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Mobbing am Arbeitsplatz – Arbeitsbedingungen und Unternehmenskultur sind entscheidend

Studien belegen, dass die Mobbinghäufigkeit mehr von den Arbeitsbedingungen beeinflusst werden als von der Persönlichkeit der Mobbingbetroffenen. Besonders häufig treten Mobbing-Handlungen dort auf, wo Arbeitsplätze gefährdet sind und in Unternehmen, die sehr autokratisch und streng hierarchisch geführt werden. Lässt die Unternehmenskultur keine konsensuale Austragung von Konflikten zu, so werden sie auf eine andere Ebene transferiert und begünstigen damit Mobbing. 

Um Mobbing entschieden den Kampf anzusagen, müssen strukturelle Spannungsherde erkannt und entschärft werden, Gelegenheiten zu solchen Handlungen beseitigt werden und Hindernisse und Risiken für potentielle Mobber/-innen geschaffen werden.

Was ist Mobbing?

Ausgang ist häufig unangemessene fachliche Kritik, darauf folgen persönliche Angriffe. Gerät eine Person ins Visier der Mobber, lautet die Intention: verdrängen oder vernichten. Der Begriff Mobbing beschreibt negative kommunikative Handlungen, die gegen eine Person gerichtet sind (von einer oder mehreren anderen) und die sehr oft über einen längeren Zeitraum hinaus vorkommen und damit die Beziehung zwischen Täter und Opfer kennzeichnen.


Der renommierte Mobbingexperte Leymann hat seine Definition von Mobbing durch 45 Handlungen innerhalb eines Mobbingfragebogens operationalisiert. Mobbing ist demnach eine oder mehrere von 45 explizit beschriebenen Handlungen über ein halbes Jahr oder länger, mindestens einmal pro Woche.


>> zur Mobbing-Checkliste

Konflikte nicht unter Teppich kehren

Mobbing findet dort seinen Nährboden, wo permanent schwelende Konflikte „unter den Teppich gekehrt“ werden. Inhaltliche Differenzen werden irgendwann nicht mehr als Ursache der fest gefahrenen Situation gesehen, sondern Konflikte werden auf die personale Ebene verlagert – viel fehlt dann nicht mehr zum Mobbing. Nach den Ergebnissen des Mobbing-Reports konnten keine Aussagen über „typische“ Mobbingbetroffene gemacht werden. Persönliche Verhaltensweisen, wie etwa ein konstruktiver Umgang mit Konfliktsituationen und ein hohes Maß an sozialer Kom-petenz können den Ablauf von Mobbing bereits zu Beginn stoppen.

Unternehmenskultur entscheidet

Die Inzidenz von Mobbing hängt sehr von der Unternehmenskultur ab. Mitarbeiter/-innen übernehmen Werte und Normen des Unternehmens. Wird Mobbing prinzipiell nicht geduldet und gibt es keine Anreize dafür, ist bereits eine gute Basis gegen Mobbing geschaffen.

Ein wirksamer Ansatz gegen Mobbing ist es auch, sich Beförderungen hinsichtlich Kooperationsbereitschaft gut zu überlegen. Nicht jene, die sich am wirksamsten durchsetzen, sondern jene, die am besten kooperieren, sollten mit Führungsaufgaben betraut werden. Auch unklare Rollenaufteilung fördert Mobbing-Handlungen, weil sie automatisch Machtspiele innerhalb der Belegschaft nach sich zieht.

Gute Arbeitsbedingungen helfen gegen Mobbing

Um Mobbing wirksam vorzubeugen, müssen deshalb Arbeitsbedingungen wie schlechtes Arbeitsklima, mangelndes Führungsverhalten, mangelnde Konfliktkultur und unzureichende Arbeitsorganisation viel stärker in den Fokus genommen werden.

Mobbingbegünstigende Rahmenbedingungen

Die Ursachen können in zwei Gruppen unterteilt werden. Einerseits strukturelle Ursachen, das sind Ursachen, die in der Organisations- und Arbeitsplatzstruktur zu suchen sind, etwa.:

  • Arbeitsplatzunsicherheit aufgrund drohender Ausgliederung von Betriebsteilen, Organisationsveränderungen, Fusionierungen und Privatisierungen
  • Unzureichende Arbeitsorganisation und Arbeitsgestaltung: Stress und Termindruck, unklare Zuständigkeiten oder intransparente Entscheidungsvorgäng
  • Wirtschaftliche Probleme des Unternehmens
  • Unklare Kompetenzverteilung
  • Unklare Betriebshierarchie
  • Über- oder Unterforderung der Arbeitnehmer/-innen
  • Schlechtes Arbeitsklima

 

Andererseits personenbezogene Ursachen, die in der Persönlichkeit der am Mobbing beteiligten Personen zu suchen sind, wie etwa.:

  • Mangelnde Führungskompetenz
  • Konkurrenzkampf
  • Neid innerhalb der Kollegen/-innen
  • Persönliche Antipathien

Betriebsratsmitglieder können helfen

Mobbing kostet in den Unternehmen allen Beteiligten -  Mobber, Mobbingbetroffene, Arbeitgeber/-in, Betriebsrat – viel Energie und zermürbt letztendlich. Damit korrespondiert eine hohe Fluktuation, mehr Krankenstände und ganz generell ein schlechtes Arbeitsklima. Termin- und Zeitdruck, also arbeitsverdichtende Situationen aufgrund einer zu geringen Personalbemessung können Mobbing zusätzlich befeuern.

Vorbeugen und Mobbing bereits zu Beginn unterbinden ist daher die effektivste Lösung. Dafür ist die notwendige Sensibilisierung des Betriebsrats etwa in Form von Betriebsversammlungen, Wandzeitungen, Betriebsratsaussendungen notwendig. Mobbinghandlungen müssen in den Betrieben als verpönte Praktiken beispielsweise im Rahmen einer Betriebsvereinbarung verurteilt werden. Gleichzeitig soll ein offenes Gesprächsklima gefördert werden, in dem Konflikte innerhalb der Belegschaft angesprochen und gelöst werden können. Der Betriebsrat kann hier eine richtungs-weisende Stellung im Betrieb einnehmen.

Angebot für Betriebsrätinnen und Betriebsräte

Die Arbeiterkammer beraten Betriebsrätinnen und Betriebsräte im Umgang mit Mobbing-Konflikt-Situationen im Betrieb.

Czeskleba, R., Zimmermann, K. (o. J.):
"Mobbing ist mehr eine Frage der Arbeitsbedingungen, als der „Opferpersönlichkeit“.
Arbeit und Wirtschaft 

(dl.: 03.12.2014) 

Hilfe, bei uns wird gemobbt

Wird in einem Unternehmen gemobbt, so ist in erster Linie der Arbeitgeber gefordert.

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