Familiensplitting

Die Arbeiterkammer lehnt Familiensplitting im Steuerrecht ab. In diesem Modell wird das zu versteuernde Einkommen auf die Zahl der Familienmitglieder aufgeteilt. Kleinverdiener/-innen hätten davon nichts, Durchschnitts-Verdiener/-innen wenig, Spitzenverdiener/-innen hingegen sehr viel. Ihre Kinder wären der Allgemeinheit plötzlich viel mehr wert.

Gut ausgebaute Kinderbetreuung wichtiger

Die Befürworter des Familiensplitting-Modells verweisen gerne auf Frankreich. Dort gibt es Familiensplitting. Allerdings ist es das sehr gut ausgebaute Kinderbetreuungssystem, das die Vereinbarkeit von Beruf und Familie erleichtert und so höhere Geburtenraten fördert.

Steuervorteile für Reiche

  • Vater verdient 2000 Euro, die Mutter 1200 Euro brutto monatlich, 1 Kind (mit 0,5 gewichtet): Die Eltern zahlen zusammen 2747 Euro Lohnsteuer (ohne 13./14. Gehalt), das Familiensplitting würde sie um 2237 Euro im Jahr entlasten. Da vermutlich die bestehende Familienförderung wegen der Finanzierung des Familiensplittings gekürzt würde, hätte dieses Modell für diese Einkommensgruppe kaum Vorteile.

  • Alleinerzieherin mit Bruttoeinkommen von 1600 Euro, 1 Kind: Die Entlastung durch das Familiensplitting beträgt nur 817 Euro/Jahr.

  • Vater verdient 7000 Euro brutto pro Monat, die Mutter ist nicht berufstätig, 3 Kinder (mit 0,5 gewichtet): Dieser Mann zahlt bisher 26.351 Euro Steuer, durch ein Familiensplitting würde er sich 14.540 Euro ersparen. Bleiben alle sonstigen Familienförderungen erhalten, bedeutet das eine Verdreifachung der Familienförderung.

Familiensplitting kostet 4 Milliarden Euro

Der Steuerausfall würde sich auf rund 4 Milliarden Euro belaufen. Die Befürworter des Familiensplittings machen keine genauen Angaben, wie es finanziert werden kann. Zu befürchten ist, dass einmal mehr die Arbeitnehmer/-innen zur Kasse gebeten werden sollen. Etwa indem sie auf die längst überfällige Lohnsteuersenkung oder auf bisher bestehende Familienförderung verzichten.

Jedes Kind ist gleich viel wert

Ähnlich wie das Ehegattensplitting (Einkommen wird ungeachtet der Berufstätigkeit auf beide aufgeteilt) ist Familiensplitting ein Hindernis für die Berufstätigkeit der Frauen. Darüber hinaus bedeutet es eine eklatante Ungerechtigkeit gegenüber den Familien: Kinder aus reichen Familien wären plötzlich dem Staat viel mehr wert als Kinder aus einkommensschwachen. Der in den 70-er Jahren mühsam durchgesetzte Konsens "Jedes Kind ist der Allgemeinheit gleich viel wert" würde dadurch zerstört.

Die Arbeiterkammer fordert daher:

  • Keine Steuerprivilegien für Alleinverdiener-Familien!

  • Eine Arbeitswelt, die es Männer und Frauen ermöglicht, Familie und Beruf unter einem Hut zu bringen!
  • Gute und leistbare Kinderbetreuung für alle Familien!
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