30.09.2021

AK OÖ: Wirtschafts­aufschwung ist da – Gute Basis für kräftigen Anstieg der realen Löhne und Gehälter!

In der durch die Corona-Lockdowns ausgelösten Wirtschaftskrise wurden die Unternehmen mit Zigmilliarden an Steuermitteln gestützt. Obwohl die Gewinne der an der Wiener Börse notierten Unternehmen im Vorjahr deutlich zurückgegangen sind, haben sie für heuer doppelt so hohe Ausschüttungen aus den Vorjahresgewinnen geplant wie im Jahr davor. Die Arbeitnehmer/-innen aber mussten in der Krise teils massive Ein­kommensverluste hinnehmen. „Der spürbare Wirtschaftsaufschwung muss für kräftige reale Steigerungen von Löhnen und Gehältern sowie für moderne Formen der Arbeitszeitverkürzung genutzt werden“, fordert AK-Präsident Johann Kalliauer.

Aktionäre greifen kräftig zu

Allein im zweiten Quartal 2021 wurden weltweit 471,7 Milliarden US-Dollar (über 390 Milliarden Euro) an Dividenden ausgezahlt, ein Plus zum Vorjahr um 11,2 Prozent. In Europa genehmigten sich die Aktionäre/-innen eine Quartalsdividende von umgerechnet 108 Milliarden Euro, ein Fünftel mehr als 2020.


ATX Unternehmen verdoppeln Ausschüttungen

Auch in Österreich steigen die Gewinnausschüttungen unverhältnismäßig. Obwohl der Gewinn der 17 von der AK Wien untersuchten Börse-Unternehmen um 39 Prozent eingebrochen ist und trotz der In­anspruchnahme öffentlicher Gelder (Kurzarbeit), belaufen sich die geplanten Ausschüttungen für 2021 auf 3,2 Milliarden Euro, doppelt so viel wie 2020.

Arbeitnehmer/-innen droht Armut

Laut Eurofound hatte im Frühjahr 2020 etwas mehr als ein Viertel (28,2 Prozent) der in Österreich lebenden Familien finanzielle Schwierigkeiten. Ein Jahr später war es bereits über ein Drittel (37,5 Prozent). Besonders betroffen sind Frauen. Im Frühjahr 2021 hatten mehr als 40 Prozent der Frauen Schwierigkeiten, mit ihrem Einkommen das Auslangen zu finden (Männer: 33,8 Prozent).

Kaufkraft stagniert weiter

Nur 0,4 Prozent Kaufkraft-Zuwachs in 10 Jahren Im letzten Jahrzehnt hat sich die Einkommenslage der Arbeitnehmer/-innen in Österreich kaum gebessert. Das mittlere (Median-)Einkommen war 2019 preisbereinigt und netto nur um 0,4 Prozent höher als 2009. Der Hauptgrund: Immer mehr Beschäftigte arbeiten in schlecht bezahlten Jobs und/oder Teilzeit. Das Ein­kommen des am wenigsten verdienenden Viertels war 2019 real und netto sogar um 0,6 Prozent niedriger als jenes der Vergleichsgruppe 2009.

Im ersten Halbjahr 2021 erhielten nur rund 6 Prozent der etwa 611.000 oberösterreichischen Arbeitnehmer/-innen ein Monats-Brutto-Einkommen über der Höchstbeitragsgrundlage von 5.550 Euro. Das mittlere (Median-)Einkommen betrug knapp 2.600 Euro. Männer verdienten rund 3.030 Euro, Frauen mit 1.950 Euro um etwa 36 Prozent weniger.

Einkommen regional sogar gesunken

Auf alle Arbeitnehmer/-innen bezogen lag das mittlere Einkommen in Oberösterreich im ersten Halbjahr 2021 preisbereinigt um rund 2 Prozent höher als im ersten Halbjahr 2019, also vor der Krise. Jenes der männlichen Angestellten ist in diesem Zeitraum aber real gesunken. Realein­kommensverluste gab es auch für Arbeiter/-innen einzelner Bezirke. Besonders hoch war das Minus bei männlichen Angestellten und Arbeitern im Bezirk Steyr, dessen große Unternehmen mit vielen Beschäftigten von Krise und Kurzarbeit besonders betroffen waren.

