19.09.2021

Kalliauer: Haberlander muss handeln: kleinere Gruppen, mehr Personal und Luft­filter in den Kindergärten statt bloßer Empfehlungen!

Zu Beginn des neuen Kindergartenjahres hat Landesrätin Christine Haberlander wieder nur Empfehlungen ausgesprochen, statt konkrete Verbesserungsschritte zu setzen. „Nach fast eineinhalb Jahren Pandemie ist es völlig unbegreiflich, dass in Oberösterreich immer noch kein funktionierendes Corona-Sicherheitskonzept für die Kindergärten existiert“, ärgert sich AK-Präsident Dr. Johann Kalliauer. In Oberösterreichs Kindergärten gibt es 10.525 Angestellte, die 65.027 – meist ungeimpfte – Kinder betreuen und somit dringend Schutzmaßnahmen brauchen.

Gruppen zu groß

In Pandemiezeiten fallen uns nun die Versäumnisse der Landespolitik der vergangenen Jahre bei der Ausstattung der Kindergärten auf den Kopf. Es gibt nach wie vor viel zu wenig Personal und auch bauliche Investitionen in mehr Gruppenräume sind unterblieben. Gruppen­teilungen und daher kleinere Gruppen, die ein effektives Mittel der Prävention darstellen würden, sind daher sowohl aufgrund des unzureichenden Personal-Kind-Schlüssels als auch aus baulichen Gründen nahezu unmöglich.

„Schon vor der Pandemie gingen 6 von 10 Beschäftigten in der Kinderbildung und -betreuung auch krank zur Arbeit, um die Kollegen/-innen nicht alleine mit der gesamten Gruppe zu lassen. Kaum auszumalen, wie das in einer vierten Welle funktionieren soll“, sagt der AK-Präsident.

Infektionsgefahr im Kinder­garten

Eltern von kleinen Kindern wissen nicht erst seit der Corona-Pandemie: Gerade in Kindergärten gibt es vor allem in der kälteren Jahreszeit besonders viele Ansteckungen mit Infektionskrankheiten. „Selbst nach Ende der Pandemie wird es noch notwendig sein, im Sinne der Krankheitsprävention kleinere Gruppen und mehr Ausweich­möglichkeiten in den Räumen zu ermöglichen. Auch die Bildungs- und Betreuungsqualität leidet unter den zu großen Gruppen. Obwohl wir darauf immer wieder eindringlich hinweisen, ist das Land hier seit langem säumig“, kritisiert Kalliauer.

Mehr Personal in der Kinderbetreuung

Die Schaffung von Jobs in der Kinderbildung und -betreuung wäre auch ein gutes Mittel zur Bekämpfung der hartnäckigen Arbeitslosigkeit. 73 Prozent von im Rahmen einer IFES-Studie befragten Arbeitssuchenden wünschen sich mehr Jobangebote im Landes- oder Gemeindedienst, wie zum Beispiel im Bereich der Kinderbetreuung. Das wären nicht nur sinnstiftende, sichere Arbeitsplätze, die Arbeitssuchenden neue Chancen eröffneten, sondern würde auch die bereits Beschäftigten entlasten.

Kinder besser schützen

Statt jetzt – vor der vierten Corona-Welle – selbst aktiv zu werden, gibt Landesrätin Haberlander, so wie in der Vergangenheit, nur Vorgaben des Bundes weiter. Mit der konkreten Planung und Umsetzung der Schutz- und Hygienemaßnahmen werden die einzelnen Rechts­träger und Einrichtungen allein gelassen. Eine uneinheitliche Vorgangsweise und viele Unsicherheiten sind die logische Folge. Ausbaden müssen das die Kinder, die Eltern und das Personal. Die freiwilligen Lollipop-Tests sind kein ausreichendes Konzept.

Geeignet zur Reduzierung der Ansteckungs­gefahr wäre hingegen eine Ausstattung der Räume mit Luftfiltern, wie sie Umweltmediziner seit mittlerweile 1,5 Jahren fordern. Das Land hat aber nur 116 Luftfilter für insgesamt 1.282 Kinderbildungs- und Betreuungseinrichtungen mit 3.768 Gruppen bestellt, eine fahrlässig niedrige Zahl. „Es wird Zeit, dass Bund und Land endlich Ver­antwortung übernehmen und die Rahmenbedingungen verbessern. Schwammige, unverbindliche Empfehlungen und das Abschieben der Verantwortung auf die Rechtsträger verstärkten nur den Druck auf die handelnden Personen in den Einrichtungen. Die Beschäftigten und die Familien haben sich in der Pandemie genug mitgemacht, sie brauchen endlich eine deutliche Entlastung!“ so Kalliauer.

In Kinderbetreuung investieren

Die Arbeiterkammer fordert daher sofortige Investitionen des Landes Oberösterreich in die Kinderbetreuung: in die Ausbildung und Beschäftigung von Personal sowie in den Kindergärten selbst. Nur so entstehen Gestaltungs­spielräume, die eine echte Infektionsprävention ermöglichen. Die frühkindliche Betreuung ist alles andere als ein Randthema. Sie ist entscheidend für die Entwicklung der Kinder, für Chancengleichheit von Männern und Frauen, für ein hohes Fachkräftepotenzial und letztendlich für die gesamte Entwicklung von Wirtschaft und Gesellschaft.

Selbst nach Ende der Pandemie wird es noch notwendig sein, im Sinne der Krankheitsprävention kleinere Gruppen und mehr Ausweich­möglichkeiten in den Räumen zu ermöglichen. Auch die Bildungs- und Betreuungsqualität leidet unter den zu großen Gruppen

dr. johann kalliauer

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