14.10.2014
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Einkommensberichte lesen, auswerten und handeln

Seit 1.3.2011 sind Arbeitgeber/-innen ab einer bestimmten Beschäftigtenanzahl verpflichtet, Einkommensberichte zu legen. Die Pflicht zur Berichtslegung trat - gestaffelt nach der Anzahl der Beschäftigten – stufenweise in Kraft. Betriebe mit mehr als 150 Arbeitnehmer/-innen sind die letzten, die diese Pflicht traf. Sie mussten diese Berichte für das Jahr 2013 bis spätestens 31. März 2014 vorlegen. Dadurch sind insgesamt rund 40 Prozent der Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer erfasst.

Ziel der Berichte ist, die Einkommensunterschiede zwischen Frauen und Männer transparenter zu machen.

Ein Drittel sagt: Frauen werden benachteiligt

Eine im Frühjahr 2014 durchgeführte Online-Befragung von Betriebsrätinnen und Betriebsräten der AK-Wien über ihre Erfahrungen mit den Einkommensberichten ergab, dass Unterschiede eindeutig feststellbar sind. 1/3 der Befragten, die über den Einkommensbericht informiert wurden, gab an, dass Frauen entweder schlechter eingestuft oder in der gleichen Stufe schlechter entlohnt sind.
Mit Hilfe der Einkommensberichte kann es gelingen, in allen Betrieben eine systematische, sachlich begründete, durchschaubare und nachvollziehbare Entlohnung zu garantieren.

Das schreibt das Gleichbehandlungsgesetz vor

  • Das Gleichbehandlungsgesetz regelt, dass die Einkommensberichte von den Unternehmen jedes zweite Jahr erstellt werden müssen. Der Bericht muss das durchschnittliche Einkommen von Frauen und Männern in den jeweiligen Verwendungsgruppen und Verwendungsgruppenjahren darstellen. Er darf keine Rückschlüsse auf die Gehälter einzelner Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer zulassen. ( § 11a)

  • Der Bericht ist dem (Zentral-)Betriebsrat zu übermitteln. Der Betriebsrat darf den Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern im Rahmen seiner Tätigkeit Auskunft über die für sie relevanten Informationen erteilen. In Betrieben ohne Betriebsrat ist der Einkommensbericht in einem Raum aufzulegen, der für alle Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer zugänglich ist.

  • Das Gesetz sieht für Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer eine Verschwiegenheitspflicht hinsichtlich des Inhalts des Einkommensberichts gegenüber der Öffentlicheit und anderen Unternehmen vor. Selbstverständlich dürfen sich aber Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer zum Einkommensbericht bei der Gewerkschaft, der Arbeiterkammer oder Gleichbehandlungsanwaltschaft beraten lassen. 

Berichtspflicht muss ausgeweitet werden

Die gesetzlichen Mindestinhalte der Einkommensberichte wurden aus Sicht der Befragten überwiegend erfüllt. Resümee daraus ist jedoch auch, dass die Berichtspflicht weiterentwickelt werden soll. Zusätzliche Informationen wie beispielsweise die Aufgliederung der Gehaltsbestandteile sind notwendig, um erkennbare Unterschiede besser zu bewerten.

Der Einkommensbericht ist da. Was nun?

Für Betriebsrätinnen und Betriebsräte ist der Einkommensbericht ein gutes Basisinstrument zum Aufspüren von Einkommensungerechtigkeiten. Die Einkommensberichte sollen vor allem nicht erklärbare Einkommensunterschiede zwischen Frauen und Männern sichten.

Die Erfahrungen zeigen, dass bei der Auswertung des Einkommensberichts ein Austausch zwischen Arbeitgeber und Betriebsrat unbedingt erforderlich ist.  Durch Hinterfragen können Auffälligkeiten geklärt und – wenn erforderlich – entsprechende Maßnahmen zur Beseitigung der Einkommensunterschiede entwickelt werden.

Sie haben Fragen? Die KBI unterstützt Sie

Die Arbeiterkammer Oberösterreich bietet Betriebsrätinnen und Betriebsräten die Möglichkeit, sich bei der Analyse der Einkommensberichte und bei rechtlichen Fragestellungen rund um die Einkommensberichte beraten zu lassen.

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