30.08.2019

AK-OÖ-Arbeits­zeitbericht: 36 Stunden ist Wunsch­arbeits­zeit, Eltern haben den stärksten Wunsch nach Arbeits­zeit­ver­kürzung

Die effektive Wunscharbeitszeit der österreichischen Arbeitnehmer/-innen liegt im Durchschnitt bei 36 Wochenstunden. Das ergibt die Auswertung der Daten des Österreichischen Arbeitsklima Index der AK Oberösterreich für das Gesamtjahr 2018 und das erste Quartal 2019. Bis zu einer Arbeitszeit von 30 Stunden pro Woche wollen die Menschen Stunden aufstocken. Wer bereits mehr als 30 Stunden arbeitet, möchte im Schnitt reduzieren.

AK-OÖ-Präsident Johann Kalliauer: „Eine künftige Bundesregierung ist gut beraten, die 2018 beschlossenen Novellen zum Arbeitszeitgesetz und Arbeitsruhegesetz zurückzunehmen. Statt überlanger Arbeitszeiten braucht es eine deutliche Verkürzung der täglichen und wöchentlichen Arbeitszeit. Das ist im Interesse der arbeitenden Menschen, des Staates und der Wirtschaft.“ 

Wider­spruch zu ÖVP/FPÖ Arbeits­zeit­gesetz

Die von der gescheiterten türkis-blauen Regierung beschlossene Ausweitung der Höchst-Arbeitszeiten auf 12 Stunden pro Tag und 60 Stunden in der Woche ist seit einem Jahr in Kraft. Sie steht nicht nur in vollkommenem Widerspruch zu den Erkenntnissen aus Medizin und Wissenschaft, sondern vor allem auch zu den Arbeitszeitwünschen der Beschäftigten. Die AK Oberösterreich nimmt das zum Anlass, ab sofort halbjährlich die Befragungsergebnisse zum Thema Arbeitszeit aus dem Österreichischen Arbeitsklimaindex zu veröffentlichen. 

Eltern brau­chen mehr Zeit

Stark ausgeprägt ist der Wunsch nach einer geringeren Arbeitszeit bei Eltern. Sowohl Väter als auch Mütter wollen die Arbeitszeit reduzieren. Die Daten zeigen krasse Unterschiede bei den Arbeitszeiten von Frauen und Männern - ein Indiz dafür, dass bei Familien mit Kindern die Haupterwerbsarbeit von Männern erbracht wird, während Frauen den Großteil der Erziehungs- und Hausarbeit neben ihrer Erwerbstätigkeit leisten (müssen). Männer mit Kindern ab 6 Jahren arbeiten mit durchschnittlich 43,8 Stunden besonders lang. Sie möchten im Schnitt um 4,1 auf 39,7 Stunden reduzieren. Frauen mit Kindern unter 6 Jahren arbeiten im Schnitt 35,7 Stunden und wollen um 2,9 auf 32,8 Wochenstunden verkürzen.  

Gleitzeit offen­bar oft zu lange

Unabhängig von einer Elternschaft wünschen sich Beschäftigte mit Gleitzeit mit minus 3,9 Stunden die deutlichste Arbeitszeitreduktion. Das ist auch nicht verwunderlich. Denn laut einer kürzlich veröffentlichen Umfrage gibt es bereits in einem Drittel der Unternehmen, die Gleitzeitregelungen haben, 12 Stunden-Tage. 

Der Blick in die Branchen zeigt, dass Menschen in allen Wirtschaftszweigen weniger arbeiten möchten, insbesondere aber Beschäftigte im Bau, Verkehrs- und Transportwesen sowie im öffentlichen Dienst.

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Zu langes Ar­beiten macht krank

Arbeitswissenschaftlich eindeutig belegt ist, dass lange Arbeitszeiten und viele Überstunden einen negativen Einfluss auf unsere Gesundheit, Arbeitssicherheit und Zufriedenheit haben. Je länger die tägliche und wöchentliche Arbeitszeit, desto geringer ist die Zeit für Regeneration und Erholung und desto größer die Gefahr der Zunahme von physischen und psychischen Gesundheitsbeschwerden, Arbeitsunfällen und Fehlerquoten. Arbeit und Arbeitszeit in Österreich sind insgesamt sehr ungerecht verteilt: Während die Beschäftigten und deren Familien unter zu langen Arbeitszeiten und permanenten Überstunden leiden, hatten alleine im Juli mehr als 330.000 Menschen ungewollt gar keine Arbeit! 

Neue Voll­zeit 35 Stun­den wäre möglich

„Wenn ab 2020 jährlich schrittweise die Arbeitszeit inklusive Überstunden effektiv gekürzt würde, könnte bereits ab 2024 die neue Vollzeit in Österreich 35 Stunden betragen“, skizziert Kalliauer einen möglichen Arbeitszeitverkürzungspfad. Das entspräche den Wünschen der Beschäftigten und würde zur wünschenswerten Angleichung der Arbeitszeiten zwischen Männern und Frauen auf eine neue kurze Vollzeit für alle führen.

Wo bleibt Rechts­anspruch auf 4 Tage?

Weitere wichtige Forderungen der Arbeiterkammer Oberösterreich sind die Anpassung der Arbeitszeit an die Belastungsintensität (je anstrengender die Arbeit, desto kürzer die Arbeitszeit), die Mitsprache des Betriebsrates bei der Bemessung des Personalstandes und ein Rechtsanspruch auf 4-Tage-Woche.

"Wenn ab 2020 jähr­lich schritt­weise die Ar­beits­zeit in­klu­sive Über­stunden effek­tiv ge­kürzt wür­de, könnte be­reits ab 2024 die neue Voll­zeit in Öster­reich 35 Stun­den be­tra­gen!"

Dr. Johann Kalliauer

AK-Präsident

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"Wenn ab 2020 jähr­lich schritt­weise die Ar­beits­zeit in­klu­sive Über­stunden effek­tiv ge­kürzt wür­de, könnte be­reits ab 2024 die neue Voll­zeit in Öster­reich 35 Stun­den be­tra­gen!"

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