01.03.2021

Betriebsräte in der Corona-Krise: Kurzarbeit und Home-Office bleiben die größten He­rausforderungen

Das Institut für Sozialwissenschaften (ISW) hat Betriebsratsvorsitzende von fast 500 oberösterreichischen Unternehmen zu ihren Erfahrungen mit der Corona-Kurzarbeit und der Arbeit im Home-Office befragt. Auch die wirtschaftlichen Perspektiven ihrer Betriebe standen zur Debatte. „Wir müssen aus den Erfahrungen der Corona-Krise die richtigen Lehren ziehen und sie für die Zukunft der Arbeitswelt nutzen“, sagt AK-Präsident Dr. Johann Kalliauer. Denn Kurzarbeit und Home-Office sind und bleiben wohl die großen Herausforderungen in den nächsten Jahren.

Kurzarbeit gibt Beschäftigten Sicherheit

492 Betriebsratsvorsitzende haben sich an der umfassenden Befragung beteiligt. Aus den Ergebnissen lassen sich einige Schlussfolgerungen für den Umgang mit den Corona-Folgen im Arbeitsalltag ziehen. Die gute Botschaft zuerst: Zwei Drittel der Befragten sagen, dass der Großteil keine Angst hat, nach dem Auslaufen der Kurzarbeit gekündigt zu werden. Das zeigt, dass die Kurzarbeit den Beschäftigten eine gewisse Sicherheit in diesen unsicheren Zeiten gibt. Die Zustimmung variiert allerdings je nach den wirtschaftlichen Perspektiven des Betriebs. Denn Kurzarbeit schützt nicht immer vor Kündigungen.

Immerhin 22 Prozent der Befragten aus Kurzarbeitsbetrieben geben an, dass es seit Beginn der Corona-Krise zu betriebsbedingten Kündigungen gekommen sei. Auch dass Unternehmen das tatsächliche Arbeitsausmaß an die Kurz­arbeit anpassen, können nicht alle Betriebsräte/-innen bestätigen. Immerhin meinen 38 Prozent, dass Beschäftigte eher nicht bis gar nicht darauf vertrauen können, dass das Arbeitsvolumen an die reduzierte Arbeitszeit angepasst wird.

Home-Office: Unter­schiedliche Meinungen

Die langsame Rückkehr aus dem Home-Office ist bemerkbar. Der Anteil der Betriebe mit gar keinem oder nur einem geringen Anteil an Beschäftigten im Home-Office – höchstens 10 Prozent – ist Ende 2020 auf fast die Hälfte (47 Prozent) deutlich angewachsen. Im März traf dies nur auf etwa ein Drittel zu. In 12 Prozent der Betriebe sind jeweils mehr als 60 Prozent der Beschäftigten im Home-Office tätig – im März 2020 waren es noch 22 Prozent.

Die Betriebsratsvorsitzenden sehen Home-Office durchaus zwiespältig. 75 Prozent stellen fest, dass viele Beschäftigte über fehlende Kontakte zu ihren Kollegen/-innen klagen. Dass Grenzen zwischen Arbeits- und Privatleben verschwimmen ist ebenso eine der „Schattenseiten“ der Telearbeit wie der Mangel an geeigneten Arbeitsräumen sowie das Fehlen technischer Ausstattung wie Drucker und leistungs­fähiger Internetverbindungen.

Knapp zwei Drittel der Befragten sagen aber auch, dass viele Beschäftigte durch Home-Office Familie und Beruf besser vereinbaren können – wenn Kindergärten und Horte mit entsprechenden Öffnungszeiten sowie kurze Distanzen zur Wohnung eine Vollzeitbeschäftigung ermöglichen. Die mit Abstand stärkste Zustimmung (87 Prozent) findet die Erleichterung des Alltags durch den Wegfall des Arbeitsweges. „Betriebsratsvorsitzende sehen beim Home-Office Chancen und Gefahren. Umso dringlicher ist ein gemeinsames Festlegen durch eine Betriebs­vereinbarung“, so AK-Präsident Kalliauer.

Richtige Schluss­folgerungen ziehen

Für den Umgang mit den Corona-Folgen im Arbeitsalltag gelte es, die richtigen Schlüsse zu ziehen. Hinsichtlich Kurzarbeit heißt das, frühzeitig klare und für alle nachvollziehbare Bestimmungen, wie zum Beispiel Entgeltberechnung, Urlaubsverbrauch oder rückwirkende Antragstellung zu erlassen, aber auch die Erfahrungen für kürzere Vollzeit zu nutzen. Beim Home-Office muss es die richtigen Maßnahmen zur Grenzziehung zwischen Arbeits- und Privatleben geben, zum Beispiel durch fixe Verbindungs- und Trennungszeiten zum Server. Zudem muss das Kinderbetreuungsangebot ausgebaut werden, damit Home-Office für Eltern mit Betreuungspflichten nicht zur Vielfachbelastung wird.

Forschungsbericht der ISW


Wir müssen aus den Er­fahrungen der Corona-Krise die richtigen Lehren ziehen und sie für die Zukunft der Arbeitswelt nutzen

dr. johann kalliauer

AK-PRÄSIDENT

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