13.11.2020

Schutz­masken im Arbeit­nehmer­schutz

Welche Masken sind aus Sicht des Arbeitnehmerschutzes sinnvoll? Was ist zu beachten? Welche gesetzlichen Grundlagen gibt es?

Fürsorge­pflicht des Arbeit­gebers

Arbeitgeber tragen die Fürsorgepflicht und haben Verpflichtungen im Arbeitnehmerschutz (§ 1157 Allgemein Bürgerliches Gesetzbuch und § 3 ArbeitnehmerInnenschutzgesetz - ASchG). Sie müssen sicherstellen, dass Beschäftigte am Arbeitsplatz keine gesundheitlichen Schäden erleiden und entsprechende Schutzmittel zur Verfügung stellen. 

Laut ASchG muss der Arbeitgeber für eine umfassende Arbeitsplatzevaluierung sorgen (§ 4). Dabei sind alle Gefährdungen zu erheben, zu bewerten und Maßnahmen dagegen festzulegen. Das umfasst auch die Risiken durch das Corona-Virus oder sonstige erhebliche Ansteckungsrisiken. Die Gefahr durch das Virus muss in die Evaluierung einfließen. Hierbei sind die Grundsätze der Gefahrenverhütung zu beachten (§ 7 ASchG). So muss bei der Maßnahmensetzung die Möglichkeit der Risikovermeidung geprüft, der Stand der Technik beachtet und der kollektive dem individuellen Gefahrenschutz bevorzugt werden.

Schutz­masken für alle Mitarbeiter?

Bevor Beschäftigte mit Masken ausgestattet werden, muss die technische und organisatorische Umsetzbarkeit geprüft werden (§ 69 Abs. 2 ASchG). 

  • Technische Maßnahmen
    Das wären zum Beispiel Plexiglasscheiben zur Abtrennung.
  • Organisatorische Maßnahmen
    Eine organisatorische Maßnahme könnte sein, dass man so arbeitet, dass man 1,5 bis 2 Meter Abstand halten kann.

Wenn durch Technik und Organisation kein Schutz und Abstand gewährleistet werden kann, braucht man Masken.

Gemäß COVID-19-Schutzmaßnahmenverordnung ist über das verpflichtende Tragen von Masken am Arbeitsplatz ein Einvernehmen zwischen Arbeitgeber und Arbeitnehmer/-in herzustellen, wenn nicht andere gesetzliche Vorgaben hier klare Regelungen vorsehen (zum Beispiel verpflichtender Mund-Nasen-Schutz im Lebensmitteleinzelhandel).

Welche Schutz­masken gibt es?

Besonders verbreitet sind Mund-Nasen-Schutz-Masken und Atemschutzmasken.

  • Mund-Nasen-Schutz-Masken
    dienen ausschließlich dem Schutz der Umgebung. Die Trägerin/der Träger ist nicht vor Viren geschützt. Somit sind sie keine persönliche Schutzausrüstung. Wird ein Virus durch die Luft übertragen, kann das Ansteckungsrisiko insbesondere minimiert werden, wenn alle anwesenden Personen einen Mund-Nasen-Schutz tragen. Bei Kontakt mit COVID-19 Erkrankten, oder auch Verdachtsfällen, ist eine derartige Maske nicht ausreichend.
  • Atemschutzmasken
    sind für den Schutz der Träger/-innen konzipiert. Verfügen diese Masken über ein Ausatem-Ventil, liegt kein Umgebungsschutz vor. Derartige Masken gelten als persönliche Schutzausrüstung und sind vor allem bei der direkten Arbeit mit COVID-19 Erkrankten zu verwenden. Auch bei der Arbeit mit giftigen Stoffen kommen sie zum Einsatz. Im sonstigen Arbeitsalltag machen sie aufgrund der Belastung durch den Atemwiderstand und den eventuell fehlenden Umgebungsschutz wenig Sinn.

Mittlerweile durch die Regierung verboten:

  • Faceshields 
    waren weit verbreitet, boten aber im Vergleich zur Mund-Nasen-Schutz-Maske deutlich weniger Schutz für Träger/-innen und Umgebung. Der Gesetzgeber hat reagiert und sieht nun für den Ort der beruflichen Tätigkeit eine den Mund- und Nasenbereich abdeckende, eng anliegende, mechanische Schutzvorrichtung vor. Bei der Betreuung von COVID-19 Erkrankten, in Kombination mit einer Atemschutzmaske, können Faceshields jedoch weiterhin sinnvoll zum Einsatz kommen um die Augen bei direktem Anhusten zu schützen.

Die Klassifizierung von Atemschutz­masken erfolgt aufgrund des Anteils an schädlicher Umgebungsatmosphäre in der eingeatmeten Luft:

AtemschutzmaskeAnteil beträgt maximal
FFP125 Prozent
FFP211 Prozent
FFP3 5 Prozent

Bei Kontakt mit COVID-19 Erkrankten und Verdachtsfällen muss mindestens FFP2 zum Einsatz kommen. Beim Corona-Virus ist davon auszugehen, dass eine Anwendung von Atemschutzmasken am Arbeitsplatz nur im betreuenden Gesundheits- und Sozialbereich notwendig ist. Eine Wiederaufbereitung von Atemschutzmasken für die Zeit der Pandemie ist für Krankenhäuser unter bestimmten Voraussetzungen per Erlass ermöglicht worden.

Wie lange kann man Schutz­masken tragen?

Da das Tragen von (Atemschutz-)Masken, mit körperlichen Belastungen verbunden ist, muss die ununterbrochene Tragedauer beschränkt werden. Pausen sind vorzusehen.  

  • Für Atemschutzmasken ohne Ausatemventil ist eine maximale ununterbrochene Tragedauer von 75 Minuten, gefolgt von einer Unterbrechung von 30 Minuten, vorzusehen.
  • Für Atemschutzmasken mit Ausatemventil ist eine maximale ununterbrochene Tragedauer von 120 Minuten, gefolgt von einer Unterbrechung von 30 Minuten, vorzusehen.
  • Die angeführten Trageunterbrechungen gelten als technischer Standard, welche der Arbeitgeber aufgrund des Arbeitnehmerschutzgesetzes zu berücksichtigen hat.
     
  • Weitere Aspekte, wie beispielweise die körperliche Belastung bei der Arbeit (zum Beispiel Temperatur) ist bei der maximalen Tragedauer zu berücksichtigen.
  • Schwangere dürfen aufgrund des Atem­widerstands keine Atemschutz­masken tragen.
  • Mund-Nasen-Schutz-Masken bieten kaum Atem­widerstand. Trotzdem sollte man sie nicht durchgehend tragen. Bei längerer Anwendung sollten Tragepausen geplant werden, welche sich an jenen von Atemschutzmasken mit Ausatemventil orientiert (nach 120 Minuten 30 Minuten Unterbrechung). Der regelmäßige Wechsel der Maske muss gewährleistet sein. 

Die Anwendung von Masken hat auch eine psychische Komponente. Man wird ständig an die bedrohliche Situation erinnert. Auch geringer Atemwiderstand kann zu Beklemmungen führen. Durch das Tragen der Masken kommt bei den Trägern/-innen häufig eine falsche Sicherheit auf, wodurch sie Maßnahmen wie Abstandhalten und Händehygiene vernachlässigen.

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