26.5.2021

AK-Präsident Kalliauer: „Brauchen dringend eine Qualitätsstrategie für den Wirtschafts- und Arbeits­standort (Ober-)Österreich“

Für eine erfolgreiche Entwicklung und Erholung des Wirtschafts- und Arbeits­standortes (Ober-)Österreich sind die Leistungen der Arbeit­nehmer/-innen und ein starker Sozialstaat zentral. „Der ökologische, digitale und demografische Wandel der Gesellschaft muss im Interesse der Beschäf­tigten gestaltet werden, damit der gemeinsam erarbeitete Wohlstand allen Menschen in diesem Land zu Gute kommt - und nicht nur einer kleinen Gruppe von Super­reichen“, sagt AK-Präsident Dr. Johann Kalliauer.

Für den Wiener Ökonomen Dr. Nikolaus Kowall können einzelwirtschaftliche Ziele wie Markt­anteils­gewinne nicht einfach auf eine ganze Volks­wirtschaft übertragen werden. „Mittel­ständische Industrie­betriebe aus Österreich punkten im internationalen Wettbewerb primär mit nichtpreislichen Faktoren“, so Kowall. Wirtschaftlicher Wohlstand gehe weit über die Rentabilität hinaus. Diese Diskussion sei mit dem Paradigmen­wechsel in der US-Wirtschafts­politik unter Präsident Biden wieder voll aktuell.

Für Kowall stehen 3 Punkte im Vordergrund:

1.         Strategische Interessen des Staates

Der Staat möchte in ausgewählten Branchen eine krisensichere Versorgung seiner Bevölkerung garantieren - etwa bei Lebensmitteln, bei der Energieversorgung, bei Pharmaprodukten oder bei Rüstungsgütern. Während Corona wurde Europa seine Verletzlichkeit vor Augen geführt, weil man etwa für medizinische Schutzausrüstungen auf Importe aus China und bei Penicillin auf Einfuhren aus Indien abhängig war.

2.         Politische Prioritäten wirtschaftlicher Entwicklung

Industriepolitik bedeutet: Investitionen ganz gezielt in Bereiche zu lenken, in denen der Staat eine Weiterentwicklung für angezeigt hält, der Markt es aber von selbst nicht tut. Im Fall von Bidens Programm handelt es sich etwa um die ökologische Umwandlung im Energiesektor sowie um eine Expansion in der Pflegebranche. Beispiel MAN in Steyr: In einer vernünftigen Welt würden die EU-Kommission sowie Bundes- und Landesregierung in enger Abstimmung mit Wissenschaft, Sozialpartnern, heimischen Industriellen und Branchenexperten eine Perspektive entwerfen, um das Werk zu einem innovativen Projekt im Bereich ökologischer Mobilität weiterzuentwickeln.

3.         Die politische Regulierung der Wirtschaft

Bei der Erzeugung von Schneeketten, Beschichtungen oder Aluminiumverpackungen gibt es weder strategische staatliche Interessen, noch eine aktuelle Notwendigkeit staatlicher Intervention zur Weiterentwicklung dieser Sektoren. Dennoch liegt es im Interesse der Demokratie, dass in diesen Branchen hohe Standards in Bezug auf Löhne, Steuermoral, ökologische Normen und Arbeitsbedingungen herrschen. Diese Standards werden durch die globale Standortkonkurrenz permanent nach unten nivelliert. Das zu unterbinden, wäre die Kernaufgabe einer EU, die den Wohlstand und die Lebensqualität der Durchschnitts-Bevölkerung an erste Stelle setzt.

Schlussfolgerungen und Forderungen

  • Es braucht eine Industriepolitik, die sich nicht nur an betriebswirtschaftlicher Arbeitskostenminimierung orientiert, sondern auch an sozialen, bildungspolitischen, ökonomischen und ökologischen Wohlstandsfaktoren. In die strategische Ausrichtung müssen alle wesentlichen Akteure/-innen eingebunden werden - vor allem die Arbeitnehmer/-innen und deren Interessensvertretung.

  • Zur Umsetzung standortpolitischer Ziele kann ein aktives, öffentliches Beteiligungsmanagement beitragen. 

  • In Hinblick auf die Klimaziele und die damit verbundene Transformation der Industrie braucht es regionale Strategiepläne für Industrieansiedelungen – mit dem Ziel, dass alle Interessensgruppen in einer Region profitieren.

  • Es braucht eine faire Verteilung auf allen Ebenen (Löhne, Steuern, Bildung). Jene Faktoren, die Österreich Wohlstand gebracht haben, müssen wieder mehr Aufmerksamkeit bekommen: ein aktiver Wohlfahrtsstaat für alle, eine gute soziale Absicherung, eine stabile Lohnentwicklung, Zusammenarbeit und Interessensausgleich.

  • Es braucht ein Lieferkettengesetz, das Konzerne verpflichtet, Verantwortung für die Bedingungen auch in Zulieferbetrieben zu übernehmen. So werden hohe Arbeits- und Umweltstandards im internationalen Handel verbindlich.

Der ökologische, digitale und demografische Wandel der Gesellschaft muss im Interesse der Beschäftigten gestaltet werden, damit der gemeinsam erarbeitete Wohlstand allen Menschen in diesem Land zu Gute kommt - und nicht nur einer kleinen Gruppe von Superreichen.

Dr. Johann Kalliauer

AK-Präsident

infos von der veranstaltung


Downloads

Kontakt

Kontakt

Redaktion
Volksgartenstraße 40, 4020 Linz
TEL: +43 50 6906 2180
E-MAIL: redaktion@akooe.at

Folgen Sie uns auf twitter
Liken Sie uns auf Facebook


Der ökologische, digitale und demografische Wandel der Gesellschaft muss im Interesse der Beschäftigten gestaltet werden, damit der gemeinsam erarbeitete Wohlstand allen Menschen in diesem Land zu Gute kommt - und nicht nur einer kleinen Gruppe von Superreichen.

Dr. Johann Kalliauer

AK-Präsident

  • © 2021 AK Oberösterreich | Volksgartenstrasse 40 4020 Linz, +43 50 6906 0

  • Datenschutz
  • Impressum