15.07.2015
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Willkommen zurück: Betriebliches Eingliederungsmanagement in der Praxis

Das Betriebliche Eingliederungsmanagement (BEM) könnte ein Gegenmodell zu der Situation darstellen, die derzeit in österreichischen Betrieben herrscht. Es reicht nämlich nicht, bei der Rückkehr aus einem längeren Krankenstand etwa einfach den gleichen Job in Teilzeit anzubieten. Es müssen die Arbeitsbedingungen nach den Bedürfnissen der Arbeitnehmer/-innen gestaltet werden.

Die Arbeiterkammer Oberösterreich fordert, BEM im Gesetz zu verankern. Arbeitgeber sollen verpflichtet werden betroffenen Dienstnehmer/-innen ein konkretes Angebot zu machen.

Dieses  BEM-Angebot kann folgendermaßen ablaufen:

  1. Feststellung einer Arbeitsunfähigkeit von 6 Wochen (unterbrochen oder durchgehend); Führungskraft stellt fest, dass sich eine Kollegin/ein Kollege seit mehr als 6 Wochen im Krankenstand befindet. 

  2. Rückmeldung an Personal- oder Betriebsleitung
    Austausch über die Situation: was ist bereits bekannt? Besteht Kontakt zum Betroffenen/zur Betroffenen? Sind Folgen der Abwesenheit auf die unmittelbaren Kollegen/-innen erkennbar? Nach dem Gespräch kontaktiert die Führungskraft den/die Arbeitsmediziner/-in mit der Bitte, mit der Kollegenin/dem Kollegen Kontakt aufzunehmen. Ziel ist es, in medizinischen Belangen zu helfen und über das BEM-Programm zu informieren. 

  3. Kontaktaufnahme der Vertrauensperson/Arbeitsmediziner/-in mit dem/der Betroffenen (frühestens nach 8 Wochen Krankenstand) 

    Information über BEM und die Möglichkeit, dass nach Rückkehr in den Betrieb/das Arbeitsumfeld ein Erstgespräch organisiert werden kann. 

    Einvernehmen über die weitere Vorgehensweise, etwa: soll weiterhin Kontakt gehalten werden? Unterstützung in medizinischen Fragen? Klärung, ob der/die Kollege/-in die Fortführung von BEM wünscht oder nicht . Es gilt das Prinzip der Freiwilligkeit.

    Arbeitsmedizinerin informiert schriftlich Führungskraft, Personalleitung und Betriebratsvorsitzende/-n, dass der Kontakt stattgefunden hat und ob BEM gewünscht ist, beziehungsweise, dass der/die Kollege/-in sich noch nicht entschieden hat. 

    Wenn der/die Kollege/-in das Angebot zur Reintegration nicht wünscht, ist der Prozess hier abgeschlossen!

  4. Erstgespräch/Maßnahmenplanung
    1. Organisation eines Erstgesprächs:  Kollege/-in, Arbeitsmedizinerin und Betriebsrat mit dem Primärziel des Wiedereinstiegs am bisherigen Arbeitsplatz!

    2. Vereinbarung von Maßnahmen, damit der Wiedereinstieg gut gelingen kann. 
      Hier einige Beispiele: Anschaffung von Arbeitsmitteln, Arbeitserleichterung für oder Freistellung von bestimmten Tätigkeiten, Qualifizierungsmaßnahmen, Begleitung durch ein Arbeitsbewältigungscoaching (Arbeitsmediziner/-in), Coaching der Führungskraft, Teambegleitung/Teamcoaching, Prüfung der Übernahme einer anderen Aufgabe/Wechsel des Arbeitsplatzes, Berufsdiagnostik,  Temporäre Veränderung der Lage der Arbeitszeit oder Reduktion von Überstunden oder Arbeitszeitreduktion 
      Achtung – keine Verschlechterung des Arbeitsvertrages: geänderter arbeitsrechtlicher Rahmen führt zu Auswirkung auf Sozialversicherung, Entgeltfortzahlung, Krankengeld, Abfertigung alt!,

    3. Verfassen eines Gesprächsprotokolls (Formular)

  5. Rasche Umsetzung vereinbarter Maßnahmen; soweit notwendig: Einholen von Entscheidungen 

  6. Evaluierung, sobald Maßnahmen abgeschlossen sind 
    Personelle Zusammensetzung wie beim Erstgespräch 
    Verständigung darüber, ob die Maßnahmen Wirkung gezeigt haben und ob weitere Maßnahmen sinnvoll sind, anschließend Gesprächsprotokoll.

 

Nach erfolgreichem Abschluss der persönlichen Wiedereingliederung stellt sich die Frage, ob die abgeleiteten Massnahmen und Ideen auch für andere Arbeitsbereiche oder für das gesamte Arbeitssystem brauchbar wären. So können wesentliche Präventionsschritte der grundlegenden Vermeidung von Gesundheitsgefährdung  beziehungsweise Erkrankung gesetzt werden.

Das AK Kompetenzzentrum betriebliche Interessenvertretung (KBI) berät Sie gerne ausführlich!  

Arbeiterkammer OÖ
Kompetenzzentrum Betriebliche Interessenvertretung
TEL:    +43 50 6906 2323
E-Mail: kbi@akooe.at


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