14.10.2019

Betreuung für Kinder bis 14 Jahre: Ober­österreich macht es seinen Familien schwer

Die AK Oberösterreich hat die Betreuungsangebote für Kinder bis 14 Jahre analysiert. Das Ergebnis ist ernüchternd: Das Angebot geht an der Lebensrealität vieler Österreicherinnen und Österreicher vorbei. In manchen Gemeinden reicht es nicht einmal für einen 8-Stunden-Arbeitstag. Viele Familien, in denen beide Eltern berufstätig sind, gehen täglich an ihre Grenzen. Oberösterreich gehört zu jenen Bundesländern mit dem größten Aufholbedarf in Sachen Kinderbetreuung. AK-Präsident Dr. Johann Kalliauer: „Es ist höchste Zeit, diese Defizite endlich auszugleichen!“  

Beschäftigte flex­ibel, Kinder­betreuung nicht

12-Stunden-Arbeitstage, 60-Stunden-Wochen, höhere Mobilität. Unternehmen verlangen von ihren Beschäftigten maximale Flexibilität. „Wie die Betroffenen das mit ihrem Familienleben und der Betreuung ihrer Kinder vereinbaren sollen, bleibt offen“, kritisiert AK-Präsident Dr. Johann Kalliauer. 

  • Denn in ganz Oberösterreich haben nur 5 von 1.247 Kinderbetreuungseinrichtungen mehr als 12 Stunden am Tag geöffnet. 

  • Selbst ein Normalarbeitstag ist mit den aktuellen Öffnungszeiten der Einrichtungen kaum zu schaffen: Mehr als die Hälfte der Kindertagesheime in Oberösterreich haben weniger als 8 Stunden geöffnet. Bundesweit sind es 29 Prozent.

  • Und 6 von 10 Krabbelstuben, Kindergärten und Horten schließen in Oberösterreich noch vor 16 Uhr. Im Bundesschnitt sind es nur 3 von 10 Einrichtungen.  

Schließtag! Und wo­hin mit dem Kind?

Dazu kommen noch die Schließtage, die die Vereinbarkeit von Familie und Beruf erschweren: In Oberösterreich haben die Kindertagesheime durchschnittlich 27,8 Tage geschlossen. Österreichweit sind es 21,8 Tage. Die meisten Schließtage gibt es mit 31,8 – also mehr als 6 (Arbeits-)Wochen - bei den Horten in Oberösterreich. Bundesweit sind es hier nur 24,7 Tage. Auch die Krabbelstuben und Kindergärten haben hierzulande verhältnismäßig lange geschlossen: Bei den Krabbelstuben sind es 22,6 Tage, das sind um fast 7 Tage mehr als der österreichische Durchschnitt.  

Oberösterreich ist Vor­letzter

Auch bei der Anzahl der Betreuungsplätze für Kleinkinder unter 3 Jahren rangiert Oberösterreich im Bundesländervergleich auf dem vorletzten Platz. Für nur 16,5 Prozent aller Unter-Dreijährigen gibt es überhaupt einen Platz in einer Krabbelstube. Bei den Drei- bis Fünfjährigen sieht es nicht besser aus. Für den Großteil von ihnen gibt es zwar einen Kindergartenplatz - nur ein Fünftel davon ist allerdings so gestaltet, dass beide Elternteile eine Vollzeitbeschäftigung ausüben können.  

Ist Mittelmaß unser Ziel?

Etwa jedes zehnte Schulkind von 6 bis 14 Jahren hat im Hort oder einer altersgemischten Kindergartengruppe einen Platz. Gemeinsam mit der schulischen Nachmittagsbetreuung liegt Oberösterreich mit rund 27 Prozent Betreuungsquote hier zumindest im österreichischen Mittelfeld. Allerdings: Die Bedürfnisse und Anforderungen an Betreuung verändern sich. Die Unterstützung beim Lernen rückt stärker in den Mittelpunkt. Ganztägige Schulformen, bei denen Unterricht, Freizeit und Förderung über den Tag verteilt abwechselnd stattfinden, würden berufstätigen Eltern helfen. Der Ausbau solcher Schulen stagniert aber seit Jahren. 

Wahlfreiheit für Eltern

Die AK fordert unter anderem einen Rechtsanspruch auf einen Platz in einer Betreuungseinrichtung ab dem zweiten Lebensjahr, den raschen Ausbau der Kinderbetreuungsangebote, vor allem bei den Unter-Dreijährigen, die Rücknahme der Elternbeiträge für die Nachmittagsbetreuung ab dem 30. Lebensmonat und mehr echte Ganztagsschulen für 6- bis 14-Jährige. Kalliauer: „Eltern sollen wählen können, ob und in welchem Umfang sie ihr Kind betreuen lassen. Ohne ein ausreichendes und qualitätsvolles Angebot wird es diese Wahlfreiheit aber nicht geben.“     

"Eltern sollen wählen können, ob und in welchem Um­fang sie ihr Kind be­treuen lassen. Ohne ein aus­reich­endes und quali­täts­volles An­gebot wird es diese Wahl­frei­heit aber nicht geben."

Dr. Johann Kalliauer 

AK-Präsident

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"Eltern sollen wählen können, ob und in welchem Um­fang sie ihr Kind be­treuen lassen. Ohne ein aus­reich­endes und quali­täts­volles An­gebot wird es diese Wahl­frei­heit aber nicht geben."

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