14.7.2020

Schutz­masken im Arbeit­nehmer­schutz - ein Über­blick

Vor wenigen Monaten noch undenkbar, mittlerweile Alltag: Schutzmasken. Doch welche Masken sind aus Sicht des Arbeitnehmerschutzes sinnvoll? Was ist bei der Anwendung zu beachten? Welche gesetzlichen Grundlagen gibt es zu diesem Thema?

Fürsorge­pflicht des Arbeit­gebers / der Arbeit­geberin

Arbeitgeber tragen die Fürsorgepflicht und haben umfassende Verpflichtungen im Arbeitnehmer­schutz (§ 1157 Allgemein Bürgerliches Gesetzbuch und § 3 ArbeitnehmerInnen­schutzgesetz - ASchG). Demnach muss der / die Arbeitgeber/-in  sicherstellen, dass Beschäftigte am Arbeitsplatz keine gesundheitlichen Schäden erleiden. Schutzmittel müssen auf Kosten des Arbeitgebers / der Arbeitgeberin zur Verfügung gestellt werden. 

Laut ASchG muss der / die Arbeitgeber/-in für eine umfassende Arbeitsplatz­evaluierung sorgen (§ 4). Dabei sind alle Gefährdungen zu erheben, zu bewerten und Maßnahmen dagegen festzulegen. Das umfasst auch die Risiken durch das Corona-Virus oder sonstige erhebliche Ansteckung­srisiken. Die Gefahr durch das Virus muss in die Evaluierung einfließen. Hierbei sind die Grundsätze der Gefahren­verhütung zu beachten (§ 7 ASchG). So muss bei der Maßnahmen­setzung die Möglichkeit der Risikovermeidung geprüft, der Stand der Technik beachtet und der kollektive dem individuellen Gefahren­schutz bevorzugt werden.

Schutzmasken für alle Mitarbeiter/-innen?

Bevor der persönliche Schutz angewendet werden darf und alle Beschäftigten mit Masken ausgestattet werden, muss laut Gesetz erst die technische und organisatorische Umsetzbarkeit der Maßnahme geprüft werden (§ 69 Abs. 2 ASchG).

Technische Maßnahmen wären etwa Plexiglasscheiben zur Abtrennung.

Eine organisatorische Maßnahme könnte sein, dass die Arbeit so gestaltet wird, dass ein Abstand von 1,5 bis 2 Metern jederzeit einhaltbar ist. Nur wenn durch technische und organisatorische Maßnahmen kein ausreichender Schutz und Abstand gewährleistet werden kann, sind Masken vorzusehen.

Welche Schutzmasken gibt es?

Besonders verbreitet sind aktuell Mund-Nasen-Schutz-Masken, Faceshields und Atemschutzmasken.

  • Mund-Nasen-Schutz-Masken dienen ausschließlich dem Schutz der Umgebung. Die Trägerin/der Träger ist nicht ausreichend vor Viren geschützt. Somit gelten sie auch nicht als persönliche Schutzausrüstung. Wird ein Virus durch die Luft übertragen, kann das Ansteckungs­risiko nur minimiert werden, wenn alle anwesenden Personen einen Mund-Nasen-Schutz tragen. Bei Kontakt mit COVID-19 Erkrankten, oder auch Verdachtsfällen, ist eine derartige Maske nicht ausreichend.

  • Faceshiels sind mittlerweile weit verbreitet. Im Vergleich zur Mund-Nasen-Schutz-Maske bieten sie jedoch deutlich weniger Schutz für Träger/-innen und Umgebung. Sie können jedoch eine sinnvolle Ergänzung zu anderen Masken sein. Beispielsweise bei der Betreuung von COVID-19 Erkrankten, in Kombination mit einer Atemschutz­maske, um die Augen bei direktem Anhusten zu schützen.

  • Atemschutzmasken sind für den Schutz der Träger/-innen konzipiert. Verfügen diese Masken über ein Ausatem­ventil, liegt kein Umgebungs­schutz vor. Derartige Masken gelten als persönliche Schutzaus­rüstung und sind vor allem bei der direkten Arbeit mit COVID-19 Erkrankten zu verwenden. Auch bei der Arbeit mit giftigen Stoffen kommen sie zum Einsatz. Im sonstigen Arbeitsalltag machen sie aufgrund der Belastung durch den Atemwiderstand und den eventuell fehlenden Umgebungsschutz wenig Sinn.

Die Klassifizierung von Atemschutz­masken erfolgt aufgrund des Anteils an schädlicher Umgebungsatmosphäre in der eingeatmeten Luft:

AtemschutzmaskeAnteil beträgt maximal
FFP125 Prozent
FFP211 Prozent
FFP3 5 Prozent

Bei Kontakt mit COVID-19 Erkrankten und Verdachts­fällen muss mindestens FFP2 zum Einsatz kommen. In Bezug auf das Corona-Virus ist davon auszugehen, dass eine Anwendung von Atemschutz­masken am Arbeitsplatz ausschließlich im betreuenden Gesundheits- und Sozial­bereich notwendig ist. Eine Wieder­aufbereitung von Atemschutz­masken für die Zeit der Pandemie ist für Kranken­häuser unter bestimmten Voraus­setzungen per Erlass ermöglicht worden.

Wie lange kann man Schutzmaske tragen?

Da die Anwendung von Masken, insbesondere von Atemschutzmasken, mit körperlichen Belastungen verbunden ist, muss die ununterbrochene Tragedauer beschränkt werden. Trage­unter­brechungen sind dabei vorzusehen.

  • Für Atemschutzmasken ohne Ausatem­ventil wird beispielsweise eine maximale ununterbrochene Tragedauer von 75 Minuten, gefolgt von einer Unterbrechung von 30 Minuten, empfohlen.

  • Die körperliche Belastung bei der Arbeit (zum Beispiel durch die Temperatur) ist zu berücksichtigen.

  • Schwangere dürfen aufgrund des Atem­widerstands keine Atemschutz­masken tragen.

  • Mund-Nasen-Schutz-Masken bieten wenig Atem­widerstand. Für gesunde Träger/-innen ist durchaus auch eine längere Anwendung möglich. Allerdings empfinden viele Menschen den Mund-Nasen-Schutz als unangenehm bzw. bekommen Beklemmungen.

Die Anwendung von Masken hat schließlich auch eine psychische Komponente. Man wird dadurch ständig an die bedrohliche Ausnahme­situation erinnert. Auch geringer Atem­widerstand kann für manche zu Beklemmungen führen. Durch das Tragen der Masken kommt bei den Träger/-innen häufig eine falsche Sicherheit auf, wodurch sie Maßnahmen wie Abstand­halten und Hände­hygiene vernachlässigen.

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