15.3.2021

Zerreiß­probe Kinder­betreuung: AK ortet großen Nach­hol­bedarf in Ober­öster­reich

Egal, ob bei den Kinder­betreuungs­plätzen, bei den Öffnungs­zeiten der Kinder­gärten und Krabbel­stuben oder beim Ausbau ganztägiger Schulen: In Ober­österreich kommen die Interessen der Kinder und ihrer (berufs­tätigen) Eltern zu kurz. Verantwortlich dafür ist das Land Ober­österreich. AK-Präsident Dr. Johann Kalliauer fordert daher von der Landes­politik den raschen Ausbau der Kinder­betreuungs­einrichtungen und der ganz­tägigen Schulen. „Das ist pädagogisch notwendig, schafft Arbeitsplätze und ermöglicht den Eltern eine Berufs­tätigkeit“, sagt der AK-Präsident.

Oberösterreich hat Nachholbedarf

Die vergangenen 12 Monate haben eindrucks­voll und schonungs­los gezeigt, wie wichtig und system­relevant Schulen, Kindergärten, Krabbel­stuben und Horte sind - als Bildungs­einrichtungen und als Orte der qualitäts­vollen Kinder­betreuung und für die Verein­barkeit von Familie und Beruf. Ober­österreich hat aber großen Nachhol­bedarf beim institu­tionellen Angebot.

Bei den Betreuungs­plätzen für Kinder unter 3 Jahren nimmt Ober­österreich den letzten Platz und bei den 3- bis 6-jährigen den vorletzten Platz ein. Lediglich für 23,9 Prozent der 3- bis 6-jährigen und 4,4 Prozent der Unter-3-jährigen gab es in Oberösterreich im Kindergartenjahr 2019/20 einen vollzeittauglichen Betreuungs­platz. Ganz anders etwa in Vorarlberg, wo es für 39,4 Prozent der 3- bis 6-jährigen und 16,3 Prozent der Unter-3-jährigen vollzeit­taugliche Betreuungs­plätze gibt. Das zeigt: Es ist eine Frage des politischen Willens, ob man in Kinder­betreuung investiert - oder eben nicht.

Kinderbetreuung mit kurzen Öffnungszeiten

In einer anderen Kategorie ist Ober­österreich hingegen ganz vorne - nämlich beim Anteil an Kinder­gärten und Krabbel­stuben mit kurzen Öffnungs­zeiten: Während in ganz Österreich ein Drittel der Kinder­betreuungs­einrichtungen vor 16 Uhr schließt, sind es in Oberösterreich 61 Prozent. Nur 5 von 1.247 Kinder­betreuungs­einrichtungen haben in Ober­österreich länger als 12 Stunden pro Tag geöffnet, das sind 0,4 Prozent. „Gleichzeitig verlangen die Arbeitgeber von ihren Beschäftigten immer mehr Flexibilität: 12-Stunden-Arbeitstage, 60-Stunden Woche, ständige Erreichbarkeit, maximale Mobilität“, sagt AK-Präsident Dr. Johann Kalliauer.

Ähnlich düster sieht die Lage bei den Schließtagen aus: Rund die Hälfte aller Kinder­betreuungs­einrichtungen in Ober­österreich sind mehr als 30 Tage - und somit länger als 6 Arbeits- oder Urlaubswochen - im Jahr geschlossen. „Für viele Familien ist das eine enorme Heraus­forderung und Belastung“, sagt der AK-Präsident.

Dazu kommt die finanzielle Komponente: Seit 1. Februar 2018 gibt es in Ober­österreich wieder Gebühren für die Nachmittags­betreuung. Der Effekt ist klar sichtbar: Pro Wochen­tag wurden rund 28 Prozent der Kinder aus der Nachmittags­betreuung genommen, der Anteil der ganztägig betreuten Kinder­garten­kinder ist um 12 Prozent­punkte zurück­gegangen. „Damit wurde der Zugang zu früher Bildung einge­schränkt und der Kinder­garten als elementare Bildungs­einrichtung geschwächt“, sagt Kalliauer.

Großer Förder- und Aufholbedarf

Die Probleme setzen sich in der Schule fort und werden durch die Corona-Pandemie verstärkt: Viele Eltern beklagen, dass ihre Schul­kinder aufgrund der mehrmaligen Schul­schließungen enormen Förder- und Aufhol­bedarf haben. 6 von 10 wünschen sich Ganztagesschulen, 83 Prozent mehr Angebote an Nach­mittags­betreuung. Aber auch hier macht Ober­österreich viel zu wenig: Echte, verschränkte Ganztages­schulen mit einem qualitätsvollen Angebot von Förderung, Unterricht, Freizeit und Sport sind selten. Nur knapp 3 von 10 Kindern im Pflicht­schulalter sind derzeit in einer Nachmittags­betreuung in einer Schule oder einem Hort. 

Der AK-Präsident resümiert: „Ober­österreich hinkt in fast allen Vergleichen weit hinten nach.“ Die AK fordert daher einen raschen Ausbau der vollzeittauglichen Kinder­betreuungs­angebote in Ober­österreich, die Rück­nahme der Nachmittags­gebühren, einen Rechts­anspruch auf einen Platz in einer Betreuungs­einrichtung ab dem 2. Lebensjahr sowie die Einführung eines 2. verpflichtenden kosten­losen Kindergarten­jahres für alle Kinder. Bund und Land müssen Initiativen zur nachhaltigen Finanzierung und zum raschen Ausbau qualitätsvoller ganztägiger Schulen setzen und den Eltern einen Rechts­anspruch auf einen Platz für ihre Kinder in einer verschränkten Ganztages­schule gewähren.

Der Ausbau der Kinder­betreuung ist pädagogisch notwendig, schafft Arbeits­plätze und ermöglicht den Eltern eine Berufs­tätigkeit.

Dr.Johann Kalliauer

AK-Präsident

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