24.01.2020

AK Oberösterreich: Öffent­liche Mittlere und Höhere Lehr­an­stalt für Sozial­be­treuung und Pflege nur ohne soziale Hürden

Die geplanten berufsbildenden Mittleren und Höheren Schulen im Bereich Sozialbetreuung und Pflege sind ein wichtiger Schritt für eine zukunftsorientierte Ausbildung. Im Ministerrat wurde eine Pilotausbildung mit 150 Plätzen beschlossen, auch ein Standort in Oberösterreich ist angekündigt. Offensichtlich zieht die oberösterreichische Bildungsdirektion nur Privatschulen in Betracht. „Voraussetzungen für ein Gelingen dieses Versuchs sind der gebührenfreie Zugang für Schülerinnen und Schüler, die überfällige Erhöhung der Schul- und Heimbeihilfen und ein attraktives Ausbildungskonzept“, betont AK-Präsident Dr. Johann Kalliauer. 

Pflege-Lehranstalten als Privatschule

Der zusätzliche Bedarf an qualifiziertem Pflegepersonal ist hoch, es darf daher keine Zugangsbarrieren bei der Ausbildung geben. Die bisher bekannten Standorte für die geplanten Pflege-Lehranstalten sind allerdings allesamt Privatschulen. Da soziale Zugangshürden zu vermeiden sind, darf deren Besuch nicht mit dem Einheben von Schulgeld verbunden sein. Solange es in diesem Bereich kein öffentliches Angebot gibt, verlangt die AK Oberösterreich vom Land Oberösterreich und der Bildungsdirektion, diese neuen Angebote gebührenfrei zu halten. Diese innovativen Schultypen müssen im öffentlichen Schulsektor angeboten werden. 

Schulbeihilfe seit 13 Jahren gleich hoch

Schulgeld ist oft eine Hürde beim Eintritt in Schulen. Hinzu kommt: Durch das langjährige Aushöhlen der Schul- und Heimbeihilfe gibt es immer weniger Unterstützung für Jugendliche aus einkommensschwächeren Familien bei der Schul- bzw. Berufswahl. Die Schul- und Heimbeihilfen wurden seit 13 (!) Jahren nicht mehr inflationsangepasst. Die AK Oberösterreich fordert daher einmal mehr von der Bundesregierung die längst überfällige Reform des Schulbeihilfensystems. Der Bezieherkreis muss ausgeweitet und die Beihilfen müssen deutlich erhöht werden.  

Wichtig ist auch die attraktive Gestaltung des neuen Schultyps: Die Ausbildung soll modular gestaltet sein, sodass mehrere Berufsberechtigungen erworben werden können und ein breites Fundament für den Berufseinstieg entsteht. Durch das Einbeziehen der bestehenden Gesundheits- und Krankenpflegeschulen könnte eine berufsbildende Mittlere und Höhere Pilotschule auch deren hohe Kompetenz nutzen. 

Pflegelehre überfordert Jugendliche

Eine „Pflegelehre“ - wie im Regierungsprogramm vorgesehen - ist abzulehnen. Das Pflegen und Betreuen (oft schwer)kranker, sterbender und/oder dementer Menschen ist oft mit Extremsituationen verbunden, die nicht nur junge Menschen vor große Herausforderungen stellen. Die Ausbildung in einer schulischen Struktur, in der diese Thematik im Klassenverband und mit einem pädagogischen Konzept bearbeitet werden kann, wäre daher eine bessere Lösung. „Die Lehre mag für viele Berufe vorteilhaft sein, in der Pflege ist aber ein schulisches Modell besser geeignet“, so AK-Präsident Dr. Johann Kalliauer. „Das Schweizer Pflegelehre-Modell kann hier kein Vorbild sein. Zeigt sich doch, dass nur knapp ein Viertel der Absolventinnen und Absolventen im Beruf bleiben. Das ist ernüchternd.“ 

Zusätzlicher Stress für Beschäftigte

Noch ist völlig offen, wie in Krankenhäusern, Altenheimen und in der Mobilen Pflege mit ohnehin schon sehr knappem Personaleinsatz auch noch die Ausbildung junger Pflegekräfte erfolgen soll. Bereits jetzt brechen viele Menschen aufgrund der Arbeits- und Praxissituation die Ausbildung nach dem ersten Praktikum ab. „Schulische Pilotprojekte sind ein guter und wichtiger Schritt. Aber auch Erwachsene, die sich auf dem zweiten Bildungsweg für einen Pflegeberuf entscheiden, sind eine wichtige Zielgruppe um die sich die Politik verstärkt annehmen sollte“, so Johann Kalliauer.

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