28.10.2019

Die Leistungs­bilanz der Beschäftigten aus der Landes­hauptstadt Linz

Egal ob auf der Baustelle, im Forschungslabor, im Kindergarten, an der Supermarktkassa oder im Lohnbüro. Und darüber hinaus beim Roten Kreuz und bei der Feuerwehr – überall dort arbeiten die wahren Leistungsträger/-innen, nämlich die Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer. Ohne sie stünde in der Landeshauptstadt und im gesamten Bundesland alles still. Die Arbeiterkammer Oberösterreich holt daher ihre Leistungen vor den Vorhang – mit der neuesten Leistungsbilanz der Beschäftigten aus der Stadt Linz.

Im  Jahresdurchschnitt 2018 waren in Linz (samt Urfahr-Umgebung) rund 207.000 Menschen unselbständig beschäftigt. Davon stammten knapp 125.000 Beschäftigte aus dem Arbeitsmarktbezirk Linz – um 2,6 Prozent mehr als im Jahr zuvor und um 9,6 Prozent mehr als vor 10 Jahren. Die übrigen rund 82.000 Personen pendelten nach Linz (und Urfahr-Umgebung) ein.

Stahl, Kultur und Tourismus

Das wirtschaftliche Rückgrat der Landeshauptstadt ist nach wie vor die Stahlindustrie – Linz ist mittlerweile aber breit aufgestellt. Kunst und Kultur haben sich zu einem signifikanten Merkmal von Linz entwickelt. Das ars electronica center bildet die Schnittstelle zur Forschung und Wissenschaft. Und nicht erst seit Linz 2009 Kulturhauptstadt Europas war, entwickelt sich der Tourismus zu einem soliden Standbein der Linzer Wirtschaft. Als Beispiel für die Innovation und gestalterische Bewältigung des Strukturwandels gilt die Tabakfabrik: Aus den alten Fabrikshallen sprießt neues wirtschaftliches Leben.

Die Erwerbsquote liegt in Linz mit 77,9 Prozent etwas über dem Landesdurchschnitt. Das heißt, dass 3 Viertel aller Frauen und 4 von 5 Männern aus dem Arbeitsmarktbezirk Linz erwerbstätig sind. Etwas mehr als ein Drittel aller Beschäftigten aus der Landeshauptstadt hat einen Teilzeitjob – mehr als die Hälfte der Frauen und knapp 19 Prozent der Männer. Die Teilzeitquote der Frauen ist die zweitniedrigste, jene der Männer die höchste aller oberösterreichischen Bezirke.

Gesundheits­berufe weiblich, Bau und Produktion männlich

Deutlich mehr als die Hälfte der Beschäftigten in der Stadt Linz ist in Großbetrieben mit mehr als 100 Mitarbeitern/-innen tätig. In Kleinstbetrieben mit weniger als 10 Beschäftigten arbeitet hingegen nur etwa ein Sechstel der in Linz berufstätigen Arbeitnehmer/-innen.

Zu den größten Betrieben in Linz zählen etwa das Land Oberösterreich, die ÖBB-Infrastruktur, das Rote Kreuz, die Caritas oder die Oberösterreichische Gebietskrankenkasse. Allerdings haben viele Beschäftigte dieser Arbeitgeber ihre Arbeitsplätze außerhalb von Linz. Die größten Betriebe in der Landeshauptstadt sind daher:

  • die Voestalpine Stahl,
  • das Kepler Universitätsklinikum,       
  • das Ordensklinikum Linz,
  • die Johannes Kepler Universität Linz und
  • die Firma Plasser & Theurer.

Den höchsten Frauenanteil gibt es mit knapp 75 Prozent im Gesundheits- und Sozialwesen. Von den Beschäftigten am Bau sind 87 Prozent Männer. Obwohl mehr als drei Viertel der Arbeitsplätze in Linz auf den Dienstleistungssektor entfallen, ist die klassische Produktion die größte Einzelbranche in der Landeshauptstadt. Auch hier sind naturgemäß hauptsächlich Männer beschäftigt.

Arbeits­lose suchen intensiv nach neuen Jobs

Im vergangenen Jahr waren im Arbeitsmarktbezirk Linz durchschnittlich 9.027 Personen arbeitslos (davon mehr als 8.000 aus der Stadt Linz und knapp 1.000 aus dem Bezirk Urfahr-Umgebung), 2.622 befanden sich in Schulungsmaßnahmen des Arbeitsmarktservice und 85 Jugendliche suchten eine Lehrstelle.

