14.7.2017
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Zahl der berufsbedingten Erkrankungen gestiegen – Dunkelziffer noch deutlich höher

Laut allgemeiner Unfallversicherungsanstalt wurden in Österreich im Jahr 2016 in 1.181 Fällen Erkrankungen als berufsbedingt anerkannt. Das ist eine Steigerung gegenüber dem Vorjahr um 14,2 Prozent. Die am häufigsten anerkannte Berufserkrankung ist die durch Lärm verursachte Schwerhörigkeit (630 Fälle), gefolgt von Hauterkrankungen durch Kontakt mit krankmachenden Arbeitsstoffen (160 Fälle) und durch Asbest ausgelösten Krebserkrankungen. „Die tatsächlichen Zahlen liegen deutlich höher, weil die Berufskrankheitsliste die österreichische Arbeitswelt nur unzureichend abbildet“, sagt AK-Präsident Kalliauer und fordert die Modernisierung der Liste.

Moderne Arbeitswelt mit neuen Belastungen

Derzeit gibt es nur 53 anerkannte Berufskrankheiten. 

  • Diese Liste müsse, so Kalliauer, um zahlreiche weitere Krankheiten erweitert werden, um die Veränderungen in der modernen Arbeitswelt abzubilden. Muskel-Skelett-Erkrankungen, psychische Krankheiten, aber auch zusätzliche arbeitsbedingte Krebserkrankungen müssen aufgenommen werden. 

  • Kalliauer fordert auch die Abschaffung des Prinzip der Monokausalität, also der Rückführbarkeit der Krankheit auf einen einzigen auslösenden Faktor. Stattdessen müsse die Möglichkeit geschaffen werden, Krankheiten auch eine anteilsmäßig als arbeitsbedingt anzuerkennen. 

  • Eine weitere Forderung der Arbeiterkammer ist die Beweislastumkehr. Nicht die Betroffenen sollen den Beweis für einen beruflichen Auslöser der Krankheit liefern müssen, sondern die Unternehmen sollen nachweisen müssen, dass die Krankheit nicht auf Arbeitsbedingungen zurückzuführen ist.

Seelische Belastung nimmt zu

Die Arbeitswelt verändert sich rasant. Während körperliche Belastungen sinken, steigen die psychischen dramatisch. Die Krankenstandsfälle aufgrund psychischer Erkrankungen haben sich innerhalb von 10 Jahren verdoppelt. Auch bei Pensionierungen oder Rehabilitation spielen psychiatrische Erkrankungen eine immer größere Rolle.

Das Berufskrankheitenrecht diskriminiert auch Frauen. Die körperlichen und psychischen Belastungen in vielen Berufsfeldern in denen mehrheitlich Frauen arbeiten, etwa im Gesundheits-, Sozial-, und Dienstleistungbereich oder im Handel werden im aktuellen System nicht anerkannt. Darum sind unter den anerkannten Fällen an berufsbedingten Erkrankungen nur 14 Prozent Frauen.

Vorbeugung und Schutz sind notwendig

Viele berufsbedingte Erkrankungen wären grundsätzlich durch vorbeugende Schutzmaßnahmen zu verhindern. Dabei muss aber besonders berücksichtigt werden, dass sich nicht wenige Berufskrankheiten - etwa Lärmschwerhörigkeit - über viele Jahre entwickeln. Selbst wenn heute Lärmdämmung oder Gehörschutz vorhanden sind, können Schäden aus früheren Zeiten dadurch nicht behoben werden. Auch die Ursachen für Asbesterkrankungen können Jahrzehnte zurück liegen, ehe die Krankheit ausbricht.

Die anerkannten Berufskrankheiten von heute sind also meist auf Versäumnisse aus der Vergangenheit zurückzuführen. Vor diesem Hintergrund gilt es, jetzt die arbeitsbedingten Gesundheitsgefahren zu erkennen und präventiv Krankheiten in der Zukunft zu vermeiden. Auch die Evaluierung psychischer Belastungen hat für die Prävention zentrale Bedeutung. 

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