27.12.2019

AK-Präsident Kalliauer fordert leichteren Zugang zur Schwer­arbeits­pension für Pflege­kräfte: „Weg mit büro­kratischen Hürden!“

Die Beschäftigten in den Altenheimen, Behinderteneinrichtungen und Spitälern erbringen täglich Höchstleistungen. Ihre Arbeit ist extrem fordernd. Es braucht daher nicht nur gute Arbeitsbedingungen und ausreichend Personal, sondern auch einen leichteren Zugang für die Beschäftigten zur Schwerarbeitspension. „Derzeit sind es unter anderem eine Reihe von unsinnigen bürokratischen Hürden, die das verhindern“, kritisiert AK-Präsident Dr. Johann Kalliauer. Er fordert rasche Verbesserungen bei der Schwerarbeitsregelung.

Weg mit bürokratischen Hürden!

Die Schwerarbeitspension hat den Zweck, allen Arbeitnehmern/-innen mit besonders belastenden Berufen einen früheren Eintritt in die Pension zu ermöglichen. „Weshalb diese Möglichkeit gerade den Pflegekräften sehr schwer gemacht wird, ist absolut unerklärlich. Körperliche Strapazen, psychische Belastungen, hohe Arbeitsverdichtung, viele Nachtdienste, lange 12-Stunden-Arbeitstage. Die Arbeit mit schwer kranken oder behinderten Menschen ist Schwerarbeit“, so AK-Präsident Kalliauer. Der Zugang zur Schwerarbeitspension ist aber vielen Beschäftigten in den Gesundheits- und Pflegeberufen derzeit verwehrt. Die Gründe sind unnötige bürokratische Hürden und eine restriktive Vollziehung der Bestimmungen. 

Schwerarbeit erst ab Pflegestufe 5 anerkannt

So wird ein Monat mit Nachtarbeit nur dann als Schwerarbeit gewertet, wenn zusätzlich auch noch Tagdienste erbracht werden und damit Schichtarbeit gegeben ist. Kalliauer: „Das hat die skurrile Auswirkung, dass jemand, der ausschließlich Nachtdienste leistet, per se aus der Schwerarbeitsregelung herausfällt.“ Eine weitere Hürde ist der Kalorienverbrauch: Damit körperliche Schwerarbeit  vorliegt, muss eine bestimmte Menge Kalorien pro Tag verbraucht werden. Dieser Wert wird von Gutachtern aus der Ferne eruiert und ist nicht nachvollziehbar. Kaum berücksichtigt wird die psychische Belastung: In der Altenpflege etwa kommt es für die Schwerarbeitsregelung darauf an, wie viele Patienten/-innen mit mindestens Pflegestufe 5 oder mit einer Demenzerkrankung zu betreuen sind. Die Praxis zeigt aber, dass die Betreuung von Patienten/-innen mit niedrigeren Pflegestufen nicht minder herausfordernd ist. 

12-Stunden-Dienste benachteiligt

Auch in den Spitälern sind die Kriterien teilweise völlig realitätsfern: Als Schwerarbeit zählen dort vorwiegend Tätigkeiten im Palliativ- oder Hospizbereich. Besonders skurril ist jene Regelung, wonach Beschäftigte überhaupt nur in die Schwerarbeitsregelung fallen können, wenn sie mindestens 15 Kalendertage Schwerarbeit im Monat leisten. Viele Pflegekräfte leisten jedoch 12-Stunden-Dienste und können daher gar nicht auf die erforderlichen 15 Tage Schwerarbeit pro Monat kommen. „Und das, obwohl sie aufgrund der hohen Stundenzahl allein schon höchsten Belastungen ausgesetzt sind. All diese Bestimmungen sind völlig unverständlich und gehen an den Arbeits- und Lebensrealitäten der Beschäftigten vorbei“, kritisiert Kalliauer. 

Mehr Fairness für Pflege­kräfte

Der AK-Präsident appelliert daher an die Politik, die Regelungen für die Schwerarbeit rasch zu ändern und somit den Beschäftigten in den Gesundheits- und Pflegeberufen eine faire Chance auf den Erwerb von Schwerarbeitszeiten zu geben. Weitere AK-Forderungen sind: Feststellung des monatlichen, und nicht des täglichen Kalorienverbrauchs für die Schwerarbeit; reine Nachtarbeit als Schwerarbeit gelten lassen; die generelle Aufnahme der Arbeit mit psychisch erkrankten Patienten/-innen in die Schwerarbeitsverordnung; Schwerarbeitszeiten müssen während der gesamten Berufslaufbahn als solche angerechnet werden und nicht - wie derzeit - nur während der letzten 20 Jahre vor dem 60. Lebensjahr. „Die Beschäftigten leisten eine unverzichtbare Arbeit für unsere Gesellschaft und tun dies mit großem Einsatz und hoher Motivation. Sie haben sich eine ordentliche soziale Absicherung verdient“, sagt Kalliauer.

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