04.12.2018

AK-Präsident Kalliauer: Der wirtschaftliche Erfolg muss auch den ober­österreichischen Beschäftigten zugute­kommen

Oberösterreich ist wirtschaftlich erfolgreich, aber nicht allen kommt der Erfolg zugute. „Die hohe Wirtschaftskraft sollte die Basis für kräftige Lohnsteigerungen und für Verbesserungen beim Arbeits- und Sozialrecht sein, damit Oberösterreich für Beschäftigte und Betriebe attraktiv bleibt“, fordert AK-Präsident Dr. Johann Kalliauer. Darum müssen schlummernde Potenziale besser genutzt werden – denn mehr als 100.000 Fachkräfte mit abgeschlossener Ausbildung arbeiten derzeit in Hilfsjobs.

Mehr Respekt gegenüber Beschäftigten

Oberösterreich zählt laut einer WIFO-Studie zu den Top 20 der hochentwickelten Industrieregionen Europas. Das Bruttoregionalprodukt pro Erwerbsperson ist um rund ein Viertel höher als im EU-Schnitt. Die Beschäftigten in oberösterreichischen Mittel- und Großbetrieben haben 2017 pro Kopf annähernd 100.000 Euro erwirtschaftet. „Für ihre hervorragenden Leistungen haben sich die Beschäftigten mehr an Gegenleistung und Respekt verdient“, sagt AK-Präsident Dr. Johann Kalliauer. Denn nicht allen kommt der wirtschaftliche Erfolg zugute.

Wohlstand für alle, nicht für wenige

In Oberösterreich sind rund 42.400 Menschen auf Arbeitssuche. Insbesondere ältere Arbeitslose mit gesundheitlichen Beschwerden spüren von der guten Konjunktur wenig. Etwa die Hälfte der Langzeitarbeitslosen ist 55 Jahre oder älter. „Völlig unverständlich ist daher, dass die sinnvolle Aktion 20.000 von der Bundesregierung gestoppt wurde und die AMS-Mittel für Langzeitbeschäftigungslose ältere Menschen gekürzt wurden“, sagt der AK-Präsident.

Wer AMS Geld nimmt, trifft Arbeitnehmer

Von den rund 18.200 offenen Stellen in Oberösterreich sind etwa 6.800 im Bereich Leiharbeit, Gebäudebetreuung und Wachdienste verfügbar – also in Jobs mit schlechten Arbeitsbedingungen und einem hohen Arbeitslosigkeitsrisiko. Mehr als 6.100 offene Stellen erfordern maximal Pflichtschulabschluss – viel zu wenig für die knapp 15.600 Arbeitsuchenden ohne Berufsausbildung. In diesem Segment gibt es eindeutig einen Mangel an Arbeitsplätzen. “Die Kürzungen des AMS-Budgets auf Bundesebene und im Rahmen des oberösterreichischen Paktes für Arbeit und Qualifizierung sind der völlig falsche Weg. Ältere und Menschen mit schlechter Ausbildung brauchen mehr Aus- und Weiterbildungsangebote sowie ausreichend Zeit für qualitätsvolle Beratung und Vermittlung im AMS“, fordert Kalliauer.

Unternehmer sollten Potenzial nutzen

Während manche Betriebe lautstark über einen angeblichen Mangel an Fachkräften klagen, werden vorhandene Potenziale auf dem Arbeitsmarkt nicht genutzt. 78.000 Personen bzw. zwölf Prozent aller Beschäftigten, die über mindestens einen in Österreich erworbenen Lehrabschluss verfügen, arbeiten in Hilfs- und Anlerntätigkeiten. Von den rund 54.500 Beschäftigten in Oberösterreich, die einen Bildungsabschluss (Lehre oder höherer Abschluss) aus einem anderen Staat haben, sind mehr als die Hälfte in Hilfs- oder Anlernjobs beschäftigt. „Dieses Potenzial an mehr als 100.000 Fachkräften alleine in Oberösterreich wird von den Betrieben viel zu wenig genutzt“, kritisiert AK-Präsident Kalliauer.

Wo bleibt ein modernes Bildungs­system?

Neben diesen Problemen auf dem Arbeitsmarkt ist das Bildungssystem die zweite große Herausforderung in Oberösterreich. Kindergarten, Schule und berufliche Erstausbildung schaffen es nicht, schlechtere Startbedingungen auszugleichen. Damit wird Bildung in hohem Maße vererbt und Ungleichheit verfestigt. „Oberösterreichs zukünftiger Erfolg und die Innovationsfähigkeit hängen entscheidend von den Qualifikationen der Beschäftigten ab. Darum ist es höchste Zeit, das Bildungssystem den Anforderungen einer hochentwickelten Gesellschaft anzupassen“, erklärt Kalliauer. 

Junge Menschen fördern

Jährlich fallen in Oberösterreich etwa 3.000 Jugendliche vorzeitig aus ihren Ausbildungen heraus. Zwischen 1990 und 2017 ging die Zahl der Lehrbetriebe in Oberösterreich von 8.000 auf etwas mehr als 5.700 zurück. Das Land muss daher bestmöglich in die Auffangnetze investieren, anstatt das Angebot für junge Menschen bis 25 zurückzufahren, ein ausreichendes Angebot an überbetrieblichen Lehrwerkstätten absichern und Maßnahmen an Schulen mit besonderen Herausforderungen unterstützen, um alle Kinder optimal zu fördern. Diese Förderung muss mit dem Rechtsanspruch auf einen qualitätsvollen Betreuungsplatz ab dem zweiten Lebensjahr beginnen. 

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