29.11.2018

AK-Wissenschaftspreis 2018 verliehen:  „Verteilungsgerechtigkeit: Österreich auf dem Prüfstand“

Schon seit geraumer Zeit empfinden mehr und mehr Menschen, dass ihnen ein gerechter Anteil am Wohlstand vorenthalten wird. Ein kritischer Blick auf die Verteilung des Wohlstandes in der Gesellschaft zeigt massive Ungleichheiten auf und bestätigt das Empfinden vieler Menschen.

Der 35. Wissenschaftspreis, den die AK in Kooperation mit der Johannes Kepler Universität Linz vergab, beschäftigte sich deshalb mit den wesentlichen Aspekten der Verteilungsgerechtigkeit in Österreich.

Aus den 35 eingereichten Arbeiten wurden 3 ausgezeichnet: Die Soziologin Laura Dörfler, der Sozial- und Wirtschaftswissenschafter Philipp Heimberger und die Raumplanerin Laura Sidonie Mayr erhielten jeweils 3.000 Euro.

Wohlstand ist mehr als Geld oder Besitz

Die Wohlstandsverteilung bezieht sich nicht nur im engeren Sinn auf das vorhandene Vermögen in einer Gesellschaft, sondern darüber hinaus auch auf die Themen Beschäftigung, Bildung und Gesundheit. „Der Zugang zum Arbeitsmarkt ist nicht für alle Menschen gleichermaßen gegeben. Große Ungleichheiten zeigen sich auch in der Art der Beschäftigung und bei den Arbeitsbedingungen. Die Einkommen der Menschen sind sehr ungleich verteilt. Und Bildungschancen werden in Österreich nach wie vor in erster Linie ‚vererbt‘“, sagte AK-Direktor Dr. Josef Moser, MBA bei der Preisverleihung.

Die Preisträger/-innen und ihre Arbeiten

  • Dr.in Laura Dörfler, MSc
    beschäftigte sich in ihrer Dissertation „Age discrimination in personnel selection decisions: A vignette study among HR managers in Austria“ mit einem aufgrund der demographischen Entwicklung brandaktuellen Thema – dem Zugang zum Arbeitsmarkt für ältere Personen. In ihrer Arbeit setzt sie sich besonders mit der Altersdiskriminierung bei Personalentscheidungen auseinander. Konkret geht sie der Frage nach, welchen Einfluss das Alter bei der Personalauswahl hat und ob sich die Chancen für Bewerber/-innen mit zunehmendem Alter verschlechtern. Befragt wurden dabei Human-Ressources-Manager/-innen, also Personen, die tatsächlich über Einstellungen entscheiden. Die Studie belegt die Annahme, dass Human-Ressources-Manager/-innen jüngere Personen bei der Personalauswahl bevorzugen und liefert Handlungsempfehlungen zur Bekämpfung dieser Altersdiskriminierung.
  • Dr. Philipp Heimberger
    beschäftigte sich in seiner Dissertation „Fiscal multipliers, unemployment and debt: Essays on the macroeconomics of fiscal policy coordination in Europe“ mit Themen, die für die fiskalpolitische Koordinierung in Europa von großer Relevanz sind. Er arbeitete dabei in dieser Sammlung von mehreren Publikationen heraus, dass in bestimmten Situationen aktive Fiskalpolitik der Schlüssel zur Überwindung der Krise ist bzw. in den Jahren nach 2010 gewesen wäre. Es zeigt sich, dass das in der EU vereinbarte Reaktionsmuster (Stabilitätspakt) einen entscheidenden „Konstruktionsfehler“ hat, sodass die Politik nicht stabilisierend wirkt, sondern prozyklisch die Abweichungen vom Trend verstärkt. Die Arbeit beinhaltet gut begründete Vorschläge für eine Korrektur der Wirtschaftspolitik innerhalb der EU. Zum einen gilt es, das EU-Regelwerk wie den Fiskal- und Stabilitätspakt sowie die verwendeten Analysemodelle zu überarbeiten. Zum anderen liefert der Verfasser überzeugende Argumente für einen gezielten, selektiven Einsatz der Fiskalpolitik zur Krisenbewältigung.
  • Dr.in Laura Sidonie Mayr
    erarbeitete mit ihrer Diplomarbeit „Die Mehrwertabgabe in der Raumplanung – Abschöpfung von Widmungsgewinnen als potentielles Instrument für Österreich“ einen wertvollen Vorschlag zur Verbesserung der Verteilungsgerechtigkeit. Die Raumordnung legt Nutzungsmöglichkeiten für Grundstücke durch planerische Maßnahmen fest. Erweitern sich Nutzungsmöglichkeiten, so führt dies zu Wertsteigerungen, die bei den Grundstückseigentümern/–innen verbleiben. Die Mehrwertabgabe in der Raumplanung gilt als Instrument, das die Kosten und die Folgekosten, die der öffentlichen Hand durch die Planungsmaßnahmen entstehen, ausgleichen soll. In Österreich wird dieses aber bislang nicht eingesetzt. Das Thema ist verteilungspolitisch und gesamtwirtschaftlich relevant. Die Autorin macht mit ihrer Arbeit nicht nur eine gelungene Problemanalyse zugänglich, sondern stellt zudem ein konkretes Anwendungsmodell vor. Sie liefert zum einen eine detaillierte theoretische Einbettung des Instruments und zum anderen eine umfassende praktische Beleuchtung, die vor allem auf den Einsatz der Mehrwertabgabe in Deutschland und der Schweiz Bezug nimmt.

Jetzt einreichen für 2019! 

Der AK-Wissenschaftspreis 2019 zeichnet wissenschaftliche Arbeiten aus, die 2018 und 2019 fertiggestellt wurden/werden und die der Verbesserung der Arbeits- und Lebensbedingungen von Arbeitnehmern/-innen dienen.

Warum wir den Sozialstaat brauchen

Das Thema des Wissenschaftspreises 2019 lautet „Gemeinsam statt einsam: Warum wir den Sozialstaat brauchen!“. Der Wohlfahrtsstaat zielt auf den Abbau von sozialer Ungleichheit sowie die Sicherung, Zugänglichkeit und Leistbarkeit sozialer Dienstleistungen, die zur Grundversorgung der Menschen dienen, ab. Ein Blick in die Geschichte zeigt, dass die Übernahme staatlicher Verantwortung für soziale Belange und die Entstehung eines kollektiven Sicherungssystems keinesfalls als Selbstverständlichkeit betrachtet werden können. Das Preisgeld beträgt insgesamt 9.000 Euro.

Details zur Ausschreibung und zum Thema

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