6.11.2017
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Der Arbeitsklima Index zeigt: Fast 2 Drittel der Handelsangestellten kommen kaum mit ihrem Einkommen aus

Fast 2 Drittel der vorwiegend weiblichen Beschäftigten im Handel kommen mit ihrem Einkommen kaum über die Runden. Auch die Einkommenszufriedenheit der Handelsangestellten ist deutlich geringer als im Durchschnitt aller Branchen. Das zeigt die neueste Auswertung des Österreichischen Arbeitsklima Index der AK Oberösterreich. „Das hat nicht nur mit der hohen Teilzeitquote zu tun. Es liegt auch an zu niedrigen Stundenlöhnen“, erklärt AK-Präsident Dr. Johann Kalliauer. Er fordert daher kräftige Lohn- und Gehaltssteigerungen bei den laufenden Kollektivvertragsverhandlungen. 

Handelsangestellte mit Einkommen unzufrieden

Bei 62 Prozent der Handelsangestellten reicht das Einkommen kaum oder gar nicht aus. In allen anderen Branchen und Berufen sagen das rund 46 Prozent. Dementsprechend ist auch die Einkommenszufriedenheit der Handelsangestellten deutlich geringer als im Durchschnitt aller Branchen. Das liegt natürlich zum Teil an der hohen Teilzeitquote, aber auch an zu niedrigen Stundenlöhnen in der Branche.

Auf 1.700 Euro Mindestlohn einigen

„Umso wichtiger ist die Sozialpartnereinigung auf einen Mindestlohn von 1.500 Euro. Dieser kommt vor allem Beschäftigten in Niedriglohnbranchen wie dem Handel zugute. Ziel der Gewerkschaften bleibt aber weiterhin ein Mindestlohn von 1.700 Euro“, sagt AK-Präsident Dr. Johann Kalliauer. Für die anstehenden Kollektivvertragsverhandlungen fordert Kalliauer angesichts des wirtschaftlichen Aufschwungs kräftige Lohn- und Gehaltssteigerungen. 

Situation wird nur langsam besser

Die Wirtschaftskrise in den Jahren 2008 und 2009 hat bei den rund 400.000 Handelsangestellten in Österreich zu einem besonders starken Rückgang bei der Arbeitszufriedenheit geführt. Nach einer mittelfristigen Erholung in den Folgejahren erreichte sie 2016 mit 105 Punkten einen neuen Tiefstwert. 

Im ersten Halbjahr 2017 ging der Index wieder nach oben. Die Handelsbeschäftigten sind jetzt wieder optimistischer für die wirtschaftliche Entwicklung des Betriebs, zufriedener mit ihren Vorgesetzten, sie sehen bessere Karrierechancen und auch mehr Möglichkeiten auf dem Arbeitsmarkt als in den Jahren zuvor. 

Auch bei den psychischen und physischen Belastungen hat sich die Situation verbessert. Mehr als 2 Drittel glauben, gesund bis zur Pension durchhalten zu können. Das sind um 10 Prozentpunkte mehr als im Durchschnitt aller Branchen.

Kunden verursachen Stress

Als stärkste Belastung wird im Handel der ständige Kundenkontakt wahrgenommen: Dieser stresst mehr als doppelt so viele Beschäftigte wie im Durchschnitt aller Branchen. Rund jeder Fünfte klagt über hohe Konzentration, hohe Verantwortung oder langes Stehen. Überdurchschnittlich belastet sind die Handelsbeschäftigten durch ständige Überwachung und Kontrolle, künstliches Licht und mangelnde Rückzugsmöglichkeiten. 

2 Drittel der Beschäftigten im Handel müssen am Samstag arbeiten, fast 30 Prozent sogar häufig. Sonntagsarbeit ist hingegen (noch) kein Thema: Nur jede/r Zwanzigste muss, zumindest selten, auch am Sonntag arbeiten.

Regalbetreuer besonders unzufrieden

Regalbetreuer/-innen haben eine um rund 10 Punkte schlechtere Arbeitszufriedenheit als die restlichen Beschäftigten im Handel. Auch Kassierer/-innen und Fachverkäufer/-innen liegen unter dem Branchenschnitt. Am zufriedensten sind Handelsangestellte mit Bürotätigkeit.

Der Arbeitsklima Index

Der Österreichische Arbeitsklima Index misst und beschreibt seit 20 Jahren vierteljährlich die wirtschaftlichen und sozialen Entwicklungen aus Sicht der Arbeitnehmer/-innen.

Alle Infos zum Arbeitsklima Index, der von SORA und IFES im Auftrag der AK Oberösterreich erhoben wird, finden Sie hier.

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