01.09.2021

Der Österreichische Arbeitsklima Index: System­erhalterinnen verdienen mehr als Applaus und Anerkennung

Schon vor Corona waren Frauen im Berufsleben benachteiligt, etwa bei der Berufswahl, den Aufstiegsmöglichkeiten oder der Be­zahlung. Die Pandemie hat viele klassische Frauenberufe in den Fokus der Öffentlichkeit gerückt. Das hat den Pflegerinnen, Handelsangestellten oder Reinigungskräften zwar viel an Applaus und Anerkennung gebracht, bei der beruflichen Gleichstellung hat sich aber wenig bis gar nichts zum Guten gewendet. Das zeigen die Daten des Österreichischen Arbeitsklima Index der AK Oberösterreich. AK-Präsident Dr. Johann Kalliauer fordert daher, dem Applaus Taten folgen zu lassen: „Es braucht eine faire Bewertung systemrelevanter Arbeit, kräftige Lohn- und Gehaltserhöhungen und steuerliche Erleichterungen.“

Hoher Frauen­anteil in betroffenen Branchen

Mit dem Ausbruch der Corona-Pandemie rückten Berufe ins öffentliche Interesse, die zuvor keine Aufmerksamkeit genießen durften, wie etwa Reinigungskräfte, Regalbetreuerinnen, Pflegerinnen oder Müllmänner. Zwei Drittel von diesen systemrelevanten Berufen werden von Frauen bekleidet. Gleichzeitig sind Frauen auch in den vom Lockdown betroffenen Branchen und Berufen im Einzelhandel, in der Gastronomie und Hotellerie oder in den körpernahen Dienstleistungen überrepräsentiert. Sie haben es besonders schwer, wieder beruflich Fuß zu fassen. Nicht zuletzt drängt der Trend zum Home-Office viele Frauen zurück in die eigenen vier Wände und somit ins alte Rollenbild der Hausfrauen und Mütter.

Applaus, aber keine Ver­besserungen

Corona bescherte den Leistungsträgerinnen unserer Gesellschaft vorübergehend Applaus und Anerkennung. An ihrem Status im Berufsleben hat sich jedoch wenig zum Guten geändert: Frauen kommen nach wie vor schlechter mit ihrem Einkommen aus und schneiden bei wichtigen Indikatoren der Berufs- und Lebens­zufriedenheit schlechter ab als Männer. Home-Office erleichtert Frauen die Vereinbarkeit von Beruf und Privatleben – allerdings müssen sie in noch stärkerem Ausmaß die unbezahlten Aufgaben im Haushalt und in der Familie schultern.

Einkommen reicht kaum zum Leben

All diesen Befunden zum Trotz sind (weibliche) Beschäftigte in systemrelevanten Berufen mit ihrem Leben im Großen und Ganzen zufrieden. Sie wollen keinesfalls den Job wechseln, obwohl viele schwer mit dem Ein­kommen auskommen. Das Gefühl, etwas Sinnvolles und Wichtiges zu tun, wirkt sich insbesondere bei Frauen positiv auf das Berufsprestige aus. Während nur 9 Prozent der Männer in systemrelevanten Berufen der eigenen Tätigkeit ein hohes Prestige zuschreiben, sind es bei den Frauen 23 Prozent.

Dieses hohe Prestige geht aber selten mit guter Bezahlung und hoher Einkommenszufriedenheit einher: Während „nur“ 42 Prozent der Beschäftigten in nicht-systemrelevanten Berufen mit ihrem Einkommen kaum oder gar nicht auszukommen, können bei den system­relevanten Frauen 55 Prozent kaum oder gar nicht von ihrem Lohn oder Gehalt leben.

Pandemie hat Ungleich­heit verschärft

„Die Daten aus dem Arbeitsklima Index zeigen, dass die Pandemie die Ungleichheit zwischen den Geschlechtern weiter verschärft hat“, fasst AK-Präsident Dr. Johann Kalliauer die aktuelle Sonderauswertung zusammen und fügt hinzu: „Während Unternehmen großzügige Förderungen erhalten haben, müssen viele Beschäftigte – und hier insbesondere Frauen – Monat für Monat danach trachten, ihre Fixkosten stemmen zu können, die Miete zu bezahlen, die Wohnung zu heizen. Darum ist es höchste Zeit, dem Applaus Taten folgen zu lassen: Es braucht eine faire Bewertung systemrelevanter Arbeit, kräftige Lohn- und Gehaltserhöhungen, vor allem in den schlecht bezahlten Frauen­berufen, und steuerliche Erleichterungen für Verdienerinnen von geringen und mittleren Einkommen.“

Alle Infos zum Arbeitsklima Index, der von IFES und SORA im Auftrag der AK Oberösterreich erhoben wird, finden Sie unter ooe.arbeiterkammer.at/arbeitsklima

Das Video zur Pressekonferenz finden Sie hier.

Die Daten aus dem Arbeits­klima Index zeigen, dass die Pandemie die Ungleichheit zwischen Frauen und Männern weiter verschärft hat

dr. johann kalliauer

AK-PRÄSIDENT

Downloads

Kontakt

Kontakt

Redaktion
Volksgartenstraße 40, 4020 Linz
TEL: +43 50 6906 2180
E-MAIL: redaktion@akooe.at

Folgen Sie uns auf twitter
Liken Sie uns auf Facebook


Die Daten aus dem Arbeits­klima Index zeigen, dass die Pandemie die Ungleichheit zwischen Frauen und Männern weiter verschärft hat

dr. johann kalliauer

AK-PRÄSIDENT

  • © 2021 AK Oberösterreich | Volksgartenstrasse 40 4020 Linz, +43 50 6906 0

  • Datenschutz
  • Impressum