24.09.2021

Kalliauer kritisiert neue Förder­richt­linien für das OÖ. Bildungs­konto: Viel Marketing – wenig substantielle Ver­besserung

Die Landesregierung hat neue Förderrichtlinien für das Bildungskonto des Landes Oberösterreich (OÖ. Bildungskonto) beschlossen. Die Arbeiterkammer Oberösterreich hat daran mehrere gravierende Kritikpunkte: Vor allem die Kürzungen der Förderungen um 40 Prozent seit 2015. Ausbildungen in Gesundheitsberufen werden unverständlicherweise deutlich niedriger gefördert als solche in IT-Berufen. Und der neue Begriff „OÖ. Bonus“ für die Förderungen zum Nachholen eines Berufsabschlusses ist ein Marketing-Gag ohne substanzielle Veränderungen. 

Das Bildungskonto des Landes Oberösterreich fördert Arbeitnehmer/-innen bei beruflichen Aus- und Weiterbildungen beziehungsweise Umschulungen und wird jährlich von etwa 10.000 Personen in Anspruch genommen.

Gesund­heits­berufe weniger ge­fördert

Unverständlich ist, dass es je nach Berufsgruppe unterschiedliche Förderhöhen gibt. So werden beispielsweise Fortbildungen im digitalen Bereich mit bis zu 4.000 Euro gefördert, wogegen Ausbildungen im sozialen Bereich beziehungsweise Gesundheitsbereich mit 2.400 Euro gedeckelt sind. Die dahinterliegende Logik ist unverständlich, daher braucht es eine Anhebung der Förderungen für Ausbildungen im Gesundheits- und Sozialbereich.

„Warum die Förderobergrenze bei Gesundheitsberufen um 1.600 Euro niedriger ist als im IT-Bereich ist angesichts der hohen Kosten für einschlägige Ausbildungen in diesem bedeutenden gesellschaftlichen Zukunftsbereich, in dem wir dringend mehr Personal brauchen, nicht nachvollziehbar. Und es ist zudem ungerecht“, stellt AK-Präsident Dr. Johann Kalliauer fest. 

Förder­grenze an­heben

In der Erwachsenenbildung kostet eine Ausbildung für Sozialbetreuungsberufe zum Beispiel in der Behindertenarbeit circa 3.500 Euro. Eine laufende Fortbildung nach dem Abschluss ist in diesen Berufen notwendig und verpflichtend vorgeschrieben, die Förderungen des Landes Oberösterreich wären bei Beibehaltung der beschlossenen Fördergrenze dann aber schon aufgebraucht. In den medizinischen Assistenzberufen kostet das Basismodul fast 1.000 Euro und die Ausbildung zur Laborassistentin/zum Laborassistenten weitere 5.700 Euro, in Summe also circa 6.700 Euro. Der vorgesehene maximale Förderbetrag reicht also bei weitem nicht aus! Kalliauer fordert daher dessen Anhebung für Sozial- und Gesundheitsberufe auf das Niveau der digitalen Ausbildungen.

„OÖ. Bonus“ – Nur der Name ist neu

Der neu eingeführte Begriff „OÖ. Bonus“ für die Förderungen zum Nachholen eines Berufsabschlusses, für Karenzierte und Wiedereinsteiger/-innen oder etwa für Personen mit maximal Pflichtschulabschluss ist ein Etikettenschwindel. Denn es gelten die alten Richtlinien mit den gleichen Fördersätzen wie bisher, also 60 Prozent bis maximal 2.400 Euro. „Eine substantielle Verbesserung für Menschen ohne Ausbildungsabschluss und für jene, die einen Berufsabschluss oder den Wiedereinstieg ins Berufsleben anstreben, ist weit und breit nicht sichtbar“, sagt der AK Präsident, der neue bildungspolitische Akzente zum Ausgleich sozialer und bildungsspezifischer Ungleichheit und zur Unterstützung beim Wiedereinstieg nach Karenzen und Erwerbsbrüchen vermisst.

Kürzungen zurück­nehmen

Hauptkritikpunkt der Arbeiterkammer Oberösterreich ist und bleibt, dass der allgemeine Fördersatz des OÖ. Bildungskontos seit 2015 zweimal von damals 50 auf heute 30 Prozent gekürzt wurde. Auch nach den neuen Richtlinien soll das so bleiben. „Die Kürzungen seit dem Jahr 2015 sollten endlich zurückgenommen werden“, fordert Kalliauer. Und beim erhöhten Fördersatz für Personen mit maximal Pflichtschulabschluss und für Wiedereinsteiger/-innen fordert die AK die Erhöhung des Förderanteils des Landes Oberösterreich von derzeit 60 auf die ursprünglichen 70 Prozent der Kurskosten. 

Bildung für alle

Gerade angesichts von Pandemie und Fachkräftemangel sollten die Bildungsförderungen massiv ausgebaut werden. In einem ersten Schritt müssen die Förderungen für das Nachholen von Lehrabschlüssen deutlich erhöht werden, denn ein Lehrabschluss im Zweiten Bildungsweg kann bis zu 4.000 Euro kosten und scheitert daher oft an finanziellen Hürden.

„Der Zugang zu Bildungsabschlüssen darf nicht vom sozialen und finanziellen Hintergrund der bildungswilligen Menschen abhängen. Vor allem finanzielle Hürden sind Bildungsbarrieren, die mit intelligenten Fördersystemen leicht abgebaut werden können. Davon profitieren letztendlich alle“, erklärt AK-Präsident Kalliauer und fordert deutlich mehr bildungspolitische Anstrengungen der politisch Verantwortlichen in Oberösterreich.

Eine substantielle Ver­besserung für Menschen ohne Aus­bildungs­ab­schluss und für jene, die einen Berufs­abschluss oder den Wieder­einstieg ins Berufs­leben an­streben, ist weit und breit nicht sicht­bar. 

Dr. Johann Kalliauer

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Eine substantielle Ver­besserung für Menschen ohne Aus­bildungs­ab­schluss und für jene, die einen Berufs­abschluss oder den Wieder­einstieg ins Berufs­leben an­streben, ist weit und breit nicht sicht­bar. 

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