15.2.2017
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Studierenden-Sozialerhebung: AK fordert mehr Durchlässigkeit beim Unizugang und faire Studienförderung

Studienplatzbewirtschaftung und flächendeckende Aufnahmeverfahren bedeuten das Ende des freien Hochschulzugangs. In Österreich, wo Bildung nach wie vor vererbt wird und es zu wenig Durchlässigkeit gibt, werden diese Änderungen erst recht dazu führen, dass akademische Bildung weniger vom Talent als vielmehr vom Geld abhängt. „Darum brauchen wir mehr Möglichkeiten, über den zweiten Bildungsweg an die Uni zu kommen, und eine faire Studienförderung, die es auch Arbeiterkindern ermöglicht, ihr Studium zu finanzieren, ohne nebenbei arbeiten gehen zu müssen“, sagt AK-Präsident Dr. Johann Kalliauer.

Hochschulen: zu wenig Studierende aus Arbeiterfamilien

Von rund 237.000 Studierenden, die in Österreich die Reifeprüfung erworben haben, kommen laut Studierenden-Sozialerhebung 19 Prozent oder rund 45.000 Personen aus Oberösterreich. Studienanfänger/-innen aus Arbeiterfamilien sind in ganz Österreich stark unterrepräsentiert. „Junge Menschen aus benachteiligten Elternhäusern müssen daher massiv gefördert werden, um die Durchlässigkeit sicherzustellen“, sagt AK-Präsident Dr. Johann Kalliauer. 

Oberösterreichische Männer fallen zurück

Die Hochschulzugangsquote liegt mit 42 Prozent um 5 Prozentpunkte unter dem Österreichschnitt, bei Männern gar nur bei 33 Prozent. Und die Studierenden aus Oberösterreich kommen eher auf Umwegen an die Universität: Sie haben deutlich seltener eine AHS-Matura (48,2 Prozent zu 52,4 Prozent) als im bundesweiten Durchschnitt. Hingegen weisen Oberösterreicher/-innen häufiger alternative Studienberechtigungen auf (Berufsreifeprüfung, Studienberechtigungsprüfung, Berufliche Qualifikation oder Lehre mit Matura). Das spricht klar dafür, die Möglichkeiten eines Studiums über den zweiten Bildungsweg auszubauen. „Die oberösterreichischen Fachhochschulen haben weitreichende Instrumente zur Erhöhung der Durchlässigkeit für Lehrlinge und andere Studierwillige ohne Matura. Die Universitäten sollten hier unbedingt nachziehen“, sagt Kalliauer.

Mehr Lehrlinge an Fachhochschulen

Das im Regierungsübereinkommen festgelegte Ziel eines Fördertopfes für den verbesserten Zugang von Lehrlingen zu Fachhochschulen ist ein weiterer wichtiger Schritt. Notwendig ist aber auch ein Ausbau von Fachhochschulplätzen: Nur knapp 13 Prozent der in Österreich vorhandenen Fachhochschulplätze befinden sich in Oberösterreich. Damit ist das Bundesland klar unterversorgt.

JKU vertreibt junge Menschen aus Oberösterreich

Studierende aus Oberösterreich und insbesondere Frauen sind sehr mobil: Die Hälfte der studierenden Frauen und 46 Prozent  der studierenden Männer verlassen Oberösterreich, um das Studium in einem anderen Bundesland zu absolvieren. „Dass die JKU im Vorjahr mit ihrem sehr bürokratischen Aufnahmeverfahren für Sozial- und Wirtschaftswissenschaften junge Menschen aus Oberösterreich vertrieben hat, verschärfte diese Problematik“, kritisiert der AK-Präsident.

Stipendien: gerechtere Kriterien einführen

Das wichtigste Instrument zur Finanzierung des Studiums ist nach wie vor die Familienbeihilfe. Aufgrund der niedrigen Altersgrenze verlieren viele die Familienbeihilfe, die sie dringend brauchen würden – wie etwa Arbeiterkinder, die über den zweiten Bildungsweg studieren. „Die Altersgrenze der Familienbeihilfe muss daher wieder angehoben werden“, fordert Kalliauer.

Jene, die erwerbstätig sind, weil sie sich das Studium andernfalls nicht leisten könnten, brauchen überdies eine Studienförderung, die ein Auskommen auch ohne Erwerbstätigkeit sicherstellt. Dafür sind eine massive Ausweitung des Bezieherkreises sowie eine deutliche Erhöhung der Förderung erforderlich.

Bauernkinder werden bevorzugt

37 Prozent der oberösterreichischen Studierenden, deren Eltern Landwirte sind, beziehen konventionelle Studienbeihilfe, aber nur 25 Prozent der Arbeiterkinder. Es bedarf eines gerechten Berechnungssystems, das nicht einzelne Gruppen auf Kosten anderer durch große Gestaltungsspielräume bevorzugt. Darüber hinaus ist die Studienförderung seit über 10 Jahren nicht mehr erhöht worden. Zur Wertsicherung müsste diese Erhöhung mittlerweile mehr als 18 Prozent betragen. Eine weitere notwendige Maßnahme betrifft die Anhebung der Altersgrenze (bis zu der ein Studium begonnen werden muss) von derzeit maximal 35 Jahre auf 40 Jahre.

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