30.11.2018

AK-Kinderbetreuungsatlas 2018: immer flexiblere Arbeitszeiten, doch der große Schub bei den Öffnungszeiten bleibt aus

Zuerst die Wiedereinführung der Nachmittagsgebühr im Kindergarten, dann der 12-Stunden-Tag: Beruf und Familie zu vereinbaren, wird eher schwerer als leichter. Der aktuelle Kinderbetreuungsatlas der Arbeiterkammer Oberösterreich zeigt zwar wieder punktuelle Verbesserungen, doch der große Schub lässt auf sich warten.

Nur 88 von 440 oberösterreichischen Gemeinden bieten vollzeitkompatible Betreuung im Kindergarten - im Vorjahr waren es 85. „Von Seiten des Landes hören wir immer, das Angebot sei bedarfsgerecht. Angesichts dieser mageren Fortschritte und angesichts der Ergebnisse unserer großen Elternbefragung sind diese Beteuerungen eher unglaubwürdig“, sagt AK-Präsident Dr. Johann Kalliauer.

Fortschritt hinkt hinterher

Wie in den vergangenen 19 Jahren möchte die Arbeiterkammer Oberösterreich mit ihrem Kinderbetreuungsatlas auch heuer wieder die Situation in unserem Bundesland darstellen, die Angebote in den einzelnen Gemeinden für Eltern vergleichbar machen und dadurch auch Druck auf die Verantwortlichen ausüben, das Angebot zu verbessern. Tatsächlich gibt es immer wieder Verbesserungen, wie die Gegenüberstellung der Kinderbetreuungslandkarten 2000 und 2018 zeigt. Doch die Fortschritte halten mit den geänderten gesellschaftlichen Gegebenheiten nicht mit. 

Alleinerziehende und sozial Schwache betroffen

Den Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern wird immer mehr Flexibilität abverlangt, gleichzeitig wird die kostenfreie Nachmittagsbetreuung im Kindergarten abgeschafft, was zu Gruppenschließungen führt, weil viele Eltern ihre Kinder abmelden. „Das ist grotesk“, stellt AK-Präsident Kalliauer fest, „die Eltern müssen jetzt für eine soziale Dienstleistung zahlen, die durch die Einführung der Beiträge nicht besser, sondern sogar schlechter geworden ist.“ Betroffen sind vor allem Alleinerziehende und Jungfamilien mit geringem Einkommen.

In jeder dritten Gemeinde nur 8 Stunden geöffnet

Quer über ganz Oberösterreich ist das Angebot ausbaufähig: Nur jede fünfte Gemeinde bietet Betreuung, die den – in Anbetracht des 12-Stunden-Tages ohnehin eher milden – 1A-Kriterien entspricht. Diese sind: Kindergarten mindestens 45 Stunden wöchentlich geöffnet, an 4 Tagen pro Woche mindestens 9,5 Stunden geöffnet; Mittagessen zumindest von Montag bis Donnerstag; maximal 5 Wochen im Jahr geschlossen, außerdem Betreuung für Unter-Dreijährige und Nachmittagsbetreuung für Volksschulkinder.

In 38 Gemeinden (8,6 Prozent) gibt es kein Angebot für Unter-Dreijährige, in 31 Gemeinden (7,1 Prozent) keine Betreuung für Volksschulkinder. 28 Gemeinden (6,4 Prozent) bieten nicht einmal ein Essen im Kindergarten. Und in 139 Gemeinden (31,6 Prozent, also fast ein Drittel) hat der Kindergarten weniger als 8 Stunden geöffnet.

Statistik Austria mit ähnlichen Daten

Ein ähnliches Bild ergeben auch die Daten von Statistik Austria. Für lediglich 4,1 Prozent der Unter-Dreijährigen und 23,6 Prozent der Drei- bis Sechsjährigen gibt es einen Kinderbetreuungsplatz, der Vollzeitarbeit ermöglicht. Damit liegt unser Bundesland weit unter dem österreichischen Durchschnitt, bei den Unter-Dreijährigen sogar mit Abstand an letzter Stelle. Laut aktueller Kindertagesheimstatistik schließt rund jeder fünfte Kindergarten schon vor 14 Uhr seine Pforten.

Hinweis

  • Die Nachmittagsgebühren müssen wieder abgeschafft werden.
  • In allen Gemeinden müssen professionelle Bedarfserhebungen zu Öffnungszeiten, Mittagessen, Nachmittags- und Ferienbetreuung mit Einbindung der Eltern durchgeführt werden.
  • Es braucht jedenfalls eine Ausweitung der Öffnungszeiten.
  • Die Platzvergabe muss serviceorientiert und transparent erfolgen. Um den beruflichen Wiedereinstieg planen zu können, brauchen Eltern zeitgerecht Informationen, ob und wann sie mit einem Betreuungsplatz für ihr Kind rechnen können.
  • Die Gemeinden müssen beim Ausbau der institutionellen Kinderbetreuung finanziell besser unterstützt werden.
  • Notwendig ist auch ein verpflichtendes zweites Kindergartenjahr ohne Kosten für die Eltern.
 

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Von Seiten des Landes hören wir immer, das Angebot sei bedarfsgerecht. Angesichts der mageren Fortschritte und angesichts der Ergebnisse unserer großen Elternbefragung sind diese Beteuerungen eher unglaubwürdig.

Dr. Johann kalliauer

AK-Präsident

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