25.01.2019

AK-Präsident Kalliauer: „Der Anstieg der psychisch bedingten Kranken­stände muss wirksam bekämpft werden!“

Fast 10 Prozent aller Krankenstandstage gehen mittlerweile auf psychische Erkrankungen zurück. Frauen sind stärker davon betroffen als Männer und die Gefahr, arbeitslos zu werden, ist für psychisch Erkrankte bis zu sechsmal höher als für Gesunde. Dies zeigt eine WIFO-Studie im Auftrag der AK Oberösterreich. „Es braucht dringend einen Kündigungsschutz im Krankenstand, um das Auskurieren und den Wiedereinstieg möglich zu machen, sowie ein Arbeitszeitgesetz, das auf Belastungen Rücksicht nimmt“, sagt AK-Präsident Dr. Johann Kalliauer.

Psychische Erkrankungen werden mehr

Eine psychische Erkrankung ist für die meisten Betroffenen eine große Belastung. Angst vor Jobverlust, Probleme im sozialen, familiären Umfeld, die „Unsichtbarkeit“ der Krankheit und Unverständnis von vielen Seiten – all das kann Menschen völlig aus der Bahn werfen. Seit Jahren sind psychische Krankheiten auf dem Vormarsch – viele davon arbeitsbedingt. 2016 fielen in Oberösterreich rund 740.000 Krankenstandstage aufgrund derartiger Diagnosen an. Der Anteil psychisch bedingter Erkrankungen an den gesamten Krankenständen lag zwar „nur“ bei 2,5 Prozent, tatsächlich bedeutet dies jedoch einen deutlichen Anstieg um 50 Prozent seit 2005. Außerdem gehen durch die überdurchschnittliche Dauer mittlerweile fast 10 Prozent aller Krankenstandstage auf psychische Erkrankungen zurück, die somit zu den wichtigsten Ursachen für Krankenstände und Invaliditätspensionen zählen.

Frauen deutlich öfter psychisch krank

Eine aktuelle Studie des Österreichischen Instituts für Wirtschaftsforschung (WIFO) über die Entwicklung und Verteilung psychischer Krankenstände in Oberösterreich zeigt, dass Frauen stärker von psychischen Erkrankungen betroffen sind als Männer. Gründe sind, dass sie eher in psychisch belastenden Branchen arbeiten und nach wie vor Beruf und Familie organisieren und vereinbaren müssen. Frauen suchen zudem bei psychischen Erkrankungen beziehungsweise beim Auftreten entsprechender Symptome eher den Arzt auf als Männer.

Psychopharmaka-Konsum rasant gestiegen

Der Konsum von Psychopharmaka ist zwischen 2005 und 2016 um 60 Prozent gestiegen. Frauen konsumieren durchschnittlich mehr als doppelt so viel wie Männer. Zudem wenden ältere Arbeitnehmer/-innen (50 Jahre und älter) vielfach mehr Medikamente an als jüngere – entweder weil eine schwerere oder chronische Erkrankungsform vorliegt oder weil sie dadurch Fehlzeiten vermeiden wollen. Der Psychopharmaka-Konsum der Jüngeren verzeichnet allerdings den stärksten Zuwachs.

Gefahr der Arbeitslosigkeit besonders hoch

Die WIFO-Studie zeigt auch, dass die Gefahr, arbeitslos zu werden, bei psychisch erkrankten Personen besonders hoch ist. Ein Jahr nach Krankenstandsbeginn befand sich weniger als die Hälfte von ihnen noch im selben Beschäftigungsverhältnis. Bei den restlichen Beschäftigten mit langem Krankenstand waren es hingegen rund 7 von 10. Die AK Oberösterreich fordert daher einen Kündigungsschutz während des Krankenstandes oder zumindest einen effizienten Motivkündigungsschutz. „Das Arbeitszeitgesetz muss den steigenden Arbeitsbelastungen angepasst werden. Je höher die Belastung ist, desto kürzer soll die Arbeitszeit sein“, so Präsident Dr. Johann Kalliauer. Zudem solle es eine Verpflichtung zum betrieblichen Eingliederungsmanagement geben. Denn nach einem langen Krankenstand brauche es gemeinsame Anstrengungen, damit die Rückkehr auch dauerhaft gelinge.

"Das Arbeitsgesetz muss den steigenden Arbeitsbelastungen angepasst werden. Je höher die Belastung ist, desto kürzer soll die Arbeitszeit sein."

Dr. Johann Kalliauer

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