Mehr Löhne und Gehälter für Beschäftigte

Die mittleren Löhne und Gehälter sind in den letzten beiden Jahrzehnten real und netto gesunken. Betroffen davon sind vor allem Beschäftigte in atypischen und instabilen Arbeitsverhältnissen. Arbeitnehmer/-innen, die ohnehin zu den Besserverdienenden gehören oder Vollzeit beschäftigt sind, konnten dagegen Einkommenszuwächse für sich verzeichnen.

Die von Arbeiterkammer und Gewerkschaft 2016 durchgesetzte Lohnsteuerreform brachte ein durchschnittliches Kaufkraft-Plus von 3 Prozent. Seither geht es mit der Wirtschaft bergauf, die Konjunkturprognosen für 2017 wurden gerade neuerlich nach oben korrigiert. Es ist also Zeit, die Löhne und Gehälter kräftig zu erhöhen. 

5 Prozent weniger Lohnquote

In den vergangenen 40 Jahren ist die Lohnquote (Brutto-Anteil der Arbeitnehmerentgelte inklusive Arbeitgeber-Sozialversicherungsausgaben) von 75 auf rund 70 Prozent gesunken, gemessen am in Österreich erarbeiteten Volkseinkommen. 

Diese Zahl ist beachtlich, immerhin entsprach 2016 1 Prozentpunkt rund 2,4 Milliarden Euro. Zum Vergleich: Die kleine Gruppe der Aktionäre/-innen von 20 an der Wiener Börse notierten Top-Unternehmen ließ sich im Geschäftsjahr 2016 Gewinne in Höhe von 2,3 Milliarden Euro ausschütten – um 30 Prozent mehr als 2015.

Produktivität wächst doppelt so schnell wie Lohnkosten

Die Produktivität der Arbeitnehmer/-innen ist in den letzten 2 Jahrzehnten doppelt so schnell gewachsen wie die Lohnkosten.

Einkommensunterschiede werden größer 

Die Einkommensungleichheit wächst. Vorstandsvorsitzende von österreichischen Börseunternehmen bekamen im Jahr 2016 ein durchschnittliches Jahresgehalt von 1,6 Millionen Euro, das entspricht 114.000 Euro im Monat (14-mal). Ein durchschnittlicher ganzjährig vollzeitbeschäftigter Arbeitnehmer dagegen müsste 33 Jahre lang arbeiten, um so viel zu verdienen. Die meisten sind selbst vom Erreichen der Höchstbeitragsgrundlage zur Sozialversicherung (4.860 Euro im Jahr 2016) meilenweit entfernt. Nur 8,5 Prozent der Männer und 1,5 Prozent der Frauen verdienen mehr. 

Das mittlere Einkommen der oberösterreichischen Arbeitnehmer/-innen (Median = die eine Hälfte bekommt mehr, die andere weniger) betrug 2016 genau 2.224 Euro brutto. Das sind um 1,5 Prozent mehr als im Jahr zuvor. Netto ist der Anstieg wegen der Lohnsteuerreform höher. Auch hier zeigt sich wieder der sogenannte „Gender Pay Gap“ ganz deutlich: Das Median-Einkommen der Männer betrug 2.648 Euro, jenes der Frauen nur 1.624 Euro, also um 39 Prozent weniger.

Im Bezirksvergleich verdienen die männlichen Angestellten der Stadt Steyr mit 4.130 Euro am meisten, gefolgt von Perg (rund 3.640 Euro) und Wels-Land (rund 3.530 Euro). Am wenigsten verdienen Arbeiterinnen in Rohrbach, Freistadt und Schärding mit gerade einmal rund 1.130 bis 1.200 Euro.

Leistungen der Beschäftigten belohnen!

Das wichtigste Argument für kräftige Lohnerhöhungen aber sind die Leistungen der Arbeitnehmer/-innen. Die österreichischen Beschäftigten haben im Jahr 2016 insgesamt fast 7 Milliarden Erwerbsarbeitsstunden geleistet, darunter mehr als eine Viertelmilliarde Überstunden. Ein Fünftel davon - rund 50 Millionen Überstunden – wurde nicht abgegolten, weder in Geld noch in Zeit. 

12-Stunden-Tag: Beschäftigte verlieren Überstundenzuschläge

Durch die von der Industrie geforderte „Arbeitszeitflexibilisierung“ (Stichwort 12-Stunden-Tag) würden die Beschäftigten durch den Wegfall von Überstundenzuschlägen rund 2 Milliarden Euro verlieren.

AK fordert: Löhne und Gehälter müssen kräftig ansteigen

Die Arbeiterkammer Oberösterreich fordert eine deutliche Erhöhung des Reallohnes, damit die Kaufkraft der Beschäftigten gestärkt wird. Und es sollten die Löhne und Gehälter nach Kollektivvertrag flächendeckend auf mindestens 1.500 Euro, mittelfristig auf 1.700 Euro angehoben werden. 

Auch die Arbeitsbedingungen müssen fairer werden 

  • Es braucht eine kürzere Vollzeit in Richtung effektiver 35-Stunden-Woche (inklusive Überstunden) mit Lohn- und Personalausgleich.

  • Für Unternehmen muss eine Überstunden- und Mehrarbeitsabgabe in der Höhe von 1 Euro pro Stunde eingeführt werden.

  • Überstunden gehören korrekt abgegolten und abgebaut.

  • Unternehmen, die krankmachende Arbeits(zeit)bedingungen nicht abstellen, müssen höher bestraft werden.  
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