03.12.2018

AK-Kalliauer: Psychische Belastungen, krebs­erregende Stoffe – Fokus bei Arbeitnehmer­schutz stärker auf Frauen legen!

Frauen, die regelmäßig in der Nacht arbeiten, haben ein drastisch erhöhtes Haut-, Brust- und Magen­krebsrisiko. Das ergab eine Studie mit Daten von weltweit knapp 4 Millionen Frauen. „Worauf warten wir angesichts dieses Ergebnisses noch? Beim Arbeitnehmerschutz muss der Fokus endlich auf frauenspezifische Aspekte gerichtet werden“, sagt AK-Präsident Dr. Johann Kalliauer.

Derzeit orientiert sich der Arbeitnehmerschutz stark an den „männlichen“ Belastungen der Arbeitswelt. „Es ist Zeit, diese Bilder zurechtzurücken“, so Kalliauer. Die Bundesregierung solle einen Kriterien­katalog für gendergerechten Arbeitnehmerschutz erstellen, und die Evaluierung psychischer Belastungen im Betrieb sei so durchzuführen, dass auch die Belastungen von Frauen ans Tageslicht geholt und behoben werden können, fordert er.

Auf Frauen vergessen?

Ist von arbeitsbedingten Krebserkrankungen die Rede, haben die meisten wohl Männer und Asbest vor Augen. Kaum jemand denkt an Frauen mit Nachtarbeit. Aber gerade die lässt bei Frauen das Krebsrisiko enorm steigen, wie die aktuelle und bisher umfangreichste Studie dazu von der chinesischen Universität Sichuan ergab. Diese hat Daten von 3,9 Millionen Frauen weltweit verglichen und herausgefunden, dass Frauen mit regelmäßiger Nachtarbeit ein 41 Prozent höheres Hautkrebsrisiko, ein 32 Prozent höheres Brustkrebsrisiko und ein 18 Prozent höheres Magenkrebsrisiko haben als Frauen, die ihren Beruf ausschließlich tagsüber ausüben. 

Schon frühere – jedoch nicht derart umfangreiche – Untersuchungen, etwa jene eines sechsköpfigen Forscherinnenteams aus den USA, Finnland und Österreich aus dem Jahr 2005, wiesen immer wieder auf einen Zusammenhang zwischen Nachtarbeit und Brustkrebsrisiko hin.

Stereotypen aufbrechen

Die traditionellen Erwartungen, die wir aufgrund des Geschlechts von einer Person haben, werden auch auf die Arbeitswelt übertragen: Das ergibt Bilder vom körperlich zupackenden Bauarbeiter und von der einfühlsamen Sekretärin. Dementsprechend werden auch die Belastungen wahrgenommen. Das benachteiligt Frauen und spiegelt sich auch im Arbeitnehmerschutz wider. „Wer denkt schon bei gesundheits­gefährdenden Arbeitsstoffen an Friseurinnen oder Kosmetikerinnen, die täglich mit solchen Stoffen arbeiten müssen?“ erinnert Präsident Kalliauer an Branchen, die überwiegend weibliche Beschäftigte haben.

Bewusstsein schaffen

Daher bleiben Belastungen, denen Frauen in der Arbeitswelt ausgesetzt sind, oft im Dunkeln. Schweres Heben wird männlichen Lagerarbeitern zugeschrieben und kaum den meist weiblichen Pflegekräften, die Patienten/-innen hochhieven müssen. Bei Lärm denken wir an laute Maschinen und Fabrikshallen, wo vorwiegend Männer arbeiten, nicht aber an die Kindergartenpädagoginnen, die einem nicht weniger hohen Lärmpegel ausgesetzt sind. „Wir werden viele starke Scheinwerfer brauchen, um erst einmal sichtbar zu machen, was Frauen im Job alles belastet. Und da reden wir noch gar nicht von den zusätzlichen Leistungen, etwa der Kinderbetreuung, der Pflege von Angehörigen oder dem Haushalt“, sagt AK-Vizepräsidentin Elfriede Schober. Dieses Bewusstmachen ist ein wichtiger Schritt, um den Arbeitnehmerschutz im Sinne der Frauen weiterentwickeln zu können.

Was macht die Bundesregierung?

„Die Gesundheit der Arbeitnehmerinnen darf nicht durch Wegschauen und Ignorieren der Realität aufs Spiel gesetzt werden“, warnt Kalliauer. Er fordert von der Bundesregierung, die Grenzwerte der krankmachenden Arbeitsstoffe und die Anerkennung von Berufskrankheiten den aktuelle Erkenntnissen anzupassen sowie einen Kriterienkatalog für gendergerechten ArbeitnehmerInnenschutz zu erstellen. 

Mit einem Lehrstuhl für Arbeitsmedizin an der Kepler-Universität könnte das Industrie­bundesland Oberösterreich bei der arbeits­medizinischen Forschung punkten. Und auch in den Betrieben muss den Belastungen von Frauen mehr Augenmerk geschenkt werden: So ist zum Beispiel die Evaluierung psychischer Belastungen so durchzuführen, dass die Belastungen von Frauen und Männern gleichwertig er- und behoben werden. Die Arbeiterkammer hat dazu eine Broschüre erstellt, die aufzeigt, wie das gut gelingen kann.

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Die Gesundheit der Arbeitnehmerinnen darf nicht durch Wegschauen und Ignorieren der Realität aufs Spiel gesetzt werden.

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