29.01.2021

Arbeitslose brauchen konkrete Per­spektiven und eine gesicherte Existenz­grundlage 

Der Abbau der coronabedingten Rekordarbeitslosigkeit stellt für die Arbeitsmarktpolitik eine Herkulesaufgabe dar. Wir müssen Außergewöhnliches leisten, um wieder zur Normalität zurückzufinden. Am Arbeitsmarkt und beim AMS wird dies noch längere Zeit dauern. Das Aufstocken der finanziellen und personellen Ressourcen des AMS für 2021 und - abgeschwächt - für 2022 durch die Bundes­regierung ist positiv, aber nicht ausreichend. Ebensowenig ausreichend ist die im europäischen Vergleich extrem niedrige Nettoersatzrate beim Arbeitslosengeld von 55 Prozent. Der Einkommensverlust und das damit einhergehende Armutsrisiko müssen durch Anhebung auf mindestens 70 Prozent des vorigen Nettoeinkommens reduziert werden.

Krise für Qualifizierung nutzen

Der „Instrumentenkoffer“ der heimischen Arbeitsmarktpolitik ist grundsätzlich breit gefächert. Individuelle, passende Angebote für die unterschiedlichen Zielgruppen sind möglich. Für mehr als 80.000 oberösterreichische Arbeit­nehmer/-innen bietet das Modell der Kurzarbeit eine Perspektive, bis sich die Auftragslage in ihren Unternehmen wieder bessert. Leider greift dieses Instrument nicht überall. Für Beschäftigte, die ihren Job verlieren, haben wir mit der oberösterreichischen Zukunfts­stiftung ein Angebot geschaffen, das sie bei beruflicher Neu-Orientierung, Qualifizierung und Wiedererlangung eines neuen Arbeitsplatzes unterstützt.

Speziell für jene Arbeitslosen, bei denen eine Rückkehr an den alten Arbeitsplatz unrealistisch ist, eröffnen zusätzliche Qualifikationen und Ausbildungs­abschlüsse neue Beschäftigungschancen. Je nach Situation kann dies ein vom AMS organisierter EDV-Kurs, eine Schulung in einem Metallausbildungszentrum, ein individueller Kursplatz, eine „Implacement“-Ausbildung im Gesundheitsbereich oder eine Höherqualifizierung auf Basis des Fach­kräftestipendiums sein.

Entscheidend für den Erfolg sind eine gute Beratung im Hinblick auf das angestrebte Bildungsziel und eine ausreichende Existenzsicherung während der Ausbildung. Es ist auch wichtig, dass das AMS wieder aktiv in die persönliche Beratung einsteigt, denn eine reine Kommunikation via eAMS-Konto erschwert eine kunden­freundliche Bildungsberatung beziehungsweise die Zuteilung von AMS-Qualifizierungen, die für die Betroffenen optimal geeignet sind. 

Job-Offensive für Lang­zeitarbeitslose

Der Handlungsbedarf bei der Bekämpfung der - kontinuierlich steigenden - Langzeitarbeitslosigkeit ist seit Ausbruch der Pandemie offensichtlich wird immer drängender und hätte von Bundes- und Landespolitik schon längst ein Gegensteuern erfordert. Alarmierend ist die zunehmende Betroffenheit Jugendlicher und junger Erwachsener. Bereits im Sommer 2020 haben Gewerkschaften und Arbeiterkammer im Rahmen des „Arbeitsmarktdialogs“ des Landes Oberösterreich auf diese Entwicklungen hingewiesen und ein Beschäftigungs­programm für jene Arbeitsuchenden gefordert, die aufgrund ihres Alters, gesundheitlicher Einschränkungen, unzureichender Qualifikation oder anderer Vermittlungseinschränken bereits längere Zeit arbeitslos sind beziehungsweise bleiben werden.

Die Politik blieb aber lange Zeit untätig. Die Ein­berufung einer Task Force „Langzeitarbeitslosigkeit“ durch Landesrat Achleitner für Anfang Februar 2021, also ein Jahr nach Krisenausbruch, ist ein spätes Eingeständnis dieser Säumigkeit. Im Sinne einer Schadensminimierung gilt es nun rasch und wirksam in die Gänge zu kommen.

Arbeitslose vorübergehend beschäftigen

Im Mittelpunkt sollten geförderte Beschäftigungs­angebote im kommunalen beziehungsweise gemeinnützigen Bereich stehen, da Unternehmen diese Arbeitsuchenden auf dem „ersten Arbeitsmarkt“ trotz attraktiver Förderungen derzeit nicht aufnehmen (können). Es gibt etliche Tätigkeiten im Zusammenhang mit der Corona-Pandemie, die (Langzeit-)Arbeitslosen vorübergehend Beschäftigung bieten können! Nach Überwindung der Pandemie und bei günstigerer Konjunktur können Betroffene dann wieder in ihren ursprünglichen Branchen einen Job suchen. Eine vorherige befristete Beschäftigung verbessert ihre Arbeitsmarktchancen deutlich und kann den massiven negativen Folgen von Langzeitarbeitslosigkeit entgegenwirken. Weil wertvolle Aufgaben erfüllt werden, nützt das auch der Gesellschaft beziehungsweise der öffentlichen Hand.

Berufseinstieg für Jugendliche unterstützen

Jugendliche müssen in der Arbeits­marktpolitik einen höheren Stellenwert bekommen. Sie brauchen beim Einstieg ins Berufsleben gerade jetzt mehr Unterstützung. Die Rahmenbedingungen für Schulabgänger/-innen werden auch 2021 nicht günstig sein. Wenn Jugendliche keinen betrieblichen Lehrplatz finden, braucht es unverzüglich alternative Ausbildungsplätze in der überbetrieblichen Lehrausbildung (ÜBA). Und wir müssen Arbeitslose speziell in der Altersgruppe der 19 bis 25-jährigen motivieren und ermuntern, eine Berufsausbildung nachzuholen.

Dauerhaft mehr AMS-Personal

Der Bedarf an Beratung, Information und Betreuung ist sowohl auf Seite der Arbeitsuchenden als auch der Unternehmen groß. Speziell die Einschränkung der persönlichen Beratungsgespräche erweist sich als Hemmnis für Suche nach passenden Schulungen. Das zeigt sich daran, dass die Zahl der Personen in Schulung in Ober­österreich (aber auch in anderen Bundesländern) unter den Werten des Vorjahres liegt. Hier sind verstärkte und vor allem wirksame Aktivitäten erforderlich.

Eine wichtige Voraussetzung dafür sind genügend AMS-Mitarbeiter/-innen mit ausreichenden Zeitressourcen. Beim Personalstand gibt es aber noch einen erheblichen Nachholbedarf aus der Vergangenheit, der durch die Krise noch drängender wurde. Auch nach der COVID-19-Pandemie braucht das AMS mehr Personal, damit es mehr Zeit für Betreuungsgespräche und Vermittlung hat, um die Betroffenen optimal bei der Integration in den Arbeitsmarkt unterstützen zu können.

Es ist zu hoffen, dass der neue Arbeitsminister sich in der Bundesregierung für eine nachhaltige AMS-Personal­aufstockung stark macht. Als Arbeiterkammer und Gewerkschaft halten wir bundesweit eine Aufstockung um dauerhaft 650 Planstellen, darunter 25 bis 40 in Oberösterreich, für erforderlich. Geplant sind derzeit österreichweit aber nur 350 zusätzliche und bis 2023 befristete Planstellen. Im AMS Ober­österreich sind – ebenfalls vorübergehend und nicht dauerhaft - 75 zusätzliche Planstellen vorgesehen.

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