06.08.2019

Schwangere Arbeiterin um fast 5.000 Euro geprellt - AK-Rechtsschutz Linz erstritt 2019 schon 9,1 Millionen Euro

„Beschäftigte bekommen oft nicht, was ihnen für ihre Arbeit zusteht. In sehr vielen Fällen verhilft ihnen erst die Arbeiterkammer zu ihrem Geld“, sagt Dr.in Helga Kempinger, Leiterin des AK-Rechtsschutzes Linz, zur Halbjahresbilanz ihrer Abteilung.

Exakt 1.929.611 Euro an arbeitsrechtlichen Ansprüchen hat diese Abteilung im ersten Halbjahr 2019 für AK-Mitglieder in den Bezirken Linz-Stadt und Urfahr-Umgebung erkämpft. Dazu kamen weitere 7.213.852 Euro an sozialrechtlichen Ansprüchen. Insgesamt also mehr als 9,1 Millionen Euro! Ein typischer Arbeitsrechtsfall war der einer schwangeren Frau, die von ihrem Arbeitgeber rechtswidrig zur Nachtarbeit eingeteilt und um fast 5.000 Euro geprellt wurde.

Mehr als 50.000 Beratungen

Die Rechtsberater/-innen des AK-Rechtsschutzes Linz haben alle Hände voll zu tun. 44.756 AK-Mitglieder suchten im ersten Halbjahr 2019 bei ihnen telefonisch Rat, 7.036 kamen mit ihren arbeits- und sozialrechtlichen Problemen zu einem persönlichen Beratungsgespräch, 1.695 fragten per E-Mail an. Damit wurden in Summe 53.487 Mitglieder beraten. Insgesamt sind die Beratungen um 11 Prozent mehr geworden, bei den telefonischen Beratungen war sogar eine Zunahme um 19 Prozent zu verzeichnen. 

Pensionsverfahren werden mehr

Die Zahl der Rechtsvertretungen im Sozialrecht ist stark gestiegen, nämlich um rund 30 Prozent. Das liegt vor allem an den Pensionsverfahren (plus 59 Prozent) und an den Pflegegeldverfahren (plus 33 Prozent). Dagegen ist die Zahl der Rechtsvertretungen im Arbeitsrecht etwas zurückgegangen. Dennoch wurden im ersten Halbjahr auch hier mehr als 1,9 Millionen Euro erstritten (außergerichtlich und gerichtlich). 

Schwangere musste Schwerarbeit leisten

Ein bezeichnender Fall für den Umgang mancher Arbeitgeber mit ihren Mitarbeitern/-innen ist der einer Speditionsarbeiterin, die gut 3 Jahre bei einer Paketzustellfirma tätig war. Nachdem sie ihre Schwangerschaft bekannt gegeben hatte, wurde sie trotzdem zu schweren Arbeiten und zur Nachtarbeit eingeteilt. Außerdem wurden ihr nur mehr 15 Stunden pro Woche abgerechnet, obwohl keine Kürzung ihrer wöchtlichen Normalarbeitszeit von 30 Stunden vereinbart worden und sie für diese 30 Stunden natürlich arbeitsbereit war.

Die Frau führte selbst genaue Arbeitszeitaufzeichnungen. Sie machte ihr gutes Recht bei ihrem Arbeitgeber geltend, doch der reagierte nicht. Erst als sie die AK einschaltete, kam Bewegung in die Sache. Es bedurfte aber mehrerer Interventionen des AK-Rechtsschutzes, bis die Speditionsarbeiterin das gesamte ihr vorenthaltene Geld bekam - fast 5.000 Euro brutto. Außerdem schaltete die AK das Arbeitsinspektorat ein, um die gesundheitsschädliche Belastung der Schwangeren durch verbotene Arbeiten rasch abzustellen.  

Mehr als 600 Klagen waren notwendig

Nicht immer wirken außergerichtliche Interventionen wie in diesem Fall. 260 Mal musste der AK-Rechtsschutz Linz im ersten Halbjahr 2019 Klagen gegen Arbeitgeber einreichen, um den betroffenen Beschäftigten zum zustehenden Geld zu verhelfen. 417 Mal klagte die AK sozialrechtliche Ansprüche wie Pensionszahlungen oder Pflegegeld ein.

Beschäftigte bekommen oft nicht, was ihnen für ihre Arbeit zusteht. In sehr vielen Fällen verhilft ihnen erst die Arbeiterkammer zu ihrem Geld!

Dr.in helga Kempinger

Leiterin AK-Rechtsschutz Linz

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