23.10.2018

Kalliauer an Wirtschaftskammer: Schikanen gegen Arbeitslose und weitere Geschenke für Unternehmen schaffen keinen einzigen Arbeitsplatz

Seit längerem beklagt die Wirtschaftskammer lautstark einen angeblichen Fachkräftemangel in Österreich. Statt aber auf höhere Investitionen der Betriebe in die Ausbildung von Mitarbeitern/-innen und verstärkte Anreize für Arbeitnehmer/-innen in manchen Problembranchen – wie bessere Arbeitsbedingungen und höhere Löhne und Gehälter– zu setzen, fordert sie immer mehr öffentliche Zuschüsse und Beitragssenkungen für die Unternehmen und immer schärfere Schikanen gegen Arbeitslose. „Die Forderungen der Wirtschaftskammer sind zum Teil menschenverachtend und völlig ungeeignet, die Probleme auf dem Arbeitsmarkt zu lösen“ sagt AK-Präsident Dr. Johann Kalliauer.

Druck und Angst um Job als Heilmittel?

Wie vermehrte Einstellbeihilfen für die Betriebe und Leistungskürzungen für Arbeitslose die Qualifikation der Arbeitsuchenden verbessern sollen, bleibt ein Rätsel. „Immer strengere Sanktionen werden aus Hilfskräften ohne Berufsausbildung keine Fachkräfte mit Spezialkenntnissen machen. Es geht offensichtlich darum, den Druck so weit zu erhöhen, dass Arbeitslose jeden Job annehmen müssen und Beschäftigte sich aus Angst vor Jobverlust alles gefallen lassen“, so Kalliauer.

Schon dass die Wirtschaftskammer von der Regierung geplante Verschärfungen gegen Arbeitslose – wie eine mit der Dauer der Arbeitslosigkeit immer niedrigeres Arbeitslosengeld –als „aktivierende Maßnahme für Arbeitslose“ bejubelt, ist Zynismus. Die Schuld an der Arbeitslosigkeit wird so den angeblich „inaktiven“ Betroffenen selbst zugewiesen und nicht etwa dem unzureichenden Jobangebot oder der Einstellungspraxis der Unternehmen, die zum Beispiel kaum ältere Arbeitnehmer/-innen oder Behinderte einstellen.

Die Wirtschaftskammer fordert darüber hinaus sogar noch zusätzliche Schikanen für Arbeitslose wie zumutbare Wegstrecken von 3 Stunden täglich und Sanktionen für jene, die einen Job in einem anderen Bundesland ablehnen. Arbeitssuchende sollen offenbar unter Androhung von Sanktionen je nach Bedarf der Unternehmen in ganz Österreich herumgeschoben werden können.

Qualifiziierung statt Schikanen

„Wenn die Wirtschaftskammer tatsächlich einen gravierenden Fachkräftemangel ortet, dann muss man an der Qualifizierung ansetzen. Mit Implacementstiftungen, der Qualifizierungsförderung AQUA, speziellen Kursen usw. gibt es ein breites Förderangebot für Betriebe, das diese allerdings schon jetzt viel zu wenig nutzen“, argumentiert Kalliauer. „Automatische“ Eingliederungsbeihilfen für die Einstellung älterer Arbeitsuchender und weitere Reduktionen von Sozialbeiträgen der Unternehmen spülen nur öffentliche Gelder in die Firmenkassen.

Investitionen in ältere Arbeitnehmer

Absurd ist auch, dass die Wirtschaftskammer nun Pensionisten/-innen mit finanziellen Zuckerln (für die Betriebe!) wieder ins Berufsleben locken will, während viele Unternehmen schon jetzt keine aktiven älteren Arbeitsuchenden mehr einstellen und diese so aufs berufliche Abstellgleis stellen. Und wichtiger als Maturanten/-innen in Lehrausbildungen zu drängen ist es, Jugendlichen, die eine Lehrstelle suchen, aber auch erwachsenen Arbeitslosen mit maximal Pflichtschulabschluss, Angebote zur Verbesserung ihrer beruflichen Qualifikation zu machen. Das sind immerhin 47 Prozent der aktuell mehr als 31.000 Arbeitslosen in Oberösterreich. 

Hausaufgaben machen statt zu diffamieren

„Für konstruktive Lösungen sind wir jederzeit zu haben. Nicht zu haben sind wir aber für weitere wirkungslose Geschenke an Unternehmen und polemische Pauschaldiffamierungen von Arbeitsuchenden als arbeitsunwillig und bequem. Vielmehr sollte die Wirtschaftskammer ihre Mitgliedsbetriebe dabei unterstützen, dass sie ihre Hausaufgaben machen“, sagt Kalliauer und fordert etwa eine rechtzeitige Bekanntgabe von offenen Stellen, präzise Stellenbeschreibungen, Einschulungsphasen für neue Mitarbeiter/-innen als normale betriebliche Aufgabe, mehr betriebliche Weiterbildung und besseren Arbeitnehmerschutz zur Erhaltung der Arbeitsfähigkeit.

Die Forderungen der Wirtschaftskammer sind zum Teil menschenverachtend und völlig ungeeignet, die Probleme auf dem Arbeitsmarkt zu lösen.

Dr. Johann Kalliauer

AK-Präsident

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