19.02.2021

Masken als Schutz gegen COVID-19

Fürsorgepflicht des Arbeitgebers

Arbeitgeber tragen die Fürsorgepflicht und haben Verpflichtungen im Arbeitnehmerschutz (§ 1157 Allgemein Bürgerliches Gesetzbuch und § 3 ArbeitnehmerInnenschutzgesetz - ASchG). Sie müssen sicherstellen, dass Beschäftigte am Arbeitsplatz keine gesundheitlichen Schäden erleiden und entsprechende Schutzmittel zur Verfügung stellen. 

Laut ASchG muss der Arbeit­geber für eine umfassende Arbeitsplatzevaluierung sorgen (§ 4). Dabei sind alle Gefährdungen zu erheben, zu bewerten und Maßnahmen dagegen festzulegen. Das umfasst auch die Risiken durch das Corona-Virus oder sonstige erhebliche Ansteckungsrisiken. Sollte im Rahmen der Arbeitsplatzevaluierung die Notwendigkeit von Mund-Nasen-Schutz und Atemschutzmasken erkannt werden, muss der Arbeitgeber diese zur Verfügung stellen.

Hinzu kommen die Vorgaben der 4. COVID-19 Schutzmaßnahmenverordnung (4. COVID-19 SchuMaV). Demnach sind in bestimmten Bereichen ein Mund-Nasen-Schutz oder Atemschutzmasken vorgeschrieben. Es handelt sich hierbei um keine Arbeitnehmerschutzvorgabe, sondern eine Regelung zum Schutz der allgemeinen Gesundheit. In beiden Fällen müssen vom Arbeitgeber die Belastungen in der Arbeitsplatzevaluierung berücksichtigt werden, die mit dem Tragen von Masken mitunter einhergehen.

Masken für alle Mitarbeiter?

Wenn keine gesetzliche Verpflichtung zum Tragen eines Mund-Nasen-Schutz oder einer Atemschutzmasken besteht, dies aber im Rahmen der Arbeitsplatzevaluierung vorgesehen ist, müssen zunächst sämtliche technische (zum Beispiel Plexiglasabtrennungen) und organisatorische Maßnahmen (zum Beispiel Arbeiten in festen Teams) ausgeschöpft werden, die den gleichen Schutz gewährleisten würden (§ 69 Abs. 2 ASchG).

Wenn durch Technik und Organisation kein Schutz und Abstand gewährleistet werden kann, müssen, zumindest bei Kontakt mit anderen, Mund-Nasen-Schutz oder Atemschutzmasken zur Verfügung gestellt werden. Das Arbeitnehmerschutzrecht sieht grundsätzlich vor, dass Maßnahmen, die direkt am Menschen ansetzen, stets das allerletzte Mittel der Prävention darstellen. Dies deshalb, da mit jeder Schutzausrüstung stets auch eine Belastung für den Beschäftigten verbunden ist. Eine permanente Maskentragepflicht für sämtliche Mitarbeiter/-innen kann aus Sicht des Arbeitnehmerschutzes somit nur in den seltensten Fällen argumentiert werden.

Besteht die Ver­pflichtung zum Tragen einer FFP2-Maske (oder gleichwertiger Maske) aufgrund der 4. COVID-19 SchuMaV, ist dennoch die damit verbundene Belastung im Rahmen der Arbeitsplatzevaluierung zu berücksichtigen. Dies ist konkret vorgesehen für:

  • Arbeitnehmer/-innen mit unmittelbarem Kundenkontakt (z.B. im Lebensmitteleinzelhandel, Gastgewerbe- und Beherbergungsbetriebe, sofern geöffnet,…),
  • Arbeitnehmer/-innen im Bereich der Lagerlogistik, wenn der Mindestabstand von zwei Metern nicht eingehalten werden kann,
  • Krankenanstalten, Kuranstalten und sonstigen Einrichtungen, in denen Gesundheitsdienstleistungen erbracht werden,
  • Alten- und Pflegeheime, sowie Behindertenheime,
  • Lehrer/-innen und Beschäftigte im Bereich der Elementarpädagogik bei Kontakt zu Kindern bzw. Schülern/-innen, oder
  • Personen, die im Parteienverkehr in Verwaltungsbehörden oder Verwaltungsgerichten tätig sind.

Wer wöchentlich einen negativen Corona-Test vorweisen kann, kann von der Verpflichtung zum Tragen einer FFP2 Maske befreit werden.

Welche Schutz­masken gibt es?

Es ist zu unterscheiden zwischen Mund-Nasen-Schutz und Atemschutzmasken.

  • Mund-Nasen-Schutz-Masken
    dienen ausschließlich dem Schutz der Umgebung. Die Trägerin/der Träger ist nicht vor Viren geschützt. Somit sind sie, keine persönliche Schutzausrüstung. Das Ansteckungsrisiko kann deutlich minimiert werden, wenn alle anwesenden Personen einen Mund-Nasen-Schutz tragen. Bei Kontakt mit COVID-19 Erkrankten, oder auch Verdachtsfällen, ist eine derartige Maske allerdings nicht ausreichend.