Die registrierte Arbeitslosigkeit lag bei 6,8 Prozent und damit deutlich über dem Landesdurchschnitt von 5 Prozent. Eine Ursache dafür ist der hohe Zustrom von Arbeitskräften aus anderen Bezirken und Bundesländern auf den Linzer Arbeitsmarkt – insbesondere in Jobs mit geringen Qualifikationserfordernissen. Mit 54 Prozent ist der Anteil der Arbeitslosen mit maximal Pflichtschulabschluss deutlich höher als im Landes- (49 Prozent) und im Bundesdurchschnitt (44 Prozent).

Positiv ist hingegen, dass fast zwei Drittel der Arbeitsuchenden aus Linz und Urfahr-Umgebung innerhalb von 3 Monaten eine neue Beschäftigung gefunden haben. Wobei man auch hier festhalten muss: Das ist der geringste Anteil aller oberösterreichischen Bezirke.

Auch Linzer Beschäftigte nehmen weite Arbeits­wege auf sich

Linz ist – wie man den täglichen Meldungen über verstopfte Einfahrtsstraßen entnehmen kann – eine klassische Einpendlerstadt, bietet aber auch einem großen Teil der in der Landeshauptstadt lebenden Menschen einen Arbeitsplatz. 2 Drittel der unselbständig Beschäftigten aus Linz haben ihren Job in der Heimatstadt. Das ist der mit Abstand höchste Anteil an „Nicht-Pendlern“, heißt aber umgekehrt auch: Immerhin ein Drittel muss auspendeln, um zur Arbeit zu gelangen – Tendenz leicht steigend.



Von jenen Beschäftigten, die aus Linz auspendeln müssen, legen viele weite Wegstrecken zurück, um in die Arbeit und wieder nach Hause zu kommen. Ein Fünftel der Beschäftigten aus Linz pendelt jeden Tag mehr als 40 Kilometer und knapp 9 Prozent fahren sogar mehr als 100 Kilometer zu ihrem Arbeitsplatz und zurück nach Hause. So pendeln etwa rund 4.000 Linzer/-innen nach Wien. Für sie und alle anderen Berufspendler/-innen kostet die berufliche Mobilität viel Geld und wertvolle Zeit.

Linzer Beschäftigten sind produktiv

Im vergangenen Jahr ist es der Arbeiterkammer gelungen, die veröffentlichten Jahresabschlüsse beinahe aller oberösterreichischen Mittel- und Großbetriebe (mit Ausnahme von Banken, Versicherungen und Non-Profit-Unternehmen) mit mehr als 49 Beschäftigten zu analysieren. In Linz sind das 169 Unterneh-men mit rund 60.000 Beschäftigten. 



Was sie im Bilanzjahr 2017 vollbracht haben, kann sich sehen lassen: Die Pro-Kopf-Wertschöpfung (also jener Betrag, der pro Kopf erwirtschaftet wird) lag bei mehr als 96.000 Euro. Zieht man davon die durchschnittlichen Personal-kosten ab, bleiben den Unternehmen jährlich immer noch rund 30.000 Euro pro Mitarbeiterin und Mitarbeiter.

Beschäftigte sind er­finderisch

Aber die Beschäftigten sind nicht nur produktiv, sondern auch innovativ und erfinderisch. Sei es direkt bei der Arbeit, wo viele Beschäftigte mit ihren Erfahrungen und ihrem Wissen aus dem täglichen Arbeitsprozess neue Ideen entwickeln, sei es im Hochschulsektor oder in den Forschungsabteilungen der Betriebe. Im vergangenen Jahr wurden beim Österreichischen Patentamt rund 2.400 Erfindungen aus ganz Österreich angemeldet, weltweit sogar mehr als 11.000 aus Österreich stammende Patente. Im Bundesländervergleich liegt Oberösterreich hier traditionell auf Platz 1. In der Stadt Linz wurden im Vorjahr 73 Erfindungen angemeldet.

Es sind aber nicht nur diese Spitzenleistungen, die unsere Arbeitnehmer/-innen zu den wahren Leistungsträgern der Gesellschaft machen. Es ist auch ihr täglicher Arbeitseinsatz, ihre Bereitschaft zur Mehrleistung, wenn es der Arbeitsaufwand erfordert, ihre Bereitschaft zur (beruflichen) Weiterbildung, ihr ehrenamtliches Engagement, ihr familiärer Einsatz in der Kinderbetreuung und Altenpflege.

Nur 2 Zahlen dazu: Mehr als eine Milliarde beruflicher Arbeitsstunden werden laut Statistik Austria jährlich in Oberösterreich geleistet, davon sind knapp 39 Millionen Überstunden beziehungsweise Mehrarbeitsstunden – diese Daten können allerdings nicht nach Bezirken aufgeschlüsselt werden.  

