04.02.2021

Nicht ohne die Arbeiter­kammer: Insolvenz-Rechts­schutz sicherte im Jahr 2020 46,4 Millionen Euro für Betroffene 

191 Betriebe mit 2.739 Beschäftigten schlitterten vergangenes Jahr in Oberösterreich in die Insolvenz. Die Arbeiterkammer hat die Betroffenen trotz der Corona-Pandemie von der ersten Stunde an beraten – in den Lockdown-Phasen vorwiegend telefonisch oder per Email. Außerdem wurde dafür gesorgt, dass die Arbeit­nehmer/-innen so schnell wie möglich zu ihrem Geld kommen. „Insgesamt hat unser Insolvenz-Rechtsschutz im Jahr 2020 den Betroffenen 46,4 Millionen Euro aus dem Insolvenz-Entgelt-Fonds gesichert“, sagt AK-Präsident Dr. Johann Kalliauer.

Die größten Pleiten 2020 waren: Kremsmüller Industrieanlagenbau KG mit 594 Beschäftigten, Kremsmüller Industrieservice KG (533 Beschäftigte), beide in Steinhaus bei Wels, und Wick Fenster & Sonnenschutz GmbH in Vorchdorf mit 318 Beschäftigten.

Weniger Insolvenzen im letzten Jahr

Es fällt auf, dass vergangenes Jahr im Vergleich zu 2019 eine viel geringere Anzahl kleinerer Betriebe insolvent geworden und die Zahl der Insolvenzen insgesamt um rund 40 Prozent zurückgegangen ist. Wegen der insolventen Groß­betriebe mit vielen Beschäftigten ist allerdings die Zahl der vertretenen Personen um fast ein Drittel gestiegen. Das AK-Insolvenz-Rechts­schutz-Team betreute im Jahr 2020 2.739 oberösterreichische Arbeitnehmer/-innen und 162 Beschäftigte aus Betrieben im Ausland oder anderen Bundesländern. Von Insolvenzen betroffen waren zu 75 Prozent Männer und zu 25 Prozent Frauen.

Folgende Branchen waren im vergangenen Jahr am häufigsten betroffen:

  • Metallbranche (717 Betroffene)
  • Arbeitskräfteüberlassung (701 Betroffene)
  • Holz- und Kunststoffverarbeitung (360 Betroffene)

Das spiegelt die 3 größten Betriebe (siehe oben) wieder. Aus der Perspektive der kleineren Insolvenzen (unter 20 Beschäftigte) waren folgende Branchen am meisten betroffen:

  • Gastgewerbe (41 Betroffene)
  • Bauwirtschaft (36 Betroffene)
  • Handel (28 Betroffene)

Vermögens­losig­keit bei 39 Betrieben

Von den 191 betreuten insolventen Betrieben waren bei 39 Firmen (betroffen waren 127 Beschäftigte) nicht einmal genügend Mittel vorhanden, um ein ordentliches Insolvenzverfahren durchführen zu können. In diesen Fällen wurde daher die Eröffnung eines Insolvenzverfahrens abgelehnt – wegen Vermögenslosigkeit.

Ober­österreichische Insolvenz­stiftung

Land Oberösterreich, Arbeitsmarktservice, Wirtschaftskammer und Arbeiterkammer arbeiten bei der Oberösterreichischen Zukunftsstiftung zusammen. Diese steht für 2 neue Arbeitsstiftungen für Menschen in Oberösterreich, die aufgrund der Corona-Krise ihren Arbeitsplatz verloren haben beziehungsweise verlieren:

  • die OÖ. Insolvenzstiftung und
  • die OÖ. Zielgruppen-Arbeitsstiftung

Während bisher im Einzelfall und nur für große Unternehmen eine Stiftung ins Leben gerufen wurde, gibt es diese beiden Stiftungen für alle arbeitslos gewordenen Personen in Klein- und Mittelbetrieben. „Die Insolvenzstiftung für alle muss auch nach Corona bestehen bleiben, um Arbeit und Beschäftigung in Oberösterreich zu sichern“, sagt der AK-Präsident.

„Corona-Härte­fonds“

Der Corona-Härtefonds hält 5 Millionen Euro für Arbeitnehmer/-innen in Not bereit. Eine Million steuert die Arbeiterkammer Oberösterreich bei, 4 Millionen das Land. Ansuchen sind ab 8. Februar möglich. Wer kann diese Hilfe in Anspruch nehmen? Unselbstständig Erwerbstätige, die wegen der Corona-Krise von Arbeitslosigkeit oder Kurzarbeit betroffen sind (frühestens seit Beginn der Pandemie, ab 16. März 2020). Einkommensverluste beziehungsweise Lohn-/Gehaltskürzungen aufgrund von Arbeitslosigkeit oder Kurzarbeit müssen in den Monaten Dezember 2020 und/oder Jänner 2021 vorliegen.


Insgesamt hat unser Insolvenz-Rechts­schutz im Jahr 2020 den Betroffenen 46,4 Millionen Euro aus dem Insolvenz-Entgelt-Fonds ge­sichert.

dr. johann kalliauer

AK-PRÄSIDENT

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