19.02.2021

Unverschämtes Angebot vom Chef abgelehnt: AK erkämpft Kündigungs­entschädigung in Höhe von 18.000 Euro 

Ein unverschämtes „Angebot“ machte ein Firmenchef aus dem Innviertel einem seiner Mitarbeiter: Er könne eine Änderungskündigung akzeptieren und zu schlechteren Konditionen weiterarbeiten – oder aber sein Arbeits­verhältnis würde nach Ablauf der Kündigungsfrist automatisch beendet. Das ließ sich der Arbeitnehmer nicht gefallen. Mithilfe der AK bekam er eine hohe Kündigungsentschädigung. „Kein Einzelfall“, sagt AK-Präsident Dr. Johann Kalliauer, „selbst in der Krise, in der Solidarität und Zusammenhalt beschworen werden, lassen manche Unternehmer jeglichen Respekt vor ihren Beschäftigten vermissen.“

Änderungskündigung für Verkaufs­leiter nach 16 Jahren

Der Arbeitnehmer aus dem Bezirk Ried war mehr als 16 Jahre lang als Verkaufsleiter in der Firma beschäftigt. Offensichtlich dürfte er seinem Chef zu teuer geworden sein, denn der langjährige Mitarbeiter bekam von seinem Vor­gesetzten eine sogenannte Änderungskündigung vorgelegt, die ihn vor die Wahl stellte: Entweder er akzeptierte den geänderten, schlechteren Arbeitsvertrag oder sein Arbeitsverhältnis würde nach Ablauf der Kündigungsfrist automatisch beendet. Für den Arbeitnehmer war der schlechtere Vertrag inakzeptabel, daher nahm er die Kündigung zur Kenntnis.

Kündigung zum falschen Termin

Allerdings wurde das Arbeitsverhältnis termin- und fristwidrig gekündigt. Laut Kündigung endete das Arbeitsverhältnis am 21. August 2020 – richtiger Kündigungs­termin wäre laut Kollektivvertrag aber der 31. Dezember 2020 gewesen. Die Rechtsexperten der AK Ried intervenierten bei der Firma und machten die richtig berechnete unbedingte Kündigungsentschädigung für die restliche Zeit des Arbeitsverhältnisses geltend.

Die Firma lenkte ein und zahlte dem Arbeitnehmer etwas mehr als 15.000 Euro brutto nach, und zwar für die ersten 3 Monate der Kündigungsfrist. Nachdem der Mann – insbesondere wegen der Corona-bedingten schwierigen Situation auf dem Arbeitsmarkt – bis zum Ende der Kündigungsfrist noch keinen neuen Job gefunden hatte, wurde auch noch eine bedingte Kündigungsentschädigung fällig, die ihm nochmals eine Nachzahlung von etwas mehr als 3.000 Euro bescherte. 

Leider kein Einzelfall

„Dieser Fall ist leider kein Einzelfall. Wir haben allein im vergangenen Jahr für unsere Mitglieder fast 120 Millionen Euro erkämpfen müssen“, erklärt der Präsident der Arbeiterkammer Oberösterreich und fügt hinzu: „Einen lang­jährigen Mitarbeiter, der bis zum Verkaufs­leiter aufgestiegen ist, dem sein Arbeitgeber einen großen Teil des wirtschaftlichen Erfolges verdankt, in einer weltweiten Wirtschaftskrise so respektlos zu behandeln und ihm ein derart unverschämtes Angebot zu unterbreiten, ist schon besonders dreist.“ 


Selbst in der Krise, in der Solidarität und Zu­sammenhalt beschworen werden, lassen manche Unternehmer jeglichen Respekt vor ihren Beschäftigten vermissen

dr. johann kalliauer

AK-PRÄSIDENT

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