13.04.2015
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FAQs zur Steuerreform

Rund um die Lohnsteuer-Reform gibt es viele Fragen und noch mehr Meinungen. Wir haben unsere Antworten auf häufige Fragen für Sie gesammelt und liefern Ihnen hier unsere Einschätzungen zur Reform.

Was sind die wichtigsten Eckpunkte der Reform?

  • Der Eingangssteuersatz ist gesenkt worden. Wenn das Einkommen die Steuergrenze überschreitet (bei Arbeitnehmer/-innen 1.200 Euro brutto im Monat) werden nicht mehr 36,5 % sondern nur mehr 25 % Lohnsteuer abgezogen.

  • Bezieher/-innen von kleinen Einkommen (unter 11.000 Euro pro Jahr) werden entlastet, selbst wenn sie keine Lohnsteuer zahlen: Geringverdiener/-innen erhalten eine jährliche Negativsteuer von bis zu 400 Euro jährlich (bisher max. 110 Euro). Darüber hinaus erhalten auch Pensionisten/-innen erstmalig eine Negativsteuer von bis zu 110 Euro pro Jahr. Die Negativsteuer ist als kleiner Ausgleich für die Teuerung gedacht.

  • Die Grenze für den 50-Prozent-Steuersatz wird von 60.000 auf 90.000 Euro steuerliches Jahreseinkommen pro Jahr hinaufgesetzt. Der Spitzensteuersatz für Einkommen ab einer Million Euro pro Jahr wird auf 55 Prozent angehoben. 
  • Der steuerliche Kinderfreibetrag wird von 220 auf 440 Euro jährlich angehoben.
  • Der Pendlerzuschlag zur Negativsteuer bei Geringverdiener/-innen wird erhöht.

Wie sehen alter & neuer Steuertarif im Vergleich aus?

Bitte beachten Sie, dass nur jene Einkommensteile mit dem angegebenen Steuersatz versteuert werden, die über der jeweiligen Steuergrenze liegen. 

Steuertarif derzeit Steuertarif ab 2016
Einkommen Lohnsteuer Einkommen Grenzsteuersatz
bis 11.000 € 0 % bis 11.000 € 0%
11.001 – 25.000 € 36,5 % 11.001 – 18.000 € 25 %
25.001 – 60.000 € 43,2 % 18.001 – 31.000 € 35 %
ab 60.001 € 50 % 31.001 – 60.000 € 42 %
    60.001 – 90.000 € 48 %
    90.001 – 1.000.000 € 50 %
    ab einer Million 55 %
Arbeitnehmer- /Verkehrsabsetzbetrag 345 € Arbeitnehmer- /Verkehrsabsetzbetrag 400 €
Pensionisten-Absetzbetrag 400 € Pensionisten-Absetzbetrag 400 €

Negativsteuer

Arbeitnehmer/-innen

       


Pensionisten/-innen


10 % der SV-Beiträge, max. 110 €

 

keine Negativsteuer

Negativsteuer

Arbeitnehmer/-innen

       


Pensionisten/-innen


50 % der SV-Beiträge, max. 400 €

     

50 % der SV-Beiträge, max. 110 €

Diagramm Tarifreform 2016, alter vs. neuer Tarif © -, AKOÖ

Beispiel: So profitiert eine Familie

Sehen Sie hier, wie ein Familie mit zwei Einkommen und zwei Kindern profitiert.


Monatsbrutto   jährliche Entlastung
Herr A 2.700 €  1.094 €
Freibeträge für 2 Kinder
________________________

 + 154 €
_______
Gesamtentlastung Herr A
 = 1.248 €
Frau A
_____________________
1.000 € + 301 €
______
Gesamtentlastung Familie A  = 1.549 €
TIPP

Wie hoch ist Ihre Ersparnis? Rechnen Sie nach mit dem Mehrnettorechner von ÖGB & AK.

Werden die Bezieher/-innen kleiner Einkommen zuwenig entlastet?

Auf die kleineren Einkommen, für die gar keine Lohnsteuer anfällt, wurde bei der Steuerreform nicht vergessen. Wer weniger als 11.000 Euro pro Jahr verdient, bekommt jährlich bis zu 400 Euro Negativsteuer vom Finanzamt zurück.   