  • Atemschutzmasken
    sind für den Schutz der Träger/-innen konzipiert. Besonders verbreitet sind FFP2 Masken. Verfügen diese Masken über ein Ausatemventil, liegt kein Umgebungsschutz vor. Derartige Masken gelten gewöhnlich als persönliche Schutzausrüstung und sind vor allem bei der direkten Arbeit mit COVID-19 Erkrankten zu verwenden. Auch bei der Arbeit mit giftigen Stoffen kommen sie zum Einsatz. Im Zuge der 4. COVID-19 SchuMaV sind sie für bestimmte Bereiche der Arbeitswelt explizit vorgeschrieben.

Die Klassifizierung von Atemschutz­masken erfolgt aufgrund des Anteils an schädlicher Umgebungsatmosphäre in der eingeatmeten Luft:

AtemschutzmaskeAnteil beträgt maximal
FFP125 Prozent
FFP211 Prozent
FFP35 Prozent

Wie lange darf man Masken tragen?

Da das Tragen von (Atemschutz-)Masken, mit körperlichen Belastungen verbunden ist, muss die ununterbrochene Trage­dauer beschränkt werden. Im Zuge der Arbeitsplatzevaluierung sollte klar definiert werden, an welchen Arbeitsplätzen das Tragen von Mund-Nasen-Schutz oder FFP-Masken notwendig ist und an welchen nicht. Es ist im Sinne der Gesundheit der Beschäftigten zu empfehlen, die Arbeit so zu organisieren, dass im Rahmen der Tätigkeit regelmäßig Tragepausen gemacht werden können, ohne die maximale Tragedauer auszureizen. Trageunterbrechungen sind keine Pausen im Sinne des Arbeitszeitgesetzes. Es ist jedoch zulässig, reguläre Arbeitspausen, in denen Masken abgelegt werden können, als Trageunterbrechung zu werten.

Generalkollektivvertrag

Seit 25. Jänner bis zum 31. August 2021 gelten die Regelungen zur Entlastung bei dauerhaftem Maskentragen des neu abgeschlossenen Generalkollektivvertrags der Sozial­partner. Als Grundregel gilt nunmehr, dass für Arbeitnehmer/-innen, die bei der Ausübung der beruflichen Tätigkeit aufgrund von Gesetzen oder Verordnungen im Zusammenhang mit Covid-19 zum Tragen einer Maske (gleichgültig welcher Art) verpflichtet sind, jedenfalls nach 3 Stunden Maskentragen ein Abnehmen der Maske für mindestens 10 Minuten ermöglicht werden muss.

Während der Trageunterbrechung dürfen die Arbeitnehmer/-innen anderen Tätigkeiten nachgehen, wo kein Masken­tragen notwendig ist. Die Regelung im Generalkollektivvertrag gilt als absoluter Mindeststandard, egal welche Maske getragen wird.

Darüber hinaus kann bezüglich des Tragens von Atemschutzmasken (FFP2, FFP3) wegen der besonderen Belastung durch den erhöhten Atemwiderstand eine Arbeitsplatzevaluierung ergeben, dass Trageunterbrechungen bereits nach kürzerer Zeit notwendig und/oder längere Trage­unterbrechungen erforderlich sind.

Die Verpflichtung zur Arbeitsplatzevaluierung besteht sowohl beim Tragen von Atemschutzmasken, die nach dem ASchG erforderlich sind (zum Beispiel Gesundheitsbereich), als auch bei Anordnung durch gesundheitsrechtliche Vorschriften (4. COVID-19 SchuMaV).

Bei den im Rahmen der Arbeits­platzevaluierung festzulegenden Tragedauerbeschränkungen von Atemschutzmasken ist der Stand der Technik im Sinne von arbeitswissenschaftlichen Erkenntnissen zu berücksichtigen. Die Arbeitsinspektion verweist dazu auf arbeitswissenschaftliche Erkenntnisse, wonach grundsätzlich bei FFP2 Masken nach einer ununterbrochenen Tragedauer von 75 Minuten eine Trageunterbrechung im Ausmaß von 30 Minuten eingehalten werden soll.

Ausführliche Informationen dazu finden Sie auf der Website der Arbeitsinspektion: Persönliche Schutzmaßnahmen - Allgemein (arbeitsinspektion.gv.at) 

Masken und die Psyche

Die Anwendung von Masken hat auch eine psychische Komponente. Man wird beispielsweise ständig an die Infektionsgefahr erinnert. Der Atem­widerstand kann auch beim Mund-Nasen-Schutz bei manchen Menschen zu Beklemmungen führen. Durch das Tragen der Masken kommt bei den Träger/-innen jedoch häufig auch eine falsche Sicherheit auf, wodurch sie Maßnahmen wie Abstandhalten und Händehygiene vernachlässigen. Etwaige psychische Aspekte sind in der Arbeitsplatzevaluierung ebenfalls zu berücksichtigen.

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