Schichtarbeit: Darauf sollten Betriebsräte achten

In Österreich arbeiten mehr als 660.000 unselbständig Erwerbsstätige im Schicht-, Turnus- oder Wechseldienst.  Das sind um 16 Prozent mehr als noch vor 10 Jahren. Das geht aus der Arbeitskräfteerhebung der Statistik Austria aus dem Jahr 2011 hervor.

Betriebsrätinnen und Betriebsräte werden im Rahmen ihrer Mitbestimmungsmöglichkeiten nach dem Arbeitsverfassungsgesetz (§ 97, Absatz 1) bei der Arbeitszeit bei der Einführung von Schichtarbeit oder bei  Änderung von Schichtarbeitsmodellen mit vielen Fragestellungen konfrontiert.

Darauf sollten Betriebsräte achten

Es gibt spezielle arbeitsrechtliche Rahmenbedingungen für Schichtarbeit. Da Schichtarbeit aufgrund der Arbeit zu ungewöhnlichen Zeiten (Abend, Nacht, Wochenende) gesundheitlich und sozial sehr belastend ist, muss auf die ergonomische Gestaltung von Schichtplänen besonders geachtet werden.

Zudem greift Schichtarbeit stark in das Privatleben ein. Die Einbeziehung der betroffenen Beschäftigten bei der Einführung von Schichtarbeit oder bei Schichtplanänderungen ist eine wesentliche Voraussetzung für die Akzeptanz von Schichtplänen.

Diese Gesetze regeln Schichtarbeit

Regelungen zu Schichtarbeit gibt es im Arbeitszeitgesetz (AZG), im Arbeitsruhegesetz (ARG), im Urlaubsgesetz (UrlG) und in einzelnen Kollektivverträgen. Hier die wesentlichsten Bestimmungen im Überblick:

  • Obergrenze der  täglichen und wöchentlichen Arbeitszeit bei Schichtarbeit  (§§ 4, 4a  und 9 AZG)
  • Ruhepausen und tägliche Ruhezeit (§§ 11, 12 AZG)
  • Wochenendruhe, Wochenruhe, Ersatzruhe und Feiertagsruhe (ARG) 
  • Nachtschwerarbeit und Zusatzurlaub (§ 10a UrlG)
  • branchenspezifische Regelungen zu Schichtarbeit in einzelnen Kollektivverträgen

8 Stunden Nachtarbeit so belastend wie 12,4 Stunden am Tag

Bei Nachtarbeit arbeitet man gegen die innere Uhr. Diese ist daher besonders gesundheitlich belastend. Arbeitswissenschaftliche Erkenntnisse besagen, dass 8 Stunden Nachtarbeit der Belastung von 12,4 Stunden Tagarbeit entsprechen. Das ist fast um ein Drittel mehr!

Laut österreichischem Arbeitsgesundheitsmonitor wirkt sich Nachtarbeit negativ auf die Psyche aus. Zu den psychischen Empfindensbeeinträchtigungen zählen: 

  • Unfähigkeit abzuschalten
  • Gefühl der Erschöpfung
  • Depression 
  • Gereiztheit 
  • Gefühl der Sinnleere

46 Prozent der Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer fühlen sich stark beeinträchtigt (mindestens 2 der angeführten Probleme treffen zu). Das ist immerhin fast jede/-r zweite Arbeitnehmer/-in. Unter jenen mit Nachtarbeit steigt der Anteil auf 54 Prozent an.   

  Grafik: Anzahl psychischer Empfindensbeeinträchtigungen
Quelle: Gesundheitsmonitor (IFES, AK OÖ; I/2008 – IV/2012)
  

Schichtarbeit belastet Familie und Freundschaft

Schichtarbeit beeinträchtigt auch die sozialen Kontakte. Zieht man wiederum die Ergebnisse des österreichischen Arbeitsgesundheitsmonitors heran, so gaben 37 Prozent der Befragten an, Familie und Beruf sehr gut vereinbaren zu können. Von den Beschäftigten, die in Schicht/Turnus arbeiten, wurde dies nur noch von 23 Prozent als sehr gut empfunden.

  Grafik: Vereinbarkeit von Familie und Beruf
Quelle: Gesundheitsmonitor (IFES, AK OÖ; I/2008 – IV/2012)
  

Schichtpläne ergonomisch gestalten

Um die gesundheitlichen und sozialen Belastungen bei Schichtarbeit abzufedern, gibt es für die  Gestaltung der Schichtarbeit gesicherte arbeitswissenschaftliche Empfehlungen.  Empfohlen wird unter anderem:

  • Eine Vorwärtsrotation der Schichtpläne
  • Freie Abende pro Woche
  • Einplanung freier Wochenenden im Schichtturnus
  • Möglichst geringe Anzahl der aufeinanderfolgenden Nachtschichten (max. 2-4)
  • Einplanung von arbeitsfreier Zeit nach Nachtschichtphase
  • Vorhersehbare und überschaubare Schichtfolgen

Beschäftigte bei der Schichtplangestaltung einbinden

Sei es, dass der/die Arbeitgeber/-in die Betriebszeiten ausdehnen will und dadurch ein neues Schichtmodell notwendig ist, sei es, dass der Betriebsrat ein extrem belastendes Schichtmodell durch ein gesundheitsschonenderes ersetzen will – in allen Fällen ist die aktive Einbeziehung der Beschäftigten erforderlich. 

Da die Beschäftigten zumeist ihr ganzes privates Leben an den Schichtplänen ausgerichtet haben, bringt  jede Veränderung Unsicherheit. Ausreichende Information der Beschäftigten über gesündere Schichtpläne aber auch die Einführung einer Testphase bei Erprobung eines neuen Schichtmodells erhöhen die Akzeptanz der Beschäftigtigen bei Veränderungen.

Wir beraten Betriebsräte bei der Schichtplangestaltung

Wir unterstützen Betriebsräte bei der rechtlichen Beurteilung und der ergonomischen Optimierung von Schichtplänen:  

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