Einkommen leicht über­durch­schnittlich

Der wirtschaftliche Aufschwung ist auf den Gehaltskonten vieler Beschäftigter bislang nicht zu verspüren. Denn selbst in der wirtschaftlich so starken Landeshauptstadt Linz bekommen viele Arbeitnehmer/-innen für ihre herausragenden Leistungen nach wie vor keine gerechte Gegenleistung ausbezahlt. Vor allem Frauen und insbesondere Arbeiterinnen müssen (unter anderem aufgrund von Teilzeitbeschäftigung) mit niedrigen Einkommen auskommen.


Am besten steigen die männlichen Angestellten mit mittleren Bruttogehältern von 3.650 Euro aus. Die weiblichen Angestellten landen im oberösterreichischen Bezirksvergleich mit 2.022 auf dem ersten Platz. Arbeiterinnen hingegen bekommen in der Landeshauptstadt nur mittlere Einkommen von 1.382 Euro brutto (!) pro Monat.

Quer über alle Beschäftigungsformen, Branchen und Berufe hinweg bekom-men die Beschäftigten in Linz mittlere Löhne und Gehälter in Höhe von 2.369 Euro monatlich – um 0,8 Prozent oder mehr als 19 Euro mehr als im Oberösterreich-Median. Damit belegt Linz den vierten Rang unter den 18 oberösterreichischen Bezirken.

Die Beschäftigten sind größte Steuer­zahler

Die oberösterreichischen Beschäftigten sind nicht nur an ihren Arbeitsplätzen die wichtigsten Leistungsträger/-innen – sie finanzieren auch zum größten Teil den Staat und das Gemeinwesen.

Fast 7 Milliarden Euro haben sie im Jahr 2017 an Lohnsteuer und Sozialversicherungsbeiträgen geleistet. Berücksichtigt man auch die Konsumsteuern, tragen die Beschäftigten in unserem Bundesland wesentlich mehr zur Finanzierung der staatlichen Leistungen bei, als die Gewinnsteuern aller Unternehmen in ganz Österreich ausmachen.

Die etwas mehr als 103.000 in der Stadt Linz wohnenden Beschäftigten (einschließlich der öffentlich Bediensteten und Beamten/-innen) haben im Jahr 2017 insgesamt rund 960 Millionen Euro Lohnsteuer und Sozialversicherungsbeiträge (die sogenannten Arbeitnehmerbeiträge) gezahlt. Das sind rund 9.300 Euro pro Arbeitnehmerin und Arbeitnehmer.

Fazit und Forderungen

Die Linzer Beschäftigten sind die mit Abstand wichtigsten Leistungsträger/-innen in der Landeshauptstadt. Dafür haben sie es verdient, anständig behandelt zu werden. Aber die Realität spricht oft eine andere Sprache: Arbeitsrechtsverstöße, Kündigungen im Krankenstand, unbezahlte Überstunden, Arbeiten auf Abruf, um nur einige Respektlosigkeiten zu nennen. Wo immer es geht, verhilft die Arbeiterkammer ihren Mitgliedern zu mehr Gerechtigkeit.

Den mobilen, flexiblen, produktiven, innovativen und fleißigen Beschäftigten haben es die Unternehmen zu verdanken, dass sie gut verdienen. Österreichweit ist die Produktivität in den vergangenen 20 Jahren doppelt so stark gestiegen wie die von den Unternehmen bezahlten Arbeitskosten. Das heißt: Die Früchte der Arbeit sind sehr ungleich verteilt, weil die Eigentümer/-innen der Unternehmen überproportional von den Leistungen der Beschäftigten profitieren.

Angriffe auf den Sozialstaat, wie sie in regelmäßigen Abständen von neoliberalen Unternehmensvertretern/-innen und konservativen Politikern/-innen vorgetragen werden, sind nicht akzeptabel. Denn die Beschäftigten zahlen sich mit ihrer Steuerleistung die Absicherung bei Krankheit, Arbeitslosigkeit oder in der Pension ohnehin selbst. Sie zahlen auch die Kindergärten, die Pflegeheime, die staatlichen Museen – alles Einrichtungen, die nicht nur von den Beschäftigten genutzt, aber vorwiegend von ihnen finanziert werden.

Die AK fordert daher: 

  • kräftige Lohn- und Gehaltserhöhungen auf Basis der hohen Produktivität sowie eine Anhebung der KV-Löhne und Gehälter auf mindestens 1.700 Euro,
     
  • die Rücknahme der gesetzlichen Arbeitszeitverlängerung, die Kürzung der Normalarbeitszeit auf 35 Stunden, ein Recht auf die 4-Tage-Woche und die sechste Urlaubswoche nach 25 Arbeitsjahren für alle. Unternehmen sollen für jede Überstunde im Betrieb einen Euro Überstundenabgabe zahlen;
     
  • die Senkung der Lohnsteuer, einen steuerlichen Wohnbonus und eine Millionärssteuer,

  • sowie die Umwandlung der Pendlerpauschale in eine kilometerabhängige Direktzahlung.  
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