30.03.2020

AK-Präsident Dr. Johann Kalliauer fordert Be­schäftigungs­verbot für Schwangere während der Corona-Krise

Die Bundes­regierung und die Sozial­partner haben in den vergangenen Tagen zahlreiche Regelungen zum Schutz der Beschäftigten während der Corona-Pandemie auf den Weg gebracht. Auf Druck der Arbeit­nehmer­interessen­vertretungen wurde nun endlich klargestellt, dass Schwangere in der direkten Pflege und in der Kinder­betreuung, wo der Schutzabstand von mindestens einem Meter nicht eingehalten werden kann, nicht mehr arbeiten dürfen.

Die Wissen­schaft geht zwar derzeit von keinem erhöhten Risiko für Schwangere aus, absolut gesicherte Daten gibt es aber keine. Die Arbeiter­kammer Ober­österreich fordert daher ein Beschäftigungsverbot für alle schwangeren Arbeit­nehmerinnen: „Prävention ist hier der sicherste Weg“, sagt AK-Präsident Dr. Johann Kalliauer.

Schwangere haben Angst

Mehrmals täglich wenden sich verzweifelte Frauen an die Arbeiter­kammer. Sie sind schwanger, haben Angst vor einer Infektion und müssen dennoch weiterhin ihrer Arbeit nachgehen. Betroffen sind insbesondere Arbeit­nehmerinnen im Gesundheits- und Pflegebereich sowie im Lebens­mittelhandel. Nun gibt es endlich eine Klar­stellung durch das Arbeits­inspektorat für einige Bereiche. So ist etwa geregelt, dass Schwangere in der Pflege und der Kinder­betreuung nicht eingesetzt werden dürfen, weil dort der Schutz­abstand sicher nicht eingehalten werden kann. Die AK begrüßt zwar diese Regelung, aber viele Betroffene müssen weiterhin das Risiko eingehen, sich mit dem Corona-Virus anzustecken.

Schwangere besser schützen

Nach wie vor arbeiten viele schwangere Beschäftigte in Kranken­häusern und Heimen außerhalb des direkten Pflege­bereichs sowie im Handel und anderen Bereichen mit viel Kontakt zu anderen Personen. Für sie ist die Arbeits­situation vielfach verunsichernd, weil ihnen weiterhin nur Hygiene­maßnahmen sowie die Vorgabe, einen Mindestabstand von 1 bis 2 Metern einzuhalten, bleiben. „Für die Betroffenen ist das zurecht nicht zufriedenstellend und sehr belastend. Nicht nur der Kontakt im unmittelbaren Arbeits­umfeld ist ein Problem, sondern es besteht auch ein Ansteckungs­risiko bei der Anreise zum Arbeitsplatz in öffentlichen Verkehrsmitteln“, gibt AK-Präsident Dr. Johann Kalliauer zu bedenken.

Generell herrscht wenig Klarheit über die Gefahren des Virus Covid-19 für Schwangere und ihre ungeborenen Kinder. Ein Auszug der Homepage der Österreichischen Agentur für Ernährungs­sicherheit (AGES): „Es handelt sich bei Covid-19 um ein neuartiges Virus, für das bis jetzt nur wenige Erfahrungen mit Schwangeren vorliegen. Ganz allgemein gilt aber, dass auf Grund der physio­logischen und immuno­logischen Umstellungen während der Schwanger­schaft eine erhöhte Empfänglichkeit für Infektionen nicht ganz ausgeschlossen werden. Derzeit ergeben sich keine Hinweise, dass Schwangere durch eine Covid-19-Erkrankung mehr gefährdet sind als andere Personen: bisherige Erfahrungen zeigen, dass Schwangere im Falle einer Erkrankung nur leichte bis mittelschwere Symptome aufwiesen.“

„Die medizinischen Einschätzungen sind sehr offen gehalten, zu wenig einschätzbar und die tatsächlichen Auswirkungen einer Erkrankung mit dem Corona-Virus während einer Schwangerschaft sind noch nicht hinreichend erforscht. Schwangere sind besonders schutzbedürftig. Hier muss Vorsorge ganz klar vor wirtschaftlichen Interessen stehen“, sagt Kalliauer. Die Arbeiter­kammer fordert deshalb ein präventives Beschäftigungs­verbot für Schwangere während der Corona-Krise. Denn auch Personen ohne erhöhtes Risiko können erkranken. Folgen wie Atemnot oder etwaige Medikation bei Erkrankung könnten ein Risiko für Mutter und Kind darstellen. Viele Betriebe seien von sich aus zu der Über­zeugung gelangt, dass eine Weiterbeschäftigung von Schwangeren aktuell nicht klug ist. Aber es gebe auch einige, die auf einer Weiter­beschäftigung beharren, so der Präsident.

Prävention ist in der Corona-Krise der sicherste Weg. 

Dr. Johann Kalliauer

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