Die Brancheneinkommen haben sich sehr unterschiedlich entwickelt. Auch wenn durch stabilisierende Maßnahmen (Kurzarbeit) Entgeltverluste begrenzt werden konnten, ist das Medianeinkommen in einzelnen Branchen, etwa im Sektor Finanzdienstleistungen (- 4,3 Prozent) und im Kraftwagenbau (-3,4 Prozent), beträchtlich zurückgegangen.


Trendwende ist da: gute Basis für gerechte Verteilung! 

Das starke Wachstum im zweiten Quartal 2021 hat den wirtschaftlichen Aufschwung eingeläutet. Die Industrie hat bereits das Niveau vor Ausbruch der Pandemie überschritten und ist international auf der Überholspur.

„Wir fordern daher ein kräftiges Reallohn-Wachstum und kluge Formen der Arbeitszeitverkürzung. Und große Unternehmen, die Staatshilfen erhalten und Kurzarbeit in Anspruch nehmen, sollten für keine Gewinn-Ausschüttungen vornehmen dürfen“, sagt der AK-Präsident.

Steuergeschenke an Unter­nehmer schaden

Von der Bundesregierung verlangt der AK-Präsident eine Steuerstrukturreform, mit der die kalte Progression vollständig ausgeglichen, die Steuern auf kleine und mittlere Einkommen gesenkt und jene auf Millionen-Vermögen erhöht werden. Mit deutlichen Worten warnt Kalliauer vor weiteren Steuergeschenken für Großkonzerne: „Die Folgen einer Senkung der Körperschaftsteuer wären Sparpakete und Sozialkürzungen. Stattdessen brauchen wir eine Stärkung des Sozialstaats, finanziert durch einen höheren Steuerbeitrag von Konzernen und Superreichen.“

Vom Land Oberösterreich fordert Kalliauer zusätzliche öffentliche Investitionen in Pflege und Gesundheit, Klimaschutz, Verkehrsinfrastruktur, Wohnen und in die Bekämpfung der Arbeitslosigkeit. Das seien die dringendsten Anliegen, die Oberösterreichs Arbeitnehmer/- innen vor kurzem in einer repräsentativen Befragung genannt haben, so der AK-Präsident. Eine ausführliche Unterlage zum Thema mit Grafiken und Zahlen zur Einkommensentwicklung in allen oberösterreichischen Bezirken finden Sie hier.   

Fotos zum Download

AK-Vizepräsident Andreas Stangl und Bettina Csoka © Wolfgang Spitzbart, Arbeiterkammer Oberösterreich
AK-Vizepräsident Andreas Stangl und Bettina Csoka © Wolfgang Spitzbart, Arbeiterkammer Oberösterreich
AK-Vizepräsident Andreas Stangl © Wolfgang Spitzbart, Arbeiterkammer Oberösterreich
AK-Vizepräsident Andreas Stangl © Wolfgang Spitzbart, Arbeiterkammer Oberösterreich
   

Wir fordern ein kräftiges Reallohn-Wachstum und kluge Formen der Arbeitszeitverkürzung. Große Unternehmen, die Staatshilfen erhalten und Kurzarbeit in Anspruch nehmen, sollten keine Gewinn-Ausschüttungen vornehmen dürfen

dr. johann kalliauer

AK-PRÄSIDENT

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Wir fordern ein kräftiges Reallohn-Wachstum und kluge Formen der Arbeitszeitverkürzung. Große Unternehmen, die Staatshilfen erhalten und Kurzarbeit in Anspruch nehmen, sollten keine Gewinn-Ausschüttungen vornehmen dürfen

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