18.11.2019

Jugend­netzwerk­tagung der AK Ober­österreich: Potenziale und Begabungen Jugendlicher zu fördern, ist Aufgabe der Gesell­schaft

Unter dem Veranstaltungstitel „Ich seh‘, ich seh‘, was du nicht siehst…“ widmeten sich rund 250 Teilnehmer/-innen der Jugendnetzwerktagung in der AK Linz der Frage, wie insbesondere Jugendliche aus bildungsfernen und einkommensschwachen Familien gefördert werden können. AK-Direktor Dr. Josef Moser, MBA betonte die Bedeutung der Frühförderung und des Zugangs zu Förderangeboten für alle Kinder und Jugendlichen. Der Schweizer Pädagoge und Naturwissenschaftler Prof. Dr. Willi Stadelmann erwähnte in seinem Referat die Wichtigkeit des sozialen Umfelds und Ali Mahlodji, Autor, Jugendbotschafter und Gründer der Berufsorientierungsplattform „whatchado“, sprach von einem enormen Verlust für die gesamte Gesellschaft, würden Talente von Jugendlichen verborgen bleiben und nicht ausgeschöpft werden. 

Bildung wird vererbt

Der Grad der Bildung wird in Österreich innerhalb einer Familie nach wie vor weitergegeben. Meist erreichen Jugendliche und junge Erwachsene keinen höheren Bildungsabschluss als ihre Eltern. „Eine Grundforderung der AK ist es, dass alle Kinder und Jugendlichen die gleichen Chancen bekommen – unabhängig von ihrer Herkunft, vom Bildungsgrad und Einkommen der Eltern“, sagte AK-Direktor Dr. Josef Moser, MBA in seiner Begrüßungsrede. Zudem kritisierte er, dass Förderung von Talenten und Potenzialen nach wie vor Privatsache sei und betonte, dass dies eigentlich Aufgabe der gesamten Gesellschaft und eines qualitativen Bildungssystems sei.

Jugendliche müssen gefördert werden

Generell sei das Thema Förderung das A und O, meinte auch der Schweizer Naturwissenschaftler, Pädagoge und wissenschaftliche Beirat des Österreichischen Zentrums für Begabtenförderung und Begabungsforschung, Prof. Dr. Willi Stadelmann. Es gebe keine Gene, die Begabungen und Talente vorschreiben und die Entwicklung der Menschen steuern würden. „Werden Talente entdeckt, können sie sich nur entwickeln, wenn sie gezielt gefördert werden, ansonsten gehen sie verloren. Lernen funktioniert nur durch soziale Interaktion mit anderen, von alleine kann nichts gelernt werden“, sagte er. Die Entwicklung von Kindern und Jugendlichen hinge maßgeblich von der sozialen Umwelt und der Förderung durch Mitmenschen von Geburt an ab. Bildschirme beziehungsweise elektronische Medien könnten diesen sozialen Prozess des frühen Lernens nicht ersetzen. Spielen, Sprechen, Singen und sich mit Kindern in der Natur aufhalten, seien die besten Förderer. Es gehe darum, möglichst alle Sinne auszubilden.

Ali Mahlodji, Autor, EU-Jugendbotschafter und Gründer der Plattform „whatchado“, berichtete aus eigener Erfahrung: „Mein eigener Lebensweg war sehr turbulent und von Höhen und Tiefen geprägt. Ich selbst hatte niemanden, der an mich glaubte und mich förderte. Wichtig ist, dass man als Vorbild Jugendlichen auf Augenhöhe und mit Würde begegnet. Demotivierte Jugendliche gibt es genügend. Sie müssen gefördert werden, sonst entgeht der gesamten Gesellschaft ein enormer Anteil an Potential“, sagte er. 

Jedes Kind verdient eine Chance

Wichtig aus Sicht der AK ist eine echte Ganztagsschule, bei der Unterricht, Kreativ- und Bewegungsstunden sowie Förderunterricht einander abwechseln. Es soll ein Recht auf Förderunterricht geben, denn viele Familien könnten sich den Nachhilfeunterricht nicht leisten. Dazu ist laut Chancen-Index der AK eine bedarfsgerechte Schulfinanzierung notwendig, bei der jene Schulen mehr Ressourcen bekommen sollen, an denen es besonders viele Schüler/-innen mit erhöhtem Förderbedarf gibt. Der AK-Direktor betonte, dass die Förderung von Potenzialen und Talenten bereits im Kindergartenalter stattfinden müsse. „Nur wenn Kinder und Jugendliche genau wissen, was sie gut können, werden sie ihre Begabungen später im Berufsleben nutzen können“, so Moser.

Schwächere Jugendliche mehr fördern

Zudem müssten weiterführende Schulen verstärkt in die Verantwortung für die Vermeidung von Drop-out („Ausfall“ von Jugendlichen aus dem Ausbildungssystem ohne positiven Abschluss) genommen werden. Lehrbetriebe sollten in der Berufsausbildung hohe Qualitätsansprüche erfüllen, sich mit den Berufsschulen bestmöglich für die Lehrlinge einsetzen und die Rahmenbedingungen so gestalten, damit Jugendliche einen vollwertigen Berufsabschluss machen können. Lehrlinge mit Förderbedarf werden im Rahmen der Berufsausbildungsassistenz unterstützt. Berufsausbildungsassistenten/-innen sind Ansprechpartner/-innen für den Lehrling, den Betrieb und die Berufsschule und unterstützen die jungen Menschen dabei, ihre Lehre positiv zu absolvieren. „Dieses sinnvolle Unterstützungsangebot muss erweitert werden. Schwächere Jugendliche sollten generell bessere Chancen auf den Einstieg in die Berufsausbildung durch die Betriebe erfahren“, so Moser. Lehrausbildner/-innen müssten sich mehr Zeit für ihre Lehrlinge und die individuelle Förderung ihrer Talente und Potenziale nehmen. 

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Jugendnetzwerktagung Linz © Peter Christian Mayr, Permanent Moments
Jugendnetzwerktagung Linz © Peter Christian Mayr, Permanent Moments

Lernforscher und Naturwissenschaftler Prof. Dr. Willi Stadelmann, Jugendliche Martina Kronberger vom Verein Miteinander GmbH, Autor, EU-Jugendbotschafter und „whatchado“-Gründer Ali Mahlodji, Jugendlicher Tobias Höller vom Verein Miteinander GmbH und AK-Direktor Dr. Josef Moser, MBA.

Nähere Informationen zu den Jugendnetzwerken der AKOÖ finden Sie auf www.jugendnetzwerk-ooe.at.

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