Personal­mangel schadet der Gesund­heit

Unternehmer sehen in knapper Personalbemessung zunehmend ein Instrument, um  Kosten zu senken und Gewinne zu steigern. Beinahe täglich berichten Beschäftigte und Betriebsräte den Berater/-innen der Arbeiterkammer Oberösterreich von Überlastung aufgrund von Personalmangel: 

  • Druck und Dauerstress stehen für viele auf der Tagesordnung.
  • Die Arbeit ist oft nicht in der vorgegebenen Zeit zu schaffen.
  • Überstunden und Urlaub häufen sich an und können kaum abgebaut werden. 
  • Ständige Überforderung und mangelnde Erholungszeiten schlagen sich auf die Gesundheit nieder. Auch das Arbeitsunfallrisiko steigt. 

Gewinne stehen über allem

Um bessere zu verdienen, schrauben viele Unternehmen die Zielvorgaben nach oben - und das bei bestehendem Personal.  Manche versuchen sogar, Personal zu reduzieren und dadurch einzusparen. 

Ein Teufelskreis beginnt: Weniger Beschäftigte sollen in kürzerer Zeit mehr Leistung in steigender Qualität erbringen. Sobald mit dünner Personaldecke die schier unmöglichen Zielvorgaben irgendwie erreicht wurden, folgt bereits die nächste Personalreduktion oder Erhöhung der Zielvorgaben. 

Um für das Thema zu sensibilisieren hat die Arbeiterkammer im November 2019 eine Fachtagung abgehalten. Unter den zahlreichen Experten/-innen befand sich auch der bekannte deutsche Philosoph Dr. Klaus Peters von COGITO. Institut für Autonomieforschung. Er wies darauf hin, dass der Personalmangel mit einer zunehmenden Entgrenzung der Arbeit einhergeht. Neue Steuerungs- und Managementformen führen dazu, dass die Folgen von Personalmangel von den Beschäftigten selbst ausgeglichen werden – durch Mehrleistung, Ausdehnung faktischer Arbeitszeit usw. So entstehen wiederum neue Spielräume für die Arbeitgeber, die ‚Personaldecke‘ nach unten zu fahren. Im Endeffekt kann es zu gefährlichen Fehlbelastungen der Beschäftigten kommen. Es sind vor allem psychische Belastungen, die eine Herausforderungen an den Gesundheitsschutz mit sich bringen.

Unternehmen verletzen ihre Fürsorge­pflicht

Wenn Personalmangel zu einer permanenten Überlastung der Belegschaft führt, stellt dies aus rechtlicher Sicht eine Verletzung der Fürsorgepflicht dar. Das Arbeitsverfassungsgesetz räumt Betriebsräten umfassende Mitwirkungsmöglichkeiten im Arbeitnehmerschutz ein. Personalbemessungs- und Arbeitszeitaspekte werden in den Arbeitsplatzevaluierungen in der Praxis kaum berücksichtigt, obwohl dies gesetzlich klar vorgegeben ist. Hier können Betriebsräte den Hebel ansetzen. Die Arbeiterkammer steht mit ihren Experten/-innen bei Bedarf beratend zur Seite.     

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