Pensionisten/-nnen (ausgenommen Bezieher/-innen der Ausgleichszulage), die keine Lohnsteuer bezahlen, bekommen bis zu 110 Euro Negativsteuer zurück. Bisher bekamen sie keine Negativsteuer.

Einkommen über 11.000 Euro pro Jahr werden insbesondere durch einen niedrigeren Eingangssteuersatz entlastet.

Auch wenn sich die Tarifsenkung bei höheren Einkommen in absoluten Zahlen ausgedrückt stärker auswirkt: Prozentuell gesehen werden die kleinsten Einkommen am stärksten entlastet – für sie muss oft nur mehr ein Bruchteil der bisherigen Lohnsteuer gezahlt werden.

Beispiel

Wer zum Beispiel 3.000 € brutto verdient, zahlt derzeit jährlich eine Lohnsteuer von 6.886 € und spart sich durch die Steuerreform nun 19 %

Bei einem Einkommen von 1.300 € brutto beträgt derzeit die jährliche Lohnsteuer 444 €. Nach der Steuerreform müssen nur noch 170 € Lohnsteuer bezahlt werden. Das entspricht einer Ersparnis von 62%.

Wie wird die Lohnsteuersenkung finanziert? 

90 Prozent werden von Unternehmen, durch Einnahmen aus der Bekämpfung des Steuerbetrugs, durch sinnvolles Sparen beim Staat und durch die Stärkung der Kaufkraft finanziert.

Wichtigste Maßnahmen im Kampf gegen den Steuerbetrug sind die Einführung der Registrierkassenpflicht und die Abschaffung des Bankgeheimnisses für Unternehmen.

Zudem wurden durch die Anhebung der KESt auf Dividenden, durch die Anhebung einer Immobilienspekulationssteuer und durch Anpassungen bei der Grunderwerbssteuer auch Schritte bei vermögensbezogenen Steuern gesetzt.

Ein guter Teil der Steuerentlastung wird in den privaten Konsum fließen. So wird die Wirtschaft angekurbelt: Das ist in Zeiten schwacher Konjunktur dringend nötig. Auf diesem Wege werden auch zusätzliche Arbeitsplätze geschaffen.

Müssen sich die Arbeitnehmer/-innen die Reform selbst zahlen?

Nur zu einem sehr kleinen Teil. Die Vorteile der Reform überwiegen bei weitem. Folgende Änderungen stehen im Regierungspaket: 

1. Mehrwertsteuer wird teilweise von 10 auf 13 % angehoben

Die ermäßigten Steuersätze in der Umsatzsteuer sollen bei einigen Produktgruppen von 10 % auf 13 % erhöht werden, und zwar für: 

  • Beherbergung
  • Lebende Tiere, Saatgut, Pflanzen
  • Kulturelle Dienstleistungen
  • Futtermittel
  • Holz
  • Jugendbetreuung
  • Luftverkehr
  • Bäder
  • Museen, Tiergärten
  • Filmvorführung

Beispiele

  • Ein Kinoticket um netto 6,30 Euro könnte also künftig  7,10 Euro statt  7 Euro inklusive Mehrwertsteuer kosten. 
  • Eine Übernachtung um netto 90 Euro könnte künftig 102 Euro statt 99 Euro inklusive Mehrwertsteuer kosten.
  • Tierfutter für das bisher 50 Euro monatlich ausgegeben wurde, könnte künftig 51,40 Euro kosten.

Das setzt allerdings voraus, dass die erhöhte Steuer zur Gänze an die Kundinnen und Kunden weitergegeben wird. 

Das prognostizierte Mehraufkommen von 250 Mio. Euro aus dieser Steuererhöhung zeigt, dass nur ein geringer Teil des fünf Milliarden schweren Steuerpakets durch die die teilweise Anhebung der Mehrwertsteuer finanziert wird. Wichtig ist aus unserer Sicht, dass die begünstigten Sätze für sensible Produkte wie Lebensmittel, Mieten und Medikamente unangetastet bleiben und es keine Erhöhung von Massensteuern gibt.

2. Einschränkungen bei den Sonderausgaben

Die so genannten Topf-Sonderausgaben laufen aus. Ausgaben für Personenversicherungen, Wohnraumschaffung und Wohnraumsanierung können künftig nicht mehr im Rahmen der ArbeitnehmerInnenveranlagung abgeschrieben werden. Für bestehende Verträge können sie noch 5 Jahre lang geltend gemacht werden. 

