der Frauen, dass ihre spätere Alterspension einmal nicht ausreichen wird. 

Kinderbetreuung: OÖ ist Schlusslicht

Unumstritten ist, dass eine gute Vereinbarkeit von Vollzeitarbeit und Privatleben eng mit dem Ausbau der institutionellen Kinderbetreuung verbunden ist. In dieser Hinsicht wird Oberösterreich die rote Laterne im Bundesländervergleich nicht los: Nur 4 Prozent der Unter-Dreijährigen und 21,4 Prozent der 3- bis 6-sjährigen befinden sich in Kinderbetreuungseinrichtungen, die mit einer Vollzeitarbeit vereinbar sind – und das, obwohl von Bund und Land sehr viel Geld zur Verfügung gestellt wurde. Starre Öffnungszeiten der Krabbelstuben und Kindergärten stehen den immer flexibler werdenden Arbeitszeiten gegenüber.

Die AK fordert deshalb, die Finanzierung der Kinderbetreuungseinrichtungen nachhaltig sicherzustellen sowie eine Rücknahme der Elternbeiträge in der Nachmittagsbetreuung, ein zweites verpflichtendes und kostenloses Kindergartenjahr für alle Kinder und einen Rechtsanspruch auf einen qualitätsvollen Betreuungsplatz ab dem zweiten Lebensjahr bis zum Ende der Sekundarstufe I. Zusätzlich braucht es den Ausbau sozialer Dienstleistungen (Pflege- und Betreuungseinrichtungen, Kinderbetreuung).

Männer sollten rasch umdenken

Neben der Erwerbsarbeit erbringen Frauen auch den Löwenanteil der Familien- und Sorgearbeit. Laut Arbeitsklima Index schultern mehr als zwei Drittel der Frauen den Haushalt zumindest großteils alleine. Selbst sechs von zehn Männern sagen, dass bei ihnen die Partnerin den Großteil der Haushaltsarbeit macht. Halbe-halbe gibt es nicht einmal in jedem vierten gemeinsamen Haushalt. „Appelle alleine reichen hier nicht. Um die Frauen in den privaten 4 Wänden zu entlasten und mehr Schwung in die familiäre Arbeitsteilung nach dem Prinzip Halbe-halbe zu bringen, könnten ein gesetzlicher Rechtsanspruch auf den Papamonat oder auf Freistellungsmodelle wie Familienhospizkarenz, Pflegeteilzeit oder Familienzeitbonus sinnvoll sein“, ist sich AK-Präsident Dr. Johann Kalliauer sicher.

Zum anstehenden Muttertag wünscht sich Kalliauer vor allem eines: Mehr Anerkennung für die Leistungen der Frauen – aber nicht nur in Form von schönen Sonntagsreden, sondern durch faire Entlohnung, bessere Chancen auf dem Arbeitsmarkt und einen Ausbau der institutionellen Kinderbetreuung.

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