13.09.2020

Dauerbrenner „unbezahlte Überstunden“: AK erkämpfte 4.000 Euro für Arbeiter, der Groß­teil seiner Ansprüche ist verfallen

Bis zu 130 Überstunden hat ein Arbeiter aus dem Bezirk Braunau jeden Monat geleistet. Den Groß­teil davon unbezahlt. Als er gekündigt wurde, wandte er sich an die Arbeiterkammer. Dort stellte sich heraus: Er bekam jahrelang nur einen Bruchteil der Überstunden und keine einzige Nachtschichtzulage ausbezahlt! Die AK konnte einen Teil der ausstehenden Ansprüche für den Mann noch sichern – 4.000 Euro. Der große Rest ist leider bereits verfallen. Ein echter Dauerbrenner in der Praxis der AK-Berater/-innen. „Die Verfalls­fristen sind viel zu kurz. Sie gehören endlich abgeschafft!“, fordert AK-Präsident Dr. Johann Kalliauer.

Arbeit wurde mehr, Lohn aber nicht

8 Jahre lang war der Arbeiter bei der Firma beschäftigt. 2019 flatterte ihm die Kündigung ins Haus. Er kam zur Arbeiterkammer, um die End­abrechnung kontrollieren zu lassen. Die AK-Experten/-innen stellten nicht nur eine enorme Anzahl an nicht bezahlten Über­stunden und Nacht­schichtzulagen fest, sondern auch massive Arbeitszeitüberschreitungen. Der Lohn blieb über all die Jahre der gleiche, nur die Arbeit wurde mehr.

Unternehmer reagierte erst auf Klagsdrohung

Die AK intervenierte bei der Firma und forderte diese auf, das ausstehende Geld zu überweisen. Allerdings konnte nur noch ein Teil der geleisteten Über­stunden und Zulagen geltend gemacht werden – der Rest war bereits verfallen. Der Arbeitgeber reagierte zunächst gar nicht auf das Schreiben der AK. Erst als diese mit Klage drohte, meldete er sich. Seine Version: Er hätte mit dem Beschäftigten eine All-In-Vereinbarung getroffen, deshalb wären alle Über­stunden und Zulagen im Lohn inkludiert . So eine Verein­barung hat es aber nie gegeben, der Arbeitnehmer hatte überhaupt keinen Dienstvertrag. Der Unternehmer willigte schließlich ein, die noch gültigen Ansprüche ohne Klage nachzuzahlen: 4.000 Euro. Ohne Verfallsfristen wäre dieser Betrag um ein Vielfaches höher gewesen! 

Fehler beim Lohn sind kein Kavaliersdelikt

Kein Einzelfall. Falsche Lohnabrechnungen gehören leider zum „Tagesgeschäft“ in der AK-Beratung. Und meist geht es um unbezahlte Überstunden. „Für manche Arbeitgeber scheint es nach wie vor ein Kavaliersdelikt zu sein, ihren Beschäftigten nicht alle geleisteten Stunden zu bezahlen. Und da geht es nicht um Peanuts, sondern um richtig viel Geld“, kritisiert AK-Präsident Dr. Johann Kalliauer. Fast 43 Millionen Überstunden haben Oberösterreichs Be-schäftigte im Jahr 2019 geleistet. Geschätzt blieb davon in etwa jede siebte unbezahlt!

Besonders betroffen sind Frauen. Bei ihnen wird in etwa jede fünfte Überstunde nicht abgegolten. „Unseren Be­rechnungen zufolge verlieren die Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer in Oberösterreich dadurch circa 170 Millionen Euro pro Jahr“, so Kalliauer. 

Verfallsfristen ausweiten

Unbezahlte Überstunden oder fehlende Zuschläge im Nachhinein zurückzufordern, gestaltet sich schwierig. Kalliauer: „Die Verfallsfristen sind sehr kurz, sie betragen oft nur wenige Monate. Wenn die Arbeit­nehmerinnen und Arbeitnehmer zu uns kommen, ist es oft schon zu spät und das Geld für die Betroffenen verloren.“ Die AK fordert daher dringend, kurze Verfalls­fristen von unter drei Jahren zu verlängern und darüber hinaus noch einen 100-prozentigen Strafzuschlag für nicht­bezahlte Über- und Mehrstunden einzuführen.

Im Vorjahr hat die Arbeiterkammer Oberösterreich fast 118 Millionen Euro für AK-Mitglieder erkämpft. Geld, das den Menschen zugestanden ist, das sie aber erst mit Hilfe der AK be-kommen haben.      

Die Verfalls­fristen sind viel zu kurz. Sie gehören endlich ab­geschafft!

dr. johann kalliauer

AK-PRÄSIDENT

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