27.11.2017
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AK-Kinderbetreuungsatlas 2017: Leichte Fortschritte, aber auch Rückschritte

Nur 85 von 442 oberösterreichischen Gemeinden (19,2 Prozent) haben ein Kinderbetreuungsangebot, das Eltern eine Vollzeitbeschäftigung ermöglicht. Trotz neuerlicher leichter Fortschritte - sechs 1A-Gemeinden sind seit dem Vorjahr dazugekommen - geben die Ergebnisse des AK-Kinderbetreuungsatlas 2017 berufstätigen Eltern wenig Grund zum Jubeln.

Dass die Nachmittagsbetreuung im Kindergarten in Zukunft für die Eltern nicht mehr kostenfrei sein soll, ist zudem für viele Mütter und Väter eine echte Hiobsbotschaft. „Da geht es nicht nur um die Vereinbarkeit von Beruf und Familie, das ist auch ein schwerer Schaden für die Bildungschancen vieler Kinder“, sagt AK-Präsident Dr. Johann Kalliauer.

Kinderbetreuung ist Standortvorteil

Mit dem Kinderbetreuungsatlas möchte die Arbeiterkammer Oberösterreich die Situation in unserem Bundesland darstellen und die Angebote für Eltern vergleichbar machen. Gleichzeitig soll Druck auf die Verantwortlichen ausgeübt werden, das Angebot zu verbessern. Wie die Gegenüberstellung der „Kinderbetreuungslandkarten“ 2000 und 2018 zeigt, hat sich in den letzten 18 Jahren viel getan. „Es freut uns immer wieder, wenn sich in einer Gemeinde das Angebot verbessert und wenn diese Gemeinde das auch offensiv kommuniziert. Schließlich haben solche Gemeinden, die in soziale Dienstleistungen investieren, einen echten Wettbewerbsvorteil, wenn es etwa um den Zuzug von jungen Familien geht“, betont Kalliauer. 

Transparenz auch bei Kinderbetreuung

Mit dem Kinderbetreuungsatlas trägt die AK auch zu mehr Transparenz bei. Erst vor wenigen Monaten hat ja der Landesrechnungshof die fehlende Transparenz im Zusammenhang mit Kinderbetreuungseinrichtungen kritisiert. Zurecht, wie Präsident Kalliauer meint: „Wie die Bedarfserhebungen der Gemeinden zustande kommen, ist offenbar ein Staatsgeheimnis.“

Keineswegs ginge es darum, Gemeinden schlecht zu machen oder an den Pranger zu stellen, so Kalliauer: „Uns ist klar, dass nicht jede 500-Seelen-Gemeinde ein eigenes Top-Angebot auf die Beine stellen kann. Da braucht es eine gerechte Finanzierung. Und es gibt ja auch die Möglichkeit der Kooperation mit Nachbargemeinden, die immer öfter genutzt wird.“

Warum hinkt Oberösterreich hinterher?

Ein Kritikpunkt der AK betrifft den Umgang mit den Mitteln, die der Bund bei Kofinanzierung durch die Länder für den Ausbau der Kinderbetreuung zur Verfügung stellt. Hier werde viel in räumliche Qualitätsverbesserungen, aber kaum etwas in eine Ausweitung der Öffnungszeiten investiert. Und genau bei den Öffnungszeiten liegt der Haken: Laut Kindertagesheimstatistik von Statistik Austria ist die Situation bei den vollzeitkompatiblen Betreuungsplätzen sogar schlechter geworden: Nur 4 Prozent der Unter-Dreijährigen hatten 2016/17 einen solchen Platz, 2015/16 waren es 4,1 Prozent. Bei den Drei- bis Sechsjährigen ist der entsprechende Prozentsatz von 21,7 auf 21,4 zurückgegangen. Bei beiden Altersgruppen liegt Oberösterreich im Bundesländervergleich sehr schlecht.

Auch große Gemeinden versagen

Insgesamt zeigt der aktuelle AK-Kinderbetreuungsatlas 52 Verbesserungen und 27 Verschlechterungen. Immerhin gibt es jetzt in jedem Bezirk zumindest eine 1A-Gemeinde, doch noch immer bieten drei Bezirkshauptstädte kein Top-Angebot: Gmunden, Perg und Rohrbach-Berg. Schärding ist heuer erstmals zur 1A-Gemeinde aufgestiegen.

156 von 442 Gemeinden (35,3 Prozent) haben im Kindergarten weniger als acht Stunden geöffnet. 44 Gemeinden (10 Prozent) haben überhaupt kein Angebot für Unter-Dreijährige. 37 Gemeinden (8,4 Prozent) bieten keine Nachmittagsbetreuung für Volksschulkinder. Und in 26 Gemeinden (5,9 Prozent) gibt es kein Mittagessen im Kindergarten.

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