11.07.2019

AK kritisiert Rück­schritt in der Kinder­betreu­ung: Öffnungs­zeiten werden in den Sommer­ferien wieder kürzer 

Eltern, die ihre Kinder in einer Betreuungseinrichtung haben, sind mit der Qualität der Betreuung und der Arbeit der Pädagogen/-innen zufrieden. „Schwierigkeiten bereiten ihnen allerdings die Rahmenbedingungen, insbesondere die eingeschränkten Öffnungszeiten“, so AK-Präsident Dr. Johann Kalliauer. Vor allem viele Schließtage stellen Eltern oft vor große Betreuungsprobleme. 

Oma und Opa müssen ein­springen

Insbesondere berufstätige Eltern kommen angesichts der langen Sommerferien ordentlich ins Schwitzen. Viele Krabbelstuben, Kindergärten und Horte schließen im Sommer mehrere Wochen ihre Pforten, Eltern müssen daher Betreuungsalternativen suchen. Aber auch dort, wo eine Sommerbetreuung angeboten wird, kommt es häufig vor, dass berufstätige Eltern mit verkürzten Öffnungszeiten konfrontiert sind. Dann müssen Oma, Opa, Tante, Onkel, Freunde/-innen, Nachbarn/-innen einspringen. " Da können die politischen Entscheidungsträger nicht so tun, als ob bei der Ferienbetreuung alles im grünen Bereich sei und einfach zur Tagesordnung übergehen“, sagt AK-Präsident Dr. Johann Kalliauer. 

Schließtage bringen El­tern unter Druck

Laut der Kindertagesheimstatistik 2018/19 der Statistik Austria haben die Kindertagesheime in Oberösterreich durchschnittlich 27,8 Tage geschlossen (Österreich: 21,8 Tage).

Die meisten Schließtage gibt es mit 31,8 Tagen oder mehr als 6 Wochen bei den Horten (Österreich: 24,7 Tage), die Kindergärten folgen mit 29,1 Tagen (Österreich: 26,9 Tage).

Mit 22,6 Tagen über das ganze Jahr verteilt haben in Oberösterreich auch die Krabbelstuben überdurchschnittlich lange geschlossen, nämlich fast 7 Tage länger als im österreichischen Durchschnitt (16,0 Tage).

Im Vorjahresvergleich ist der Zeitraum, in dem die Einrichtungen geschlossen sind, sogar länger geworden. Zu viele Schließtage und weniger vollzeittaugliche Betreuungsplätze bei nur 5 Wochen Urlaub - wie soll sich da qualitätsvolle Kinderbetreuung ausgehen? Von dieser Entwicklung sind Alleinerzieher/-innen - zumeist Frauen - besonders negativ betroffen. 

„Rote Laterne“ für Ober­österreich

Während die Arbeitnehmer/-innen an ihren Arbeitsplätzen ein hohes Maß an Flexibilität beweisen müssen, geht der Ausbau der vollzeittauglichen Kinderbetreuungsplätze in unserem Bundesland kaum voran. 

Lediglich 4,6 Prozent der Unter-Dreijährigen werden in einer Einrichtung betreut, die den Eltern Vollzeitarbeit ermöglicht. Damit rangiert Oberösterreich im Bundesländervergleich mit großem Abstand auf dem letzten Platz (das Burgenland ist Vorletzter mit 7,1 Prozent).

Der Unterschied zum Bundesdurchschnitt beträgt sogar ganze 11,5 Prozentpunkte (!). Bei den Drei- bis Sechsjährigen geht es überhaupt in die Gegenrichtung. 2018/19 besuchen nur mehr 22,2 Prozent von ihnen Einrichtungen, durch die Eltern eine Vollzeitarbeit ausüben können - das entspricht einem Rückgang gegenüber dem Vorjahr um 1,4 Prozentpunkte. „Das ist für ein Industriebundesland wie Oberösterreich eine Schande“, stellt Kalliauer klar.

Haberlander soll Ver­besser­ungen umsetzen

„Warum die zuständige Landesrätin immer wieder behauptet, dass die Kinderbetreuung in Oberösterreich gut ausgebaut sei, kann ich nicht nachvollziehen“, so der AK-Präsident. Neben dem ohnehin schleppenden Ausbau, hat die Einführung der Elternbeiträge in der Nachmittagsbetreuung die Entwicklung in die verkehrte Richtung beschleunigt und die Situation für berufstätige Eltern noch einmal schwerer gemacht. „Ich fordere Landesrätin Haberlander auf, die Elternbeiträge zurückzunehmen und die Kinderbetreuung tatsächlich und vor allem den flexiblen Arbeitszeiten der Eltern entsprechend qualitätsvoll auszubauen“, sagt der AK-Präsident.     

"Ich fordere Landes­rätin Haber­lander auf, die Eltern­bei­träge zurück­zu­nehmen und die Kinder­betreu­ung tat­sächlich und vor allem den flex­iblen Arbeits­zeiten der Eltern ent­sprech­end quali­täts­voll aus­zu­bauen!" 

Dr. Johann Kalliauer

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