22.3.2021

Neube­rechnung Jugend-Arbeits­losen­quote: 16 statt 9 Pro­zent! Kalliauer fordert von Politik wirk­sames Gesamt­konzept für Junge

„Trotz der schwersten Arbeits­markt­krise in der Zweiten Republik gibt es kaum Maß­nahmen gegen Jugend-Arbeits­losigkeit. Dass die Betroffenen mittler­weile in die Langzeit-Arbeits­losigkeit rutschen, ist ein Skandal! Ich erwarte mir mehr Engagement von Landes- und Bundes­politik. Wir brauchen ein wirksames Gesamtkonzept für Junge“, fordert AK-Präsident Dr. Johann Kalliauer, der zudem kritisiert, dass in der traditio­nellen Berechnungs­methode die Jugend-Arbeits­losen­quote deutlich unter­schätzt wird.

Arbeitslosenquote viel höher

Wird nämlich das gesamte Ausmaß bei den unter 25-Jährigen berück­sichtigt, beträgt die Quote bundes­weit rund 16 statt 9 Prozent und in Obe­rösterreich mehr als 10 statt nur 6 Prozent. Nach traditioneller „nationaler“ Definition ist eine Person arbeitslos, wenn sie keine über eine gering­fügige Beschäf­tigung hinausgehende Arbeit ausübt, sich beim AMS als arbeits­suchend gemeldet hat, das AMS einen Arbeits­vermittlungs­auftrag erteilt und die Person damit dem Arbeits­markt unmittel­bar zur Verfügung steht. Als nicht arbeitslos gelten Personen, die an einer Schulungs­maßnahme teilnehmen, weil angenommen wird, dass sie während der Schulung für eine Berufs­tätigkeit nicht verfügbar sind. Nicht als arbeitslos gelten zudem jene, die vom AMS als lehrstellensuchend kategorisiert sind. Das mag für einen Teil zutreffen. Aber: „Viele der betroffenen Jungen würden sofort mit einer Arbeit beginnen, sollten sie eine Chance bekommen. Nicht nachvoll­ziehbar ist, warum Lehrstellen­suchende, die ja sofort verfügbar sind, in der Jugend-Arbeitslosen­quote nicht vorkommen“, sagt Kalliauer.

 

Viele Jugendliche dauerhaft arbeitslos

Unter Einbeziehung aller bundesweit rund 75.700 Jugendlichen beziehungs­weise jungen Erwachsenen unter 25 Jahren, die entweder arbeitslos sind, sich in einer Schulung befinden oder auf Lehrstellen­suche sind, springt die Jugend-Arbeitslosen­quote von 9 auf rund 16 Prozent. In Bundes­ländern mit hoher Schulungs­intensität ist der Unterschied noch ausgeprägter. Aber auch in Oberösterreich mit im Februar 9.507 Betroffenen steigt die Quote von 6 auf mehr als 10 Prozent. Kalliauer: „Das ist noch vorsichtig gerechnet, da dabei jene Schülerinnen und Schüler sowie Studierende, die eigentlich gerne arbeiten würden, aber wegen fehlender Jobs im Bildungssystem bleiben, nicht eingerechnet sind.“

Es ist ein neues Phänomen in Österreich, dass junge Menschen dauerhaft vom Arbeitsmarkt ausgegrenzt sind. „Das ist ein Politikversagen erster Klasse! Wir schlittern hier auf ein Problem zu, dass schwer wieder in den Griff zu bekommen ist“, ist AK-Präsident Kalliauer empört. Im Februar 2021 waren bereits mehr als 6.300 Junge unter 25 langzeitbeschäftigungslos! Im Vergleich zum Vorjahr ist das ein Anstieg um fast 2.600 Jugendliche (+69 Prozent). Alleine in Oberösterreich sind 653 Junge langzeitbeschäftigungslos (+57,7 Prozent).

Jugendarbeitslosigkeit muss bekämpft werden

Landes- und Bundespolitik sind gefordert, rasch ein Gesamtkonzept zur Bekämpfung von Jugendarbeitslosigkeit vorzulegen. Die Arbeiterkammer OÖ fordert:

  • AMS-Schulungen und überbetriebliche Lehre müssen ausgebaut werden.

  • Ausbildungspflicht bis 18 Jahre optimieren: tatsächlich sollen alle Jugendlichen eine Ausbildung machen. Hilfsarbeit bei Minderjährigen darf es nicht geben.

  • Ausbildungsgarantie für junge Erwachsene zwischen 20 und 24 Jahren. Spätestens nach 4 Monaten Arbeitslosigkeit sollten alle jungen Erwachsenen ein Angebot vom AMS für eine Schulung oder einen Job bekommen. Die Kürzung der Ausbildungsbeihilfe von 792 Euro auf 343 für junge Erwachsene in überbetrieblichen Lehrausbildungen ist zurückzunehmen.

  • Konjunkturbelebende Maßnahmen, die auch (Jugend-)Beschäftigung steigern.

  • Aussagekräftige Datengrundlagen: Berechnung der gesamten Jugend-Arbeitslosenquote mit Schulungsteilnehmern/-innen und Lehrstellensuchenden. Monatliche Erhebung der Anzahl der Jungen, die sich vom Arbeitsmarkt zurückziehen und keinen Kontakt (mehr) zum AMS haben.

Das ist ein Politikversagen erster Klasse! Wir schlittern hier auf ein Problem zu, das schwer wieder in den Griff zu bekommen ist.

Dr. Johann Kalliauer

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