Andere Sonderausgaben wie Spenden, Steuerberatungskosten und Beiträge zu Kirchen und gesetzlich anerkannten Religionsgemeinschaften können weiterhin geltend gemacht werden.

Was das die oder den Einzelnen kostet, hängt vom Einkommen ab und davon, ob der Alleinverdiener- bzw. Alleinerzieherabsetzbetrag zusteht. Für eine alleinstehende Person, die bisher den Höchstbetrag (2.920 Euro) geltend machen konnte, kann der Entfall der Sonderausgaben rund 300 Euro pro Jahr kosten. 

Wird es teurer, Grundstücke zu vererben oder zu verschenken?

Ja und nein. Es kann nämlich auch sein, dass es billiger wird. Bisher wurde als Berechnungsbasis der sogenannte Einheitswert herangezogen. Ab 2016 soll der Verkehrswert herangezogen werden. Zudem werden die Steuersätze gestaffelt und progressiv angewendet. Ist eine Immobilie also 500.000 Euro wert, fällt folgendes an Steuern an:

Verkehrswert der Immobilie
Steuer
bis 250.000 Euro0,5 %
zwischen 250.000 und 400.000 Euro2,0 %
ab 400.000 Euro3,5 %

Das Vererben beziehungsweise Verschenken einer Immobilie kann daher auch billiger werden.

Beispiel

Ein Einfamilienhaus hat einen Einheitswert von 20.250 Euro und einen Verkehrswert von 186.500 Euro.

Herangezogen
wird ...
SteuersatzBerechnung Daher zu
zahlen:
Steuer ALT:3-facher
Einheitswert
2 %20.250 x 3,
davon 2 %
1.215,00 €
Steuer NEU:Verkehrswert0,5 %0,5 %
von 186.500
 932, 50 €

Begünstigt die Steuerreform Männer mehr als Frauen?

Ja und nein. 62 % des Entlastungsvolumens kommt Männern zugute. Allerdings ist zu beachten, dass auch 62 % des steuerpflichtigen Einkommens von Männern bezogen wird. Männer werden daher nicht überproportional durch die Steuerreform begünstigt. Aufgrund der im Durchschnitt geringeren Einkommen von Frauen werden diese jedoch insbesondere von der Absenkung des Eingangssteuersatzes und der Erhöhung der Negativsteuer entlastet. Auch die Einführung der Negativsteuer für Pensionisten/-innen kommt speziell Frauen zugute.  

Reicht die Gegenfinanzierung aus?

Diese Sorge haben viele. Was ist, wenn das Gegenfinanzierungsmodell nicht hält, was es verspricht? Natürlich kann in der Zukunft immer etwas Unvorhergesehenes passieren, aber die Berechnungen zur Gegenfinanzierung beruhen auf Zahlen des Finanzministeriums. Uns wurde mehrfach bestätigt, dass diese wasserdicht und valide sind. Was wir uns jedenfalls gewünscht hätten, wäre die Einführung einer Steuer auf sehr große Erbschaften und Vermögen. Hier heißt es, weiterkämpfen und weiterhin harte Bretter bohren.  

Ist das wirklich die „größte Steuerreform aller Zeiten“?

Lange hieß es immer nur kategorisch „Nein!“, wenn ÖGB und AK eine Lohnsteuersenkung forderten. Dass die Reform überhaupt von der Regierung angegangen wurde und nun wirklich eine spürbare Entlastung bringt, freut uns sehr und ist auch den vielen Menschen zu verdanken, die unsere Kampagne unterstützt haben.

Auch in Zahlen betrachtet ist die Reform beeindruckend: Die Menschen werden mit einer nie dagewesenen Summe von 5 Milliarden Euro entlastet. 84 % der Entlastung entfallen auf kleinere und mittlere Einkommen unter der Höchstbeitragsgrundlage. Und die Arbeitnehmer/-innen müssen sich ihre Entlastung nicht selbst zahlen – etwa durch eine höhere Besteuerung von Urlaubs- oder Weihnachtsgeld. Das lag bei den Verhandlungen lange am Tisch, konnte aber erfolgreich verhindert werden. Große Zugeständnisse an die Wirtschaft wurden ebenfalls abgewendet.


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