13.12.2018

AK-Präsident Kalliauer: „Es ist höchste Zeit für eine gerechte Schulfinanzierung!“

Ob ein Schulkind in Österreich im Unterricht gut mitkommt oder nicht, hängt maßgeblich vom Bildungsabschluss seiner Eltern ab. In der Schule ist oft nicht genügend Zeit, um zu wiederholen, individuell zu fördern und den Lernstoff zu festigen – deswegen sind Schülerinnen und Schüler auf die Unterstützung der Eltern oder auf private Nachhilfe angewiesen. „Das ist ungerecht und hier geht viel Potential verloren“, sagt AK-Präsident Dr. Johann Kalliauer. Er sieht in der soeben beschlossenen Schulreform eine Zuspitzung des Problems und fordert einen Ausbau des Förderunterrichts sowie eine gerechtere Schulfinanzierung nach einem von der AK entwickelten Chancenindex.

Ein Beispiel: Rebecca ist 8 Jahre alt und besucht eine Volksschule in einem kleinen Ort, die meisten Mitschüler/-innen kommen ebenfalls aus dieser Gegend. Die Klasse ist relativ klein und die Lehrerin hat daher viel Zeit, sich mit jedem einzelnen Kind genauer zu beschäftigen. Der Unterricht kann unter diesen Bedingungen sehr individuell gestaltet werden. Alle Schüler/-innen werden dort abgeholt, wo sie stehen. Sie haben trotz unterschiedlicher persönlicher Voraussetzungen etwa gleiche Lern- und Bildungschancen.

Schulen besser finanzieren

Das ist nicht an jeder Schule so: Es gibt Schulen, die viel größer sind, wo die Klassen wesentlich größer und sehr bunt zusammengesetzt sind. Die Kinder kommen aus unterschiedlichen Elternhäusern, haben unterschiedliche Muttersprachen, bringen unterschiedlichste Lernvoraussetzungen mit. Es ist für die Lehrer/-innen nicht einfach, hier halbwegs gleiche Chancen herzustellen, damit alle Kinder möglichst gut unterrichtet werden können. Diese Schulen benötigen mehr Mittel als Schulen, wo die Rahmenbedingungen einfacher sind.

Der Chancenindex

Die AK hat ein Modell für eine transparente und bedarfsorientierte Schulfinanzierung entwickelt, das den Förderbedarf der Kinder an der jeweiligen Schule zeigt: den Chancenindex. Damit könne die Geldmittelzuteilung an Schulen gerechter erfolgen. Dieser sieht vor, dass Schulen mit erschwerten Ausgangsbedingungen zusätzliche Ressourcen erhalten, damit sie ihre Herausforderungen besser bewältigen können und die Kinder auch dort so gute Bedingungen vorfinden wie Rebecca im obigen Beispiel.

Laut einer Analyse von Statistik Austria im Auftrag der Arbeiterkammer gibt es auch in Oberösterreich eine Reihe von Schulen mit erhöhten Indexwerten: Schulen, die deutlich mehr Ressourcen benötigen würden, um allen Kindern halbwegs gleiche Bildungschancen zu bieten. Besonders stark betroffen sind Schulen in städtischen Regionen.

Chancengleichheit für alle

Eltern, die es sich leisten können, greifen für den Schulerfolg ihrer Kinder oft tief in die Tasche. In Oberösterreich erhält rund jedes fünfte Kind Privatnachhilfe. Diese trägt allerdings zur Erhöhung der Bildungsungleichheit bei, weil sich viele Familien die teure Nachhilfe nicht leisten können – wie Langzeitstudien der Arbeiterkammer zum Thema Nachhilfe schon seit Jahren aufzeigen. Eine massive Ungerechtigkeit, die AK-Präsident Dr. Johann Kalliauer scharf kritisiert: „Jedes Kind in Österreich soll die gleichen Chancen in der Schule haben – egal, wie arm oder reich, gut oder weniger gut ausgebildet die Eltern sind!“

Schulsystem muss fair werden

Auch das aktuell verabschiedete Pädagogik-Paket der Bundesregierung trägt nicht zum Abbau ungleicher Bildungschancen bei – im Gegenteil: Die Wiedereinführung von Leistungsgruppen, frühe Klassenwiederholung und die Einführung von Ziffernnoten ab der zweiten Schulstufe setzen mehr auf Selektion als auf Integration und Förderung. 

„Es ist höchste Zeit, für mehr Gerechtigkeit bei der Verteilung von Bildungschancen zu sorgen“, plädiert AK-Präsident Johann Kalliauer für eine möglichst rasche Einführung der Schulfinanzierung nach Chancenindex.

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„Es ist höchste Zeit, für mehr Gerechtigkeit bei der Verteilung von Bildungschancen zu sorgen.“

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