21.01.2019

AK-Wertschöpfungsbarometer: Hohe Ausschüttungen – niedrige Investitionen

Österreichs mittlere und Großunternehmen schütten nach wie vor enorme Summen an die Eigentümer aus. Geld, das dann für Investitionen fehlt. Die durchschnittlichen Sachinvestitionen pro Beschäftigter/pro Beschäftigtem sind 2017 trotz boomender Konjunktur sogar zurückgegangen. Real sind sie im Zehn-Jahres-Vergleich um rund 22 Prozent gesunken! „Das schadet der langfristigen Entwicklung der österreichischen Wirtschaft und kostet Arbeitsplätze“, kritisiert AK-Präsident Dr. Johann Kalliauer. Er fordert die Unternehmen auf, einen größeren Teil der erzielten Gewinne in die Entwicklung der Unternehmen und der Mitarbeiter/-innen zu investieren.

Beschäftigte sind hoch produktiv

2017 erbrachte jede/jeder Beschäftigte in den 1.372 von der AK untersuchten österreichischen Mittel- und Großunternehmen eine durchschnittliche Pro-Kopf-Wertschöpfung (Produktivität) in Höhe von mehr als 101.000 Euro! Die durchschnittliche Pro-Kopf-Wertschöpfung (Produktivität) überstieg dabei den durchschnittlichen Pro-Kopf-Personalaufwand um mehr als 38.000 Euro – ein Spitzenwert, der nur in den Geschäftsjahren 2010 und 2011 übertroffen wurde.

Was der Wertschöpfungsbarometer aussagt

Diese Ergebnisse stammen aus der jährlichen Analyse der offengelegten Jahresabschlüsse mittlerer und großer Kapitalgesellschaften in Österreich für den AK-Wertschöpfungsbarometer. Dieser ermittelt den Überschuss der durchschnittlichen ordentlichen Pro-Kopf-Wertschöpfung (Pro-Kopf-Produktivität) über den durchschnittlichen Pro-Kopf-Personalaufwand in den untersuchten Unternehmen.

 

Die Sachinvestitionen je Beschäftigter/je Beschäftigtem lagen durchschnittlich bei rund 15.115 Euro, nominell um 15,3 Prozent - real sogar 22 Prozent - unter dem Wert des Jahres 2007. Sehr hoch waren hingegen wieder die Gewinnauszahlungen an die Eigentümer/-innen. Pro Beschäftigtem gerechnet betrugen sie im Schnitt mehr 13.000 Euro.

Austria Tabak: Die Republik zahlt drauf

Rekordverdächtig ist die „Austria Tabak GmbH“. Das Unternehmen, das zum Großkonzern Japan Tobacco gehört, hat 2017 sagenhafte 159 Millionen Euro an Gewinnen aus dem Vorjahr an die Eigentümer ausgeschüttet. Das sind rund 685.000 Euro pro Mitarbeiter/-in! Das Pikante an diesem Fall: Die Austria Tabak gehörte einst der Republik und war immer hoch profitabel. Noch im Jahr 2000 trug sie 81 Millionen Euro Dividende und Ertragssteuer zum Gemeinwesen bei. 2001 wurde die Austria Tabak von der ersten schwarz-blauen Regierung für eine viel zu niedrige Summe an einen ausländischen Konzern verscherbelt. Das Linzer Werk wurde bald darauf geschlossen, hunderte Mitarbeiter/-innen verloren ihren Arbeitsplatz. Die Gewinne der Austria Tabak sprudeln nach wie vor: nur fließen sie nun in die privaten Taschen der Aktionäre eines japanischen Konzerns.

Hoch profitable Siemens AG entlässt fast 7.000 Menschen

Auch die Siemens AG Österreich hat im Geschäftsjahr 2016/17 eine Gewinnauszahlung von 40.639 Euro pro Arbeitnehmer/-in (insgesamt 300 Millionen Euro) an die Eigentümer vorgenommen. Für das Folgejahr hat sie einen Beschluss über die Verwendung des Bilanzgewinnes gefasst, der eine noch höhere Gewinnausschüttung von 360 Millionen Euro vorsieht. Pro Arbeitnehmer/-in gerechnet sind das etwa 49.000 Euro! Im selben Jahr hat der Siemens-Konzern, bei insgesamt satten Gewinnen, den Abbau von fast 7.000 Arbeitsplätzen weltweit angekündigt. Trotz hoher Profitabilität trifft es auch 200 Mitarbeiter/-innen in Österreich.

Satte Gewinne, wenig Investitionen

Der AK-Wertschöpfungsbarometer zeigt klar: Schon jetzt machen die Unternehmen satte Gewinne, reinvestieren diese aber in viel zu geringem Ausmaß. „Für eine weitere Senkung der Körperschaftssteuern gibt es daher keine sachliche Rechtfertigung. Diese Maßnahme würde nur die schon jetzt viel zu hohen Gewinnausschüttungen an die Eigentümer erhöhen. Stattdessen sollten die Arbeitnehmer/-innen schneller und umfassender als von der Regierung angekündigt steuerlich entlastet werden“, fordert der AK-Präsident.

Steuerreform: Wenig-Verdiener müssen profitieren

Für Menschen mit sehr geringen Einkommen wären höhere Steuergutschriften - sprich: Negativsteuern - wesentlich sinnvoller als die geplante Senkung der Sozialversicherungsbeiträge. Das würde ihre Kaufkraft erhöhen und jene Nachfrage schaffen, die zur Stabilisierung des Wirtschaftsaufschwungs nötig ist. 

Fehlende Investitionen schaden der Wirtschaft und kosten Arbeitsplätze.

Dr. Johann Kalliauer

AK-Präsident

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