11.01.2021

Petition der Gemeinde St. Agatha bestätigt, was die AK schon lange fordert: Qualitativer Aus­bau der Kinderbetreuung dringend nötig

„Die Petition der ÖVP-dominierten Gemeinde St. Agatha an das Land Oberösterreich zur Verbesserung der Kinderbetreuung kann ich nur begrüßen. Denn unsere regelmäßige Kritik, dass Oberösterreich im Bundesländervergleich sehr schlechte Kinder­betreuungsangebote hat, wird ja vom Land Oberösterreich immer wieder als politische Polemik abgetan“, sagt AK-Präsident Dr. Johann Kalliauer zu Medienberichten vom Wochenende. Er fordert daher erneut einen qualitätsvollen Ausbau der Kinderbetreuung. Faktum ist, dass Oberösterreich bei der vollzeittauglichen Kinderbetreuung 2 unrühmliche Plätze einnimmt: bei den Unter-Dreijährigen den letzten Rang unter allen Bundesländern und bei den Drei- bis- Sechsjährigen den vorletzten Platz.

Kinderbetreuung endlich verbessern

Schon seit vielen Jahren fordert die Arbeiterkammer Oberösterreich Verbesserungen bei der Kinderbetreuung, die den Ansprüchen der Eltern gerecht werden. Denn die Arbeitsverhältnisse der Mütter und Väter werden immer flexibler, die Betreuungszeiten der Einrichtungen halten mit dieser Entwicklung nicht Schritt.

Laut Kindertagesheimstatistik 2019/20 sind in Oberösterreich gerade einmal 4,4 Prozent der Kinder unter 3 Jahren und 23,9 Prozent der Drei- bis Sechsjährigen in vollzeitauglicher institutioneller Kinderbetreuung. „Oberösterreich gibt bei den Unter-Dreijährigen die rote Laterne nicht aus der Hand. Auf dem vorletzten Platz liegt die Steiermark mit 7,9 Prozent, das sind fast doppelt so viele Plätze. Der Österreichschnitt beträgt sogar 16,6 Prozent“, erklärt AK-Präsident Dr. Kalliauer.

Bei den Drei- bis Sechsjährigen liegt das Bundesland Oberösterreich mit 23,9 Prozent auf dem vorletzten Platz. Nur Niederösterreich hat mit 21,4 Prozent einen noch schlechteren Wert. „Der Österreichschnitt ist mit 43,6 Prozent fast doppelt so hoch wie in unserem Bundesland“, so Kalliauer.

Eltern werden im Stich gelassen

Beruf und Familie sind schwer vereinbar, der Spagat bei der Kinderbetreuung ist kaum zu bewältigen, nach wie vor hapert es beim Ausbau der Kinderbetreuungs­einrichtungen. „Geradezu grotesk ist das Faktum, dass das Angebot an vollzeittauglichen Kinderbetreuungsplätzen für Kinder unter drei Jahren nicht gestiegen, sondern sogar zurückgegangen ist. Angesichts des gesetzlichen 12-Stunden-Tages und der zunehmend verlangten Flexibilität, ist das ein Schlag ins Gesicht aller berufstätigen Mütter und Väter“, ist Kalliauer verärgert.

Wo geht das Geld hin?

Dabei wäre das Geld für den Ausbau durchaus vorhanden: Mit einer sogenannten 15a-Vereinbarung stellte der Bund etwa im Jahr 2018/19 bundesweit 125 Millionen Euro zur Verfügung, für Oberösterreich waren das 21,9 Millionen Euro. „Die zuständige Landesrätin Christine Haberlander muss sich schon die Frage bezüglich der Treffsicherheit und Sinnhaftigkeit der Mittelverwendung gefallen lassen, wenn zwar viel Geld in die Hand genommen wird, aber die Zahl der Betreuungsplätze nicht steigt, sondern sogar zurückgeht.“

Es fehlt der Überblick

Bestätigt wird die AK-Kritik übrigens auch vom Landesrechnungshof, der schon 2017 festgestellt hat, dass es in Oberösterreich und auch in den Gemeinden keinen Überblick über den aktuellen und künftigen Bedarf in der Kinderbetreuung gibt – aber trotzdem von den politischen Entscheidungsträgern/-innen laufend Investitions­entscheidungen getroffen werden.

Einmal mehr fordert die AK eine nachhaltige, finanzielle Sicherstellung für Kinderbetreuungseinrichtungen, gekoppelt mit einer zeitgerechten professionellen Bedarfs­erhebung, die verpflichtenden in allen oberösterreichischen Gemeinden durchgeführt wird. Wie gut liegt Ihre Gemeinde? Der Kinderbetreuungsatlas der Arbeiterkammer gibt Aufschluss!


Geradezu grotesk ist das Faktum, dass das Angebot an vollzeit­tauglichen Kinderbetreuungsplätzen für Kinder unter drei Jahren nicht gestiegen, sondern sogar zurück­gegangen ist.

DR. JOHANN KALLIAUER

AK-PRÄSIDENT

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Geradezu grotesk ist das Faktum, dass das Angebot an vollzeit­tauglichen Kinderbetreuungsplätzen für Kinder unter drei Jahren nicht gestiegen, sondern sogar zurück­gegangen ist.

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