26.03.2019

Betriebsräte unterstützen AK-Forderung: Weg mit den Hürden beim Zugang zur Schwerarbeitspension für Pflegekräfte!

Pflegekräfte leisten wertvolle Arbeit für die Gesellschaft. Ihre Arbeit ist körperlich und seelisch belastend. Viele können es sich nicht vorstellen, bis zum gesetzlichen Pensionsalter durchzuhalten. Doch der Zugang zur Schwerarbeitspension ist für Pflegekräfte faktisch kaum möglich.

Betriebsratsvorsitzende Silvia Rentenberger-Enzenebner vom Landeskrankenhaus Freistadt und Betriebsratsvorsitzender Werner Osterberger vom Landespflege- und Betreuungszentrum Christkindl unterstreichen bei einer Pressekonferenz gemeinsam mit AK-Präsident Dr. Johann Kalliauer die Forderungen nach einem leichteren Zugang zur Schwerarbeitspension.

Pflegekräfte leisten Außerordentliches

Die meisten Pflegekräfte in den Krankenhäusern und Altenheimen empfinden ihre Arbeit als sinnstiftend, stehen jedoch wegen knapper Ressourcen und steigender Anforderungen unter Druck, immer mehr Leistung zu bringen. Das kann auf Dauer nicht gut gehen. Der Österreichische Arbeitsklima Index der Arbeiterkammer Oberösterreich zeigt, dass ein Drittel die Arbeit als stark belastend empfindet. Über alle Branchen hinweg sind es „nur“ 11 Prozent. Nur 39 Prozent der Beschäftigten im Krankenhaus glauben, bis zur Pension durchhalten zu können. Bei allen Arbeitnehmern/-innen sind es 60 Prozent. 

Welche Tätigkeiten als Schwerarbeit gelten, ist in der Schwerarbeitsverordnung geregelt. Für den Pflegebereich kommen in der Praxis 3 Möglichkeiten in Betracht:

  • Nachtdienste (zwischen 22:00 und 6:00 Uhr) verbunden mit Schicht- oder Wechseldiensten, wenn im Kalendermonat mindestens 6 Nachtdienste vorliegen.

  • Schwere körperliche Arbeit, wenn bei einer achtstündigen Arbeitszeit Männer 2.000 und Frauen mindestens 1.400 Arbeitskalorien an einem Arbeitstag verbrauchen.

  • Berufsbedingte Pflege von erkrankten oder behinderten Menschen mit besonderem Behandlungs- oder Pflegebedarf, wie beispielsweise in der Hospiz- oder Palliativmedizin.

Tücken im Detail

Der Teufel liegt im Detail: Pflegekräfte, die Nachtdienste leisten, können nur dann Schwerarbeitsmonate „erwerben“, wenn sie im Monat mindestens 6 Nachtdienste in einem Schicht- oder Wechseldienstsystem erbringen. Pflegekräfte, die ausschließlich Nachtdienste leisten, fallen - da kein Schichtwechsel - nicht unter diese Regelung.

Eine weitere Hürde stellt der Kalorienverbrauch dar. Für den Erwerb von Schwerarbeitsmonaten werden nämlich nur jene Monate herangezogen, in denen der Kalorienverbrauch an mindestens 15 Tagen erreicht wird. In der Pflegepraxis kommt es häufig vor, dass Arbeitnehmer/-innen mit 12-Stunden-Diensten auf den ganzen Monat gerechnet zwar „kalorienmäßig schwerer“ arbeiten als jene mit 8-Stunden-Diensten, die erforderlichen 15 Tage jedoch nicht erreichen. In einem solchen Fall ist die Arbeiterkammer Oberösterreich für eine Pflegekraft sogar bis zum Verfassungsgerichtshof gegangen. Leider teilte der VfGH die rechtliche Ansicht der AK nicht.

Psychische Belastungen berücksichtigen

Schließlich führt auch die mangelhafte Berücksichtigung von psychischen Belastungen zu Ungerechtigkeiten. Die Schwerarbeitsverordnung schränkt den Kreis der psychisch Belasteten ein auf Pflegekräfte, die überwiegend Personen ab Pflegegeldstufe 5 beziehungsweise Demenzkranke betreuen. In der Praxis zeigt sich aber, dass gerade die Betreuung von Menschen der Pflegegeldstufen 3 und 4 psychisch besonders anspruchsvoll ist. 

Mehr Fairness für Pflegekräfte

Deshalb fordern AK-Präsident Kalliauer, Betriebsrätin Rentenberger-Enzenebner und Betriebsrat Osterberger im Namen aller Kolleginnen und Kollegen neben einer Verbesserung der Arbeits- und Einkommensbedingungen mehr Fairness beim Zugang zur Schwerarbeitspension:

  • Beim Kalorienverbrauch muss auf den monatlichen Verbrauch abgestellt werden, unabhängig von der Anzahl der Tage.

  • Wenn an mindestens sechs Tagen im Kalendermonat Nachtarbeit geleistet wird, muss das als Schwerarbeit gelten, auch ohne Schicht- und Wechseldienst.

  • Schwerarbeitszeiten müssen während der gesamten Berufslaufbahn berücksichtigt werden, und nicht nur in den letzten 20 Jahren vor dem Pensionsantritt.

  • Psychische Belastungen müssen generell in die Schwerarbeitsverordnung aufgenommen werden.

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