14.10.2020

Tausende Jugend­liche fallen aus dem Bildungs­system: AK fordert rasches bildungs­politisches Gegen­steuern

In Österreich werden formale Bildung und somit Lebens­chancen in hohem Maße vererbt. Durch die Schul­schließungen während der Corona-Pandemie geraten bisher schon benachteiligte junge Menschen noch weiter ins Hintertreffen. „Wenn nicht jetzt massiv bildungs­politisch gegen­gesteuert wird, ist im weiteren Verlauf der Corona-Krise mit einem neuerlichen Anstieg der Zahl von Jugend­lichen zu rechnen, die ohne Abschluss ihre Aus­bildung abbrechen“, sagt AK-Präsident Dr. Johann Kalliauer. Schon jetzt brechen in Oberösterreich 14 Prozent der 20- bis 24-Jährigen vorzeitig ihre Ausbildung ohne weiterführenden Schul- oder Lehr­abschluss ab. In Ober­österreich sind es jährlich mehr als 3.150. Das belegt der soeben erschienene Bildungs­monitor der AK Ober­österreich. 

Köche, Maler und Friseure sind "Problemberufe"

In einzelnen Ausbildungs­arten ist der Anteil von Abbrüchen besonders hoch, wie etwa in manchen Fachschulen oder Lehr­berufen. Bei den Köchen/-innen, Malern/-innen oder Friseuren/-innen kommen jeweils rund 40 Prozent der Lehrlinge nicht zu einem erfolgreichen Abschluss. Der Großteil von ihnen hat in der Folge ein erhöhtes Arbeitsmarkt­risiko - mit großer Wahr­scheinlichkeit, von Krisen und Konjunktur­einbrüchen besonders hart getroffen zu werden. Nur ein geringer Teil kehrt wieder ins formale Bildungs­system zurück, um einen Abschluss nachzuholen.

Bildung wird immer noch vererbt

Nach wie vor spielt die soziale Herkunft eine große Rolle bei der Bildungs­wahl und schlägt nicht selten auch auf das Bildungsergebnis durch. Kinder von Eltern mit höherer Bildung oder mit höherem Sozialstatus erreichen mit höherer Wahrscheinlichkeit bessere Resultate und Bildungs­abschlüsse. Umgekehrt haben sozial benachteiligte Kinder eine viel höheres Risiko eines frühen Bildungs­ausstiegs beziehungsweise Ausbildungs­abbruchs.

Corona verschärft Schieflage

Durch die Schul­schließungen und den damit erforderlichen Fern­unterricht im Zuge der Corona-Pandemie im Frühjahr 2020 geraten bisher schon benachteiligte Schüler­gruppen noch mehr ins Hintertreffen. AK-Präsident Dr. Johann Kalliauer fordert daher - neben Sofortmaßnahmen wie einer umgehenden techno­logischen Soforthilfe und gezielter schulischer Förder­programme - eine bildungspolitische Abkehr von der frühen schulischen Auslese hin zu einer Kultur des individuali­sierten Förderns. 

Chancenindex der AK ist probates Mittel 

Um Bildungs­abbrüchen frühestmöglich vorzubeugen, fordert Kalliauer ein zweites verpflichtendes Kinder­gartenjahr und den Ausbau qualitätsvoller Ganztages­schulen. Für Schulen mit der besonderen Herausforderung eines hohen Anteils an Jugendlichen aus sozial benachteiligten Familien braucht es zusätzliche finanzielle Mittel. Die AK hat für die Identifizierung dieser Schulen den „Chancenindex“ entwickelt. Basis für die Berechnung ist der Bildungs­hintergrund der Eltern und die Alltagssprache der Kinder.

Hilfe für junge Menschen

Um jungen Menschen am Übergang zwischen Schule und Beruf verstärkt unter die Arme zu greifen, müssen die „Ausbildung bis 18“ sowie Rückkehrschleifen ins Bildungs­system für Abbrecher/-innen ausgebaut werden. In der Lehrlings­ausbildung fordert der AK-Präsident eine Qualitäts­offensive: „Es kann nicht sein, dass die Wirtschaft einerseits über einen Lehrlings- und Fachkräfte­mangel klagt und andererseits ein Fünftel der Lehrlinge nicht zu einem Lehrabschluss kommt“, sagt Kalliauer.

Wenn nicht jetzt massiv bildungs­politisch gegen­gesteuert wird, ist im weiteren Verlauf der Corona-Krise mit einem neuerlichen Anstieg der Zahl von Jugendlichen zu rechnen, die ohne Abschluss ihre Ausbildung abbrechen.

Dr. Johann Kalliauer

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Wenn nicht jetzt massiv bildungs­politisch gegen­gesteuert wird, ist im weiteren Verlauf der Corona-Krise mit einem neuerlichen Anstieg der Zahl von Jugendlichen zu rechnen, die ohne Abschluss ihre Ausbildung abbrechen.

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