30.04.2020

Schutzmasken im Arbeitnehmer­schutz - ein Überblick  

Vor wenigen Monaten noch undenkbar, gehören Schutzmasken nun zum alltäglichen Bild. Ob auf der Straße, im Lebensmittelgeschäft oder am Arbeitsplatz – überall begegnen uns Mitmenschen, die ihr Gesicht teilweise verdecken. Doch welche Masken sind aus Sicht des Arbeitnehmerschutzes sinnvoll? Was ist bei der Anwendung zu beachten? Welche gesetzlichen Grundlagen gibt es zu diesem Thema? 

Fürsorgepflicht für Beschäftigte

Arbeitgeber tragen die Fürsorgepflicht und haben umfassende Verpflichtungen im Arbeitnehmerschutz ( (§ 1157 Allgemein Bürgerliches Gesetzbuch und § 3 ArbeitnehmerInnenschutz -Gesetz.

Demnach hat der Arbeitgeber dafür zu sorgen, dass Beschäftigte nicht aufgrund der Arbeitsbedingungen erkranken. Schutzmittel müssen auf Kosten des Arbeitgebers zur Verfügung gestellt werden. 

Laut des ArbeitnehmerInnenschutzgesetzes ( ASchG) muss der Arbeitgeber für eine umfassende Arbeitsplatzevaluierung sorgen.( § 4) Dabei sind alle Gefährdungen zu erheben, zu bewerten und Maßnahmen dagegen festzulegen. Das umfasst auch die Risiken durch das Corona-Virus. Die Gefahr durch den Virus muss in die Evaluierung einfließen. Hierbei sind die Grundsätze der Gefahrenverhütung zu beachten (§ 7 ASchG). So muss bei der Maßnahmensetzung die Möglichkeit der Risikovermeidung geprüft, der Stand der Technik beachtet und der kollektive dem individuellen Gefahrenschutz bevorzugt werden.

Schutz­masken für alle Mitarbeiter?

Beschäftigte allesamt mit Masken auszustatten, kann bei Vorbeugung gegen die Ansteckung oft der erste Impuls sein. Jedoch sieht das Gesetz vor, dass erst technische und organisatorische Maßnahmen auf ihre Umsetzbarkeit geprüft werden müssen, bevor der persönliche Schutz angewendet werden darf (§ 69 Abs. 2 ASchG).

Technische Maßnahmen wären etwa Plexiglasscheiben zur Abtrennung, wie sie bei Kassenarbeitsplätzen im Lebensmittelhandel mittlerweile vorgesehen sind.
Eine organisatorische Maßnahme könnte sein, dass die Arbeit so gestaltet wird, dass ein Abstand von 1,5 bis 2 Metern jederzeit einhaltbar ist. 

Nur wenn durch technische und organisatorische Maßnahmen kein ausreichender Schutz und Abstand gewährleistet werden kann, sind Masken vorzusehen.

Welche Schutz­masken gib es? 

Maske ist nicht gleich Maske. Besonders verbreitet sind aktuell Mund-Nasen-Schutz Masken, Faceshields und Atemschutzmasken. 

  • Mund-Nasen-Schutz-Masken
    Mund-Nasen-Schutz Masken dienen ausschließlich dem Schutz der Umgebung. Die Trägerin/der Träger ist nicht ausreichend vor Viren geschützt. Somit gelten sie auch nicht als persönliche Schutzausrüstung. Das generelle Tragen von Mund-Nasen-Schutz Masken am Arbeitsplatz ist nur dann vorgeschrieben, wenn eine entsprechende gesetzliche Grundlage besteht (wie etwa im Einzelhandel). Ansonsten macht die Nutzung am Arbeitsplatz nur Sinn, wenn Abstände nicht eingehalten werden können. Das Ansteckungsrisiko kann nur minimiert werden, wenn alle anwesenden Personen einen Mund-Nasen-Schutz tragen. Bei Kontakt mit COVID-19 Erkrankten, oder auch Verdachtsfällen, ist eine derartige Maske nicht ausreichend. 

  • Faceshiels
    Faceshields bieten weder ausreichend Schutz für Träger/-innen, noch die Umgebung. Sie können jedoch eine sinnvolle Ergänzung zu anderen Masken sein. Beispielsweise bei der Betreuung von COVID-19 erkrankten, in Kombination mit einer Atemschutzmaske, um die Augen bei direktem Anhusten zu schützen.

  • Atemschutzmasken
    Atemschutzmasken sind für den Schutz der Träger/-innen konzipiert. Verfügen diese Masken über ein Ausatemventil, liegt kein Umgebungsschutz vor. Derartige Masken gelten als persönliche Schutzausrüstung und sind vor allem für den Einsatz in einer kontaminierten Umgebung, etwa bei der direkten Arbeit mit COVID-19 Erkrankten, zu verwenden. Im sonstigen Arbeitsalltag machen sie aufgrund der Belastung durch den Atemwiderstand und den eventuell fehlenden Umgebungsschutz wenig Sinn.
    Klassen von FFP1 bis FFP3

    Die Klassifizierung von Atemschutzmasken erfolgt aufgrund des Anteils an schädlicher Umgebungsatmosphäre in der eingeatmeten Luft:

    AtemschutzmaskeAnteil beträgt maximal:
    FFP125 Prozent
    FFP211 Prozent
    FFP35 Prozent
    Bei Kontakt mit COVID-19 Erkrankten und Verdachtsfällen muss mindestens FFP2 zum Einsatz kommen. 

    Es ist davon auszugehen, dass eine Anwendung von Atemschutzmasken am Arbeitsplatz ausschließlich im betreuenden Gesundheits- und Sozialbereich notwendig ist. Eine Wiederaufbereitung von Atemschutzmasken für die Zeit der Pandemie ist für Krankenhäuser unter bestimmten Voraussetzungen per Erlass ermöglicht worden.

Wie lange kann man Schutz­maske tragen?

Da die Anwendung von Masken, insbesondere von Atemschutzmasken, mit körperlichen Belastungen verbunden ist, muss diesem Umstand in der Evaluierung Rechnung getragen werden. Die ununterbrochene Tragedauer ist zu beschränken, Trageunterbrechungen sind vorzusehen. 

  • Für Atemschutzmasken ohne Ausatemventil wird beispielsweise eine maximale ununterbrochene Tragedauer von 75 Minuten, gefolgt von einer Unterbrechung von 30 Minuten, empfohlen.
  • Weitere Umstände wie die körperliche Belastung bei der Arbeit wie etwa die Temperatur sind zu berücksichtigen.
  • Schwangere dürfen keine Atemschutzmasken für Schwangere tragen

Die Anwendung von Masken hat schließlich auch eine psychische Komponente. Man wird dadurch ständig an die bedrohliche Ausnahmesituation erinnert. Auch geringer Atemwiderstand kann für manche zu Beklemmungen führen. Masken wiegen die Träger/-innen jedoch auch häufig in falsche Sicherheit, sodass wichtige Maßnahmen wie Abstandhalten und Händehygiene vernachlässigt werden